Industrieverband Spectaris

„Protektionismus hat fatale Folgen für den Standort Deutschland“

| Redakteur: Peter Reinhardt

Josef May, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes Spectaris: „Die jüngst verhandelten Freihandelsabkommen mit Japan und Kanada zeigen, dass es geht, wenn beide Seiten willens sind.“
Josef May, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes Spectaris: „Die jüngst verhandelten Freihandelsabkommen mit Japan und Kanada zeigen, dass es geht, wenn beide Seiten willens sind.“ (Bild: Wolfgang List / Spectaris)

Kurz vorm Ende des Weltwirtschaftsforums 2018 in Davos fordert der Industrieverband Spectaris in Persona seines Vorstