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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Wir sind alle schon ein wenig reifer“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 3 min Lesedauer

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Das Netzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH verbindet viele Unternehmen, darunter auch innovative Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die AATec Medical GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Dr. Rüdiger Jankowsky, Mitbegründer und CEO des Start-ups, im Interview.

Dr. Rüdiger Jankowsky, Mitbegründer und CEO von AATec Medical(Bild:  AATec Medical GmbH/Matthias Tunger Photodesign)
Dr. Rüdiger Jankowsky, Mitbegründer und CEO von AATec Medical
(Bild: AATec Medical GmbH/Matthias Tunger Photodesign)

Was genau macht AATec? Was ist das Besondere an AATec?

Dr. Rüdiger Jankowsky: Wir entwickeln ein Kombinationsprodukt aus Arzneimittel und Inhalationsgerät gegen entzündliche Atemwegserkrankungen. Das Arzneimittel basiert auf einer neuen, patentgeschützten Version von Alpha-1-Antitrypsin, kurz AAT, einem endogenen Schutzprotein, das wir rekombinant und mit optimierten Eigenschaften herstellen. Das Inhalationsgerät dient als Vernebler und sorgt dafür, dass das Protein in feinen Aerosolpartikeln eingeatmet werden kann und in die tiefen Lungenbereiche gelangt.

Neben der Kombination aus Arzneimittel und Medizinprodukt ist eine wichtige Eigenschaft die breitbandige Wirkung unseres Protein-Wirkstoffs. Dieser ist abgeleitet vom humanen Protein AAT, das natürlicherweise in der Blutbahn vorhanden ist. Bei Lungenentzündungen reicht die Konzentration von AAT in der Lunge jedoch nicht aus, um die Lunge vor krankheitsbedingten Schädigungen zu schützen. Entzündliche Atemwegserkrankungen gehen mit sehr aggressiven Enzymen, sogenannten Proteasen, einher, die von Immunzellen, den Neutrophilen, freigesetzt werden. Diese wandern in großer Zahl in die Lunge ein, um Krankheitserreger zu bekämpfen – gewissermaßen die Frontlinie unseres Immunsystems. AAT hilft normalerweise, diese Enzyme zu neutralisieren.

Kommt es jedoch zu einem Ungleichgewicht, überwiegen die aggressiven Proteasen. Das sehen wir bei chronischen Erkrankungen wie COPD, einigen Formen von Asthma oder Bronchiektasen, aber auch bei akuten Krankheitsbildern wie ARDS oder Infektionen. Genau hier setzen wir an: Wir führen ein industriell hergestelltes Schutzprotein zu, das die Aktivität dieser Enzyme gezielt reguliert.

Breitbandig bedeutet dabei, dass wir nicht nur ein einzelnes Enzym hemmen, sondern eine ganze Palette. Das ist wichtig, weil Lungenerkrankungen komplex sind und oft auch Infektionen, etwa mit Pseudomonas aeruginosa, eine Rolle spielen. Unser rekombinantes Protein kann mehrere dieser schädigenden Faktoren gleichzeitig hemmen. Diese Multimodalität ermöglicht es uns, Atemwegserkrankungen effektiv zu bekämpfen.

Was ist Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Jankowsky: Für Lungenerkrankungen gibt es einen sehr hohen medizinischen Bedarf. Wir reden hier von Hunderten Millionen Patientinnen und Patienten weltweit. Faktoren wie Umweltverschmutzung, Klimawandel und demografische Veränderungen tragen dazu bei, dass diese Erkrankungen immer weiter fortschreiten und immer mehr Menschen daran erkranken. Der großen Patientenzahl steht eine sehr limitierte Zahl von therapeutischen Optionen gegenüber. Aber auch persönliche Aspekte spielen eine Rolle, denn bei Lungenerkrankungen geht es ums Atmen – etwas, das jeder Mensch permanent und meist unbewusst macht. Es geht um die Frage, wie sehr eine eingeschränkte Lungenfunktion die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten beeinflusst. Jeder von uns kann sich vorstellen, was es bedeutet, beispielsweise keine Treppen mehr steigen zu können, weil man buchstäblich keine Luft bekommt. Das ist eine massive Einschränkung der Lebensqualität.

Und wie geht es jetzt gerade weiter mit AATec?

Jankowsky: Wir sind vor 4 Jahren, also im Jahr 2022, gestartet und stehen heute kurz vor der klinischen Entwicklung unseres ersten Produktes. Wir beabsichtigen, wenn alles wie geplant verläuft, bis zum Jahresende mit der klinischen Studie im Bereich Non-CF-Bronchiektasen (chronische Lungenerkrankung mit erweiterten Bronchien, die nicht durch Mukoviszidose verursacht wird) zu beginnen. Wir bereiten momentan die klinische Entwicklung vor, von der Herstellung und Formulierung des Wirkstoffs über die regulatorische Clearance unseres Vernebelungsapparates bis hin zur Konzeption der Studie in Zusammenarbeit mit Studienzentren. Wenn alles gut geht, möchten wir schnellstmöglich erste Patientinnen und Patienten einschließen, möglicherweise bereits 2026. Der Hauptteil der Studie wird im Jahr 2027 erfolgen.

Gibt es einen Fun Fact über Ihr Unternehmen?

Jankowsky: Es gibt einige Fun Facts über unser Unternehmen. Das, was uns wahrscheinlich am meisten von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass alle unsere Gründer bei der Gründung bereits jenseits der 50 Jahre waren. Wir sind insofern kein klassisches Start-up oder Spin-off aus einem akademischen Umfeld, sondern wir sind alle schon ein wenig reifer und haben in diesem fortgeschrittenen Alter unser Unternehmen gegründet. Tatsächlich sind die meisten Gründerinnen und Gründer deutlich jünger.

Vielen Dank!

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