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Medizinprodukte in China produzieren? So funktioniert's!

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Die Nutzung chinesischer Fertigungsanlagen wird für viele westliche Medizintechnik-OEMs immer interessanter. Sie lohnt sich für spezialisierte Fertiger bei einem relativ hohen Produktmix schon in einem mittleren Stückzahlenbereich. Der US-amerikanische Auftragsfertiger Flexan hat seit 2004 ein Tochterunternehmen im chinesischen Suzhou und berichtet aus der Praxis.

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Die Nutzung chinesischer Fertigungsanlagen lohnt sich für westliche Medizintechnik-OEMs bei einem relativ hohen Produktmix schon in einem mittleren Stückzahlenbereich, für den die Vollautomatisierung in den USA oder Europa nicht als ökonomisch angesehen wird. Hier zu sehen: die Fertigung bei Flexan in Suzhou.
Die Nutzung chinesischer Fertigungsanlagen lohnt sich für westliche Medizintechnik-OEMs bei einem relativ hohen Produktmix schon in einem mittleren Stückzahlenbereich, für den die Vollautomatisierung in den USA oder Europa nicht als ökonomisch angesehen wird. Hier zu sehen: die Fertigung bei Flexan in Suzhou.
(Bild: Flexan)
  • Lohnfertigung erfolgt vor Ort
  • Niederlassung in Suzhou verfügt über gute logistische Anbindungen
  • Vorurteile über Qualität und geistiges Eigentum gehen an der Realität vorbei

Zweifellos sind die geringeren Arbeitskosten im Reich der Mitte für viele Unternehmen nach wie vor ein Kriterium. Doch das Bild wandelt sich: Seit 2004 steigen die Mindestlöhne jedes Jahr, mit dem Effekt, dass sie laut China Labour Bulletin zumindest in den Küstenstädten den Durchschnittswert der Löhne in Asien erreicht haben. Im Bereich medizintechnischer Fertigung dürfte die Entwicklung des Lohnniveaus jedoch aktuell keinen Anlass bieten, um auf die Gründung einer Niederlassung in China zu verzichten.

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Für Flexan beispielsweise war schon 2004 ein anderer Faktor wesentlich entscheidender: „Anstoß für den Aufbau des Standorts in Suzhou war die Tatsache, dass viele Produkte, die wir im Auftrag fertigen, in China assembliert oder zu Instrumenten und Geräten zusammengesetzt werden“, erklärt European Commercial Leader Werner Karau. „Aus Sicht der Auftraggeber war es daher wünschenswert, dass die Lohnfertigung der betreffenden Teile vor Ort erfolgt, um durch die kürzeren Transportwege eine deutliche Kosteneinsparung zu erzielen.“

Umfassende Regelung durch EN ISO 13485

Trotz solcher Positivbeispiele wird eine Produktion in China mit Risiken in Verbindung gebracht, wie Unterbrechungen in der Lieferkette. „Wir hatten mit derartigen Problemen bisher nicht zu kämpfen“, erklärt Karau. „Der Standort der Niederlassung in Suzhou mag hier durchaus eine Rolle spielen.“ Die 100 km westlich von Shanghai gelegene Millionenstadt verfügt über hervorragende logistische Anbindungen. „Die Teile, die wir herstellen, können problemlos über Nacht versendet werden, da wir mit allen globalen Transportdienstleistern Verträge haben“, weiß Karau.

Des Weiteren gibt es immer wieder negative Berichte über die Qualität von Produkten von Herstellern und Lieferanten aus der Volksrepublik. Gerade Medizintechnikhersteller sind jedoch auf eine zuverlässige Versorgung mit einwandfreien Materialien angewiesen. „Im Bereich der medizintechnischen Fertigung für den westlichen Markt halte ich dieses Argument für ziemlich realitätsfern“, erklärt Karau. „Wie alle anderen Flexan-Standorte verwendet auch unsere chinesische Tochter ausschließlich die Rohmaterialien, die unsere Kunden vorgeben.“

Die EN ISO 13485, die die Herstellung und das Inverkehrbringen von Medizinprodukten regelt, ließe ein anderes Vorgehen gar nicht zu, so Karau weiter: „Die Benannte Stelle prüft auch die Rohstoffqualität, außerdem führen unsere Kunden regelmäßig Audits durch, um nachzuweisen, dass ihre Spezifikationen in vollem Umfang umgesetzt werden.“ Flexan bezieht 90 Prozent des Materials direkt bei den Original-Herstellern oder deren Partnern in Asien.

Viele Vorurteile über China lösen sich beim Check der Realitäten in Luft auf

„Was den Aufbau der Betriebsstrukturen betrifft, so sind dies Kosten, die auch in einem anderen Land in vergleichbarem Maße anfallen würden. Der Standort China hat sich für uns hier kaum ausgewirkt“, wägt Karau ab. Beim Thema Reisekosten konnte Flexan dagegen eine positive Entwicklung verzeichnen: „Wir verzeichnen große Einsparungen bei den Reisekosten, da wir in unserem Tochterunternehmen chinesische Führungskräfte beschäftigen und moderne Kommunikationstechnologien nutzen. Die Betreuung der Kunden ist ebenfalls kostengünstiger, da wir nun aus China anreisen und nicht mehr aus den USA oder Europa.“

Zu guter Letzt kommen häufig Bedenken über den Schutz von geistigem Eigentum zum Tragen – insbesondere wenn an einen chinesischen Fertiger outgesourct wird. Dazu Karau: „Zum einen sind wir kein chinesischer Fertiger, sondern ein amerikanisches Unternehmen. Für unsere Tochter in China gelten dieselben firmenweiten Anforderungen wie für alle unsere Niederlassungen. Zum anderen liefern wir nur Teile, die später zu Produkten assembliert werden, so dass keine Rückschlüsse auf die Endprodukte unserer Kunden gezogen werden können.“

Die individuelle Situation eines Unternehmens sollte deshalb genau analysiert werden, bevor eine Entscheidung für oder gegen China getroffen wird. Flexan hat den Schritt, eine chinesische Tochter zu gründen, bisher nicht bereut.

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