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Meet the Expert – Implants 2016 Implantate-Experten in Interlaken: „Innovation ist ein kostspieliges Gut“

| Autor / Redakteur: Kathrin Cuomo-Sachsse / Peter Reinhardt

Vertreter aus Industrie und Forschung präsentierten am 25. und 26. April 2016 in Interlaken die neuesten Technologie- und Produktentwicklungen aus den Bereichen aktiver und passiver Implantate. Ihr Fazit: Innovation leidet unter zu strenger Regulation.

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Wie gehabt bot der Congress Centre Kursaal Interlaken auch beim „Meet the Expert – Implants 2016“ eine tolle Kulisse.
Wie gehabt bot der Congress Centre Kursaal Interlaken auch beim „Meet the Expert – Implants 2016“ eine tolle Kulisse.
(Bild: Medical Cluster)

Gelähmte können via Chip im Gehirn den Arm gezielt bewegen, Amputierte steuern eine Roboterhand mit bloßer Gedankenübertragung; ein Parkinson-Kranker hört unvermutet auf zu zittern. Auch das im Ohr eingebaute Cochlea-Implantat für Gehörlose ist heute mit ganz dünnen Elektroden ausgestattet. Dabei machen Elektronik und Software rasante Fortschritte und erschließen in der Neurologie ungeahnte Felder. Um kleinste Transistoren und Elektroden vor verätzenden Körperflüssigkeiten zu schützen, müssen aktive Mikro-Implantate jedoch das passende Design aufweisen.

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Wenn Technologie auf „die Nerven geht“

„Doch die Entwicklung der für eine hermetische Verkapselung nötigen Materialien verläuft harzig. Hochinnovative Produkte werden immer noch wie Herzschrittmacher vor 30 Jahren verkapselt“, schildert Claude Clément, CTO des Wyss Center for Bio and Neuroengineering in Genf, technischen Stillstand. Zudem benötigen neurologische Anwendungen wie Sensoren und Stimulatoren, die große Datenvolumen drahtlos transportieren, auch große Mengen an elektrischer Energie. Diese ist jedoch nur begrenzt verfügbar. Soziale Faktoren und Zulassungsbestimmungen bilden weitere Barrieren: „Bis ein neues Medizinprodukt von Behörden und Gesellschaft akzeptiert wird, vergehen bis zu 13 Jahre. Fast so lange dauerte es von der ersten Erdumrundung mit der Sputnik bis zu den ersten Schritten des Menschen auf dem Mond“, so Clément.

„Regulatorische Hürden fühlen sich höher an“

„Obwohl sich die Regulierungen bei den Implantaten seit 2009 nicht verändert haben, fühlen sich die Hürden heute höher an“, meint denn auch Daniel Delfosse, Leiter Innovation Management bei Mathys. Bei steigendem Preisdruck kämpfe die Branche gegen wachsende Bürokratie und Papierflut. So habe sich der Aufwand für die technische Dokumentation in den letzten Jahren vervielfacht. Mittlerweile muss Mathys 750 internationale Standards befolgen, die regelmäßig überprüft und angepasst werden. Das verhindert mitunter die Umsetzung guter Lösungen in die Praxis. Als Beispiel berichtet Delfosse von dynamischen Hüftschafts-Tests: Bei diesen wurde das Belastungsgewicht wegen der Zunahme schwergewichtiger Patienten gemäß zweier in den Jahren 2010 und 2013 angepasster ISO-Normen mehr als verdoppelt. In der Folge verschwanden zum Leidwesen kleiner Patienten die beiden kleinsten Schaftgrößen aus dem Programm.

Materialien und Techniken State oft the art

Nach wahren Innovations-Meilensteinen – wie der Einführung von Polyethylen oder der Fixierung an den Knochen in den 1960ern und der Entwicklung von abriebbeständigen Gleitpaarungen in den 1990er Jahren – sollte ein neues Implantat heute mindestens State of the Art sein und darüber hinaus den Patientennutzen erhöhen. Laut Delfosse entspricht eine gute Evidenz bei künstlichen Gelenken einer Überlebensrate von über 90 Prozent in zehn Jahren. Verbesserungspotenzial gibt es noch bei klinischen Problemen – unter anderem bei der Verankerung von Prothesen, dem Knochenerhalt, der Infektionsprävention und bei den Gleitpaarungen.

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