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T4M

Technology for Medical Devices – so denkt die Medtech-Branche über die neue Messe in Stuttgart

| Autor: Kathrin Schäfer

2019 findet in Stuttgart die erste „T4M – Technology for Medical Devices“ als Nachfolge-Messe zur Medtec Europe statt. Wie stehen Branchenvertreter zu diesem neuen Event – und was sagen sie dazu, dass es nun doch wieder zwei Messen in Deutschlands Süden gibt?

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„Letztendlich werden Besucher und Aussteller entscheiden, ob es einen Bedarf für beide Veranstaltungen gibt“, Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI.
„Letztendlich werden Besucher und Aussteller entscheiden, ob es einen Bedarf für beide Veranstaltungen gibt“, Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI.
( Bild: ZVEI )
  • Erste T4M vom 7. bis zum 9. Mai 2019 in Stuttgart
  • Vertreter aus Industrie und Verbandswelt zur neuen Messe

Seit 2017 haben die lange etablierte Gastveranstaltung Medtec Europe und die neu ins Leben gerufene MT-Connect in Nürnberg um die Gunst von Ausstellern und Besuchern gebuhlt. Doch zwei Zuliefermessen für die Medizintechnik in Deutschlands Süden – das war genau eine zu viel. Aussteller und Besucher waren verunsichert, konnten sich weder für eine Teilnahme oder einen Besuch in Stuttgart noch in Nürnberg entscheiden. Beide Veranstaltungen mussten Federn lassen; von gegenseitiger Kannibalisierung war die Rede. Auf der letzten MT-Connect nun gaben die Veranstalter bekannt, ihre Kompetenzen zu bündeln und beide Messen ab 2019 zu einer neuen – der Medtec Live in Nürnberg – zu verschmelzen. Viele in der Branche atmeten auf – doch nicht alle waren glücklich darüber, dass es in Stuttgart keine Medizintechnik-Zuliefermesse mehr geben würde. Daraufhin hat die Messe Stuttgart nun selbst eine neuen Plattform, die „T4M – Technology for Medical Devices“, in Leben gerufen. Devicemed wollte wissen, wie Branchenvertreter die neue Lage nun einschätzen.

Die endgültige Entscheidung treffen Aussteller und Besucher

So ist beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik im VDMA seit 2016 enger Partner der Medtec Europe in Stuttgart gewesen. Sie hat diese nicht nur inhaltlich unterstützt, sondern auch einen stetig wachsenden Gemeinschaftsstand für ihre Mitglieder organisiert. Für die AG Medizintechnik im VDMA spricht sich Niklas Kuczaty nun für den Standort Stuttgart aus: „Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass am Markt weiterhin ein großer Bedarf für eine Medizintechnikmesse in Stuttgart besteht. Der VDMA begrüßt deshalb die Initiierung der T4M.“ Aktuell sei man in Gesprächen über die konkrete Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen VDMA und Messe Stuttgart, so Kuczaty weiter.

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Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands Elektromedizinische Technik im ZVEI, sieht mit der Nürnberger Fachmesse Medtec Live und der Stuttgarter T4M unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. „Soweit die vorliegenden Informationen eine Bewertung erlauben, sprechen die beiden Veranstaltungen unterschiedliche Zielgruppen an. Die T4M adressiert Themen rund um Fertigung und Produktion von Medizintechnik, während die Medtec Live die gesamte Innovationskette neuer medizintechnischer Produkte abbilden will. Hier steht ein spezialisiertes Konzept mit einem übergreifenden Ansatz im Wettbewerb. Die zunehmende Komplexität bei der Entwicklung neuer Medizinprodukte und die immer stärkere Verknüpfung verschiedener Technologien in innovativen Produkten sprechen für eine integrierte Betrachtungsweise.“ Letztendlich, so Bursig, würden Besucher und Aussteller entscheiden, ob es einen Bedarf für beide Veranstaltungen gibt.

Swiss Medtech positioniert sich für Stuttgart

Der Schweizer Fachverband Swiss Medtech organisiert seit vielen Jahren einen Gemeinschaftsstand auf der Medtec Europe – und ist in dieser Funktion der größte Aussteller. Jonas Frey, Projektleiter des Schweizer Branchenverbands Swiss Medtech, positioniert sich ganz klar für die neue Veranstaltung in Stuttgart: „Die Messe Stuttgart hat erkannt, was wir auch mit unserer Umfrage bei den Ausstellern unterstreichen können: Der Standort Baden-Württemberg hat bei den Ausstellern klar die Nase vorne. Die Messe Stuttgart pflegt eine angenehme Kooperationskultur, was uns sehr entgegen kommt. Swiss Medtech und die Messe Stuttgart werden im Vertrieb für die Schweiz eng zusammenarbeiten.“ Demnach unterstützt Swiss Medtech im Frühling 2019 nur eine Medtech-Zuliefermesse, und das ist die T4M in Stuttgart.

Der deutsche Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med) hingegen stand nicht für ein Statement zur Verfügung, ließ jedoch über seine Presseabteilung verlauten, dass er auch 2019 Partner der Nürnberger Messe und des begleitenden Fachkongresses bleibt. BV-Med-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt ist außerdem Mitglied im Nürnberger Messebeirat.

Aussteller müssen sich mit beiden Messe-Konzepten auseinandersetzen

Ein ausführliches Feedback zu der Frage, wie man denn die neue Messesituation in Süddeutschland bewerte, war von René Ziswiler zu erhalten, seines Zeichens Leiter der Industriemessen bei der Messe Luzern. Für die Medtech-Zulieferer sei es unangenehm, sich weiter zwischen den beiden Messen in Süddeutschland zu entscheiden, so seine Einschätzung. „Die Aussteller werden sich wohl oder übel mit den beiden Konzepten vertieft auseinandersetzen müssen und sich die Frage stellen: ‚Wer hat das überzeugendere Konzept für die Zuliefermesse der Zukunft?‘“.

Ziswiler ist überzeugt, „dass bei den Ausstellern die Konzepte gewinnen werden, die es schaffen, dank relevanter Themen die richtigen Menschen zusammenzubringen.“ Die Messe der Zukunft werde nebst der analogen auch die digitale Interaktion der Marktteilnehmer optimal unterstützen müssen. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei der Veranstaltungsort: Aus Sicht der Schweizer Industrie hat hier Stuttgart die Nase vorn. Ziswiler abschließend: „Veranstaltungsgröße oder Quadratmeterpreise sind in Zukunft Kriterien mit geringer Bedeutung.“

Können zwei Messen neben der Compamed bestehen?

Soweit die Einschätzung von Fachverbänden und Messeveranstaltern. Doch was bedeutet die aktuelle Situation für die Aussteller? Holger Frank ist im Vorstand der Darmstädter Mechatronic AG. Er sagt: „Wir hatten bereits zu Beginn bezweifelt, dass die MT Connect sich neben der Medtec als zweite oder dritte große Messe neben der Compamed etablieren kann. Die Entscheidung der beiden Veranstalter zu kooperieren, finden wir daher nach wie vor sinnvoll. Dass sich nun die Stuttgarter Messe anschickt, erneut einen dritten Ball ins Spiel zu bringen, mag vielleicht aus Sicht der Messe verständlich sein, da sie die Lücke füllen möchte. Wir jedoch bleiben bei unserer Einschätzung, dass sich langfristig nur eine zweite, nicht aber dritte größere Branchenplattform neben der Compamed halten wird. Denn auch wenn das Format Messe weiterhin eine wesentliche Rolle spielen wird, müssen wir stets den Kosten- und Zeitaufwand gegen den Nutzen abwägen.“

Ein Trend weg zu Präsenzmessen?

Jörg Warrelmann ist Sales Director Medical Europe Lighting and Imaging bei der Mainzer Schott AG. Als Vertriebler kennt er die Messelandschaft gut. Zu der T4M befragt, bekräftigt er noch einmal, was er bereits zu der Ankündigung der Medtec Live in Nürnberg gesagt hatte: „Wir sehen und folgen dem Trend weg von Präsenzmessen und nutzen eher die professionellen Social-Media-Möglichkeiten. In den letzten Jahren haben uns als Besucher weder die Medtec in Stuttgart noch die Nürnberger Messe überzeugt und ich erwarte nicht, dass die neue „Medtec Live“ in Nürnberg oder jetzt die „T4M“ in Stuttgart an diesem Bild etwas ändern werden. Als Besucher werden wir uns aber beide Messen ansehen und anschließend beurteilen.“

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