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Wer noch am Potenzial dieser Technologie zweifelt, nehme folgende Zahl zur Kenntnis: Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Mobiltelefone. „Viele Besitzer sind sehr gesundheitsbewusst und nutzen heute schon halb-medizinische Applikationen, wie Kalorienzähler“, so Prof. Hollick. Da sei die Grenze zu Medical Apps fließend. Zudem gäbe es längst erfolgreiche Applikationen, zum Beispiel Beispiele Langzeit-EKGs für zu Hause, die schon für kleines Geld erhältlich seien.
Prof. Hilbert fordert Awareness-Kampagne für Mobile Health
„Wir haben in einigen Bereichen die kritische Substanz, um in die Breite zu gehen“, pflichtet ihm Prof Hilbert bei. „Tun wir das nicht, laufen wir Gefahr, von anderen Nationen überholt zu werden.“ Ein Risiko, das auch SAP-Manager Przewloka sieht und deshalb die globale Perspektive im Blick behält: „Über andere Länder erreichen gute ITK-Produkte früher oder später ohnehin den eigenen Markt.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang der Zwischenruf eines Zuschauers: „Fragen Sie mal Ihren Arzt oder Apotheker. Da kennen die wenigsten die Möglichkeiten von Mobile Health.“ Ein Problem, das auch Prof. Hilbert kennt: „Mit den heute verfügbaren Lösungen könnten wir viel mehr Gesundheit und Effizienz in der Gesundheitswirtschaft stiften. Aber dafür brauchen wir dringend eine Awareness-Kampagne.“ Und geeignete Finanzierungsmodelle. „Denn das Interesse an Mobile Health sinkt mit steigendem Selbstbeteiligungsanteil der Patienten“, so Prof. Hilbert.
Finanzierungsmodelle für breite Nutzung von Mobile Health fehlen
Eine verbale Vorlage, die Detlef Hans Franke vom Verein Gesundheitswirtschaft Rhein-Main gerne annimmt: „Es fehlt an Finanzierungsmodellen. Dessen müssen sich die Krankenkassen annehmen und die erforderlichen Strukturen schaffen.“ Allerdings ergänzt Franke einschränkend, dass natürlich zwischen geregelten und ungeregelten Märkten zu unterscheiden sei. Bleibt zu hoffen, dass die Prognose von Melanie Mühl, Redakteurin der Frankfurter Allgemeine, nicht eintrifft. Denn sie geht davon aus, dass sich die Schere eher weiter öffnen wird, als geschlossen zu werden: „Künftig werden viele potenzielle Nutzer von Mobile Health ausgeschlossen sein“, so Mühl.
Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der GKV
„Dabei sieht das Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG) das anders vor“, erinnert Prof. Hilbert. Denn demnach ist die wohnortnahe, bedarfsgerechte und flächendeckende medizinische Versorgung eine der wichtigsten Leistungen des deutschen Gesundheitssystems. Allerdings stehen schon heute nicht mehr in allen Regionen genügend Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung. Was liegt also näher, als Lösungen für Mobile Health zeitnah umzusetzen?
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