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Messe Frankfurt Techtextil 2015 zeigt Therapien mit Textilien

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Ein Sensorhandschuh als Therapiehilfe für Schlaganfallpatienten, eine künstliche Gebärmutter für Frühchen oder textile Knochenkomponenten – was die Textilforschung hervorbringt, sprengt bisweilen noch die Grenzen der Fantasie. Firmen und industrienahe Forschungseinrichtungen stellen ihre Errungenschaften im Mai auf der Techtextil in Frankfurt vor.

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Tipstim, ein Sensorhandschuh mit einem Steuergerät als Impulsgeber: Durch sensible Stimulation der Fingerspitzen werden in den für die Hand zuständigen, zugeordneten Gehirnarealen plastische Prozesse ausgelöst.
Tipstim, ein Sensorhandschuh mit einem Steuergerät als Impulsgeber: Durch sensible Stimulation der Fingerspitzen werden in den für die Hand zuständigen, zugeordneten Gehirnarealen plastische Prozesse ausgelöst.
(Bild: Bosana Medizintechnik)

Den meisten seit Kindertagen vertraut, ist das Heftpflaster mit Sicherheit das Paradebeispiel für textile Medizinprodukte. Gut 370 der über 1.300 Techtextil-Aussteller und -Partner zeigen vom 4. bis 7. Mai in Frankfurt am Main technische Textilien und Vliesstoffe für die Medizintechnik. Drei Hightechanwendungen zeigen, welche wissenschaftlichen Ergebnisse bereits in neue Medizinprodukte überführt werden.

Gehirnstimulation über einen Sensorhandschuh

Eine vollkommen neue Therapiehilfe, die sich aufgrund ihres Wirkungsbildes für etwa jeden dritten der jährlich hinzukommenden 270.000 Schlaganfallpatienten in Deutschland empfiehlt, ist Tipstim: ein Sensorhandschuh mit einem zigarettenschachtelgroßen Steuergerät als Impulsgeber. Vier Jahre nach der Prototypentwicklung, klinischen Tests und Zertifizierungen durch das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland steht das bereits zugelassene Gerät des Herstellers Bosana Medizintechnik jetzt in einer ersten Serie zur Verfügung. Produzent – und da schließt sich der Kreis – ist die Imbut GmbH, ein mittelständischer Smart-Textile-Hersteller unter dem Dach der Greizer Textilforschung.

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Neu sind bei Tipstim nicht nur die Applikation über einen Handschuh, sondern auch die Therapieform selbst und ihre Wirkungsweise. Sie beruhen auf langjährigen Forschungen des oben genannten Neuroinformatik-Instituts. Die Handhabung ist denkbar einfach: Der Patient streift sich den Handschuh über und startet die Therapiesitzung durch Verbindung mit dem Impulsgeber. Durch sensible Stimulation der Fingerspitzen werden in den für die Hand zuständigen, zugeordneten Gehirnarealen plastische Prozesse ausgelöst. Diese Form der Therapie soll effiziente, kostengünstige und für den Patienten angenehme Wege der neurorehabilitativen Therapie eröffnen.

Textil in Hightechausführung hat auch bei einem ganz anderen Medizinprodukt Pate gestanden: Eine künstliche Gebärmutter für Frühchen überträgt die mütterliche Umgebung in den Inkubator. Dazu gehören akustische Reize wie Herzschlag und Mutterstimme sowie mechanische Eindrücke, die den sanften Bewegungen des Mutterleibs entsprechen. Diese frühen Wahrnehmungserfahrungen sind lebenslang prägend und für die senso-motorische Entwicklung frühgeborener Kinder enorm wichtig.

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