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Medizintechnik in Dänemark Auf der Suche nach deutschen Firmen ... und Fachkräften!

Redakteur: Kathrin Schäfer

Was wissen Sie über Medizintechnik in Dänemark? Wenig? Das sollten Sie schleunigst ändern. Denn in Sachen strategische Kooperationen von Unternehmen und Fachkräfterekrutierung schielen die Skandinavier neuerdings über ihre Landesgrenzen hinaus nach Deutschland. Warum das für deutsche Firmen und Fachkräfte eine Option sein könnte? Bei der Anwendung von eHealth in Krankenhäusern hat das Land im europäischen Vergleich bereits heute die Nase weit vorne.

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„Der gesamte Life-Science-Bereich gehört zu den Wachstumsbranchen, wo wir an strategischen Kooperationen von Unternehmen und an Mitarbeitern, die sich eine Karriere in Dänemark vorstellen können, interessiert sind”, sagt Sylvie Bove, Leiterin des Bereiches Life Sciences bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Copenhagen Capacity.
„Der gesamte Life-Science-Bereich gehört zu den Wachstumsbranchen, wo wir an strategischen Kooperationen von Unternehmen und an Mitarbeitern, die sich eine Karriere in Dänemark vorstellen können, interessiert sind”, sagt Sylvie Bove, Leiterin des Bereiches Life Sciences bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Copenhagen Capacity.
(Bild: Copenhagen Capacity)

Tausende neue Life-Science-Jobs verspricht eine aktuelle Pressemeldung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Copenhagen Capacity deutschen Medizintechnikexperten. Darin heißt es: Wenn 2021 eine feste Verbindung über den Fehmarnbelt die Region Greater Copenhagen, die Wachstumszentren Großraum Kopenhagen und die Öresundregion, näher an Deutschland rückten, kämen zukünftig nicht nur Waren und Dienstleistungen schneller ans Ziel. Es werde auch leichter, Wissen und Expertise des jeweils anderen Landes zu nutzen.

Deutsche Fachkräfte für Dänemark?

„Der gesamte Life-Science-Bereich gehört zu den Wachstumsbranchen, wo wir an strategischen Kooperationen von Unternehmen und an Mitarbeitern, die sich eine Karriere in Dänemark vorstellen können, interessiert sind. Dazu gehören der Pharma-Bereich, aber auch Biotechnologie, Medizintechnik und eHealth“, wirbt Sylvie Bove, Leiterin des Bereiches Life Sciences bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Copenhagen Capacity.

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„In den kommenden Jahren werden hier Tausende von qualifizierten Arbeitskräften gebraucht”, bestätigt Nicolaj Lubanski, Leiter der Abteilung Talent von Copenhagen Capacity. „Allein das Pharma-Unternehmen Novo Nordisk rechnet damit, bis 2022 bis zu 6.000 neue Mitarbeiter allein in Dänemark anzustellen.“ Rund die Hälfte der Mitarbeiter wird davon für den Bereich Forschung und Entwicklung gebraucht.

Was bislang wohl in Deutschland nur wenigen bekannt ist: Das 1997 entstandene Life Science Cluster für die Öresundregion, Medicon Valley, zählt mittlerweile zu den stärksten in Europa. Fast 500 Life-Science-Unternehmen sind im Großraum Kopenhagen auf der dänischen Seite und in Schonen in Südschweden angesiedelt. Mehr als die Hälfte davon sind Unternehmen aus der Biotechnologie- und Medizintechnik mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. „Der deutsche und der dänische Arbeitsmarkt werden durch die feste Querung in Zukunft stärker integriert werden. In Dänemark bieten sich heute schon gute Karrierechancen. Das Land hat außerdem eine hohe Lebensqualität und eine Infrastruktur, die die Voraussetzung für eine optimale Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet“, wirbt Nicolaj Lubanski.

