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Künstliche Gebärmutter für Frühchen
Das Gerät mit dem Namen Artus, erdacht von Projektleiter Prof. Dr. Dirk Höfer und den Industriepartnern Beluga-Tauchsport GmbH, Global Safety Textiles und dem Unternehmen M. Zellner, ist nach einem ZIM-geförderten Projekt jetzt im Prototypstadium verfügbar. Es soll vor der Markteinführung noch optimiert und an den Klinikalltag angepasst werden.
Aktuell läuft eine Anwendungsbeobachtung, um die Wirkung von Artus bei Frühchen zu erforschen. Standardisiert beurteilbar ist deren klinisches Befinden über Stress-Punktescores, unter anderem den sogenannten Apgar-Score. Dabei werden Herzfrequenz, Atemanstrengung, Reflexauslösbarkeit, Muskeltonus und Hautfarbe regelmäßig beurteilt und bewertet. Prof. Höfer geht davon aus, dass sich der klinische Zustand von Frühgeborenen durch den künstlichen Uterus signifikant verbessern lässt. „Wichtige Aspekte haben wir aber bereits abgedeckt. So ist der sensorische Artificial Uterus desinfizierend waschbar. Zudem funktioniert das Wirkprinzip, nach dem die mechanischen Reize erzeugt werden, ohne elektrische Zuleitungen und damit ohne schädliche Strahlungen.“
Generell sind die Anforderungen an ein therapeutisches Medizinprodukt wie Artus hoch. So müssen zum einen über textile Materialeigenschaften wie Haptik, Elastizität und Widerstand die Bedingungen der Gebärmutter realitätsnah nachgeahmt werden. Hierzu sind Fasermaterial und Flächenherstellung gezielt aufeinander abgestimmt worden.
Tissue Engineering für 3D-Trägerstrukturen
Auf der Techtexil zunehmend auch mit seinen medizintechnischen Entwicklungen präsent ist das Institut für Textilmaschinen und textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden. Die von Dr. Dilbar Aibibu geleitete Arbeitsgruppe Bio- und Medizintextilien beschäftigt sich mit textilen Knochenkomponenten. „Textile Strukturen aus biokompatiblen Filamenten bieten hervorragende Voraussetzungen als Trägermaterial und Implantate für die regenerative Medizin“, sagt Aibibu und verweist auf medizinisch hochreine Chitosan-Multifilamente – also Faserbündel aus den aufbereiteten Panzern von Shrimps und Krabben. Daraus werden Strukturen für Zellträger und Implantate erzeugt. Für ein Verfahren zur Herstellung von dreidimensional geformten Vliesstrukturen aus Chitosan-Kurzfasern (NSN-Technologie) zur Knochengeneration hält das ITM ein Patent.
Weil defektes Knorpelgewebe eine geringe Fähigkeit zur Selbstreparatur aufweist, kommt an dieser Stelle das Tissue Engineering zur Anwendung. In Zusammenarbeit mit Medizinern des Uniklinikums Dresden werden inzwischen biologisch abbaubare und deformationsstabile Flockscaffolds auf Basis von Chitosan beforscht. Die 3D-Trägerstrukturen ermöglichen eine Anlagerung patienteneigener Stammzellen, um so die Wiederherstellung von beschädigtem Knorpelgewebe zu unterstützen.
Was sich noch wie allzu ferne Zukunft anhört, soll in den nächsten Jahren bereits Einzug in die klinische Praxis halten. So wurde ein bioverträgliches Verbundimplantatmaterial zur Behandlung von Knochenbrüchen mit Osteosynthese-Platten und Marknägeln zur operativen Stabilisierung gebrochener oder zerstörter Knochen entwickelt.
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