Steigende Beschäftigungszahlen im Life-Science-Bereich

Hinzu kommt: Die Beschäftigtenzahlen der letzten Jahre lassen vermuten, dass der steigende Bedarf an Fachkräften anhält. Der Interessenverband Medicon Valley Alliance hatte in einer Stichprobe die Beschäftigtenzahlen der zehn größten Unternehmen aus dem Bereich Life Science in Kopenhagen und Umgebung untersucht. Danach war die Zahl der Mitarbeiter von 2011 bis 2013 um fast 9 Prozent gestiegen. Eine Untersuchung des Verbandes der Branchenzahlen von 2009 bis 2013 zeigte ein Plus von 8 Prozent an Arbeitsplätzen allein in der Pharmabranche, dem Bereich mit den meisten Life-Science-Arbeitsplätzen. In der Biotechnologie kam es im gleichen Zeitraum auf einen Zuwachs von 14,8 Prozent. Insgesamt waren Ende 2013 rund 40.500 Mitarbeiter in Dänemark in privaten Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik, Pharma und anderen beschäftigt.

Medizintechnik auf dem neuesten Stand

Soweit die Zahlen. Worauf genau lassen sich deutsche Fachkräfte ein, wenn sie mit einer Umsiedlung nach Skandinavien liebäugeln? Bereits heute sieht sich das skandinavische Land beim Einsatz und der Anwendung von eHealth in Krankenhäusern als führend in Europa an. Außerdem entstehen derzeit im Land 16 sogenannte Superkrankenhäuser. Hierbei steht der Einsatz von IT-Lösungen für eine bessere und effizientere Behandlung im Mittelpunkt.

Konkret bedeutet dies: Rund 5,6 Mrd. Euro investieren der Staat und die fünf Regionen des Landes in sieben Neubauten sowie die Erweiterung und Modernisierung neun weiterer Krankenhäuser, die bis 2025 fertiggestellt sein sollen. Jeder fünfte Euro ist dabei für den Einsatz neuer Technologien im medizinischen Bereich reserviert.

Zum Vergleich: Während laut einer EU-Studie nur sechs Prozent der deutschen Kliniken mit Akutversorgung mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens auf regionaler beziehungsweise nationaler Ebene digital zusammenarbeiteten, gilt dies in Dänemark für gut 50 Prozent der Häuser. Neben der Vernetzung der Daten gewinnt der Einsatz von Telemedizin an Bedeutung. Die dänische Regierung unterstützt die Entwicklung mit einem nationalen Plan, der sowohl Großprojekte als auch kleinere Pilotprojekte fördert. Bei all diesen Vorhaben könnten sich internationale Partner und Arbeitskräfte einbringen.

Unternehmen aus dem Ausland gesucht

Wie ernst es Kopenhagen mit der Förderung seiner Gesundheitswirtschaft ist, zeigt auch die Gründung des Copenhagen Healthtech Clusters vor wenigen Monaten. Hierbei werden Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Akteure im Gesundheitswesen an einen Tisch geholt, um die bestmöglichen Lösungen im Bereich der Gesundheitstechnologien zu erarbeiten. Gerade hier werden Unternehmen aus dem Ausland gesucht, die an einer Zusammenarbeit, sowie Mitarbeiter aus der Branche, die an einer Karriere im Königreich interessiert sind.

Ziel ist nichts weniger, als Kopenhagen als eine Art „Testgebiet“ für Gesundheitstechnologien zu etablieren, in dem moderne Technologien und Lösungen den künftigen Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft begegnen. Dänemark steht wie viele andere Länder vor der Herausforderung, dass die Zahl der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, stetig steigt – um 13 Prozent bis zum Jahr 2020. Gleichzeitig rechnet man damit, dass die Gesundheitskosten bis zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zu 2012 um 15 Prozent wachsen werden.

„Um die medizinische Versorgung auch in Zukunft optimal gewährleisten zu können, sind wir auf den Einsatz von Technologien bei der Prävention, Diagnostik, Therapie aber auch im Bereich der Altenpflege und anderer gesundheitsrelevanter Felder, etwa beim Einsatz so genannter assistiver Technologien, angewiesen“, sagt Thomas Hammer-Jakobsen, Leiter des Copenhagen Healthtech Clusters. Dänische Unternehmen haben sich bislang vor allem im Bereich der Rehabilitation und bei der Entwicklung von Telehealth-Lösungen einen Namen gemacht. Weitere Stärken sind der Einsatz von Gesundheitstechnologien bei Diabetes-Erkrankungen, bei Demenzerkrankungen oder digital unterstütztem Aufbautraining etwa nach Verletzungen.

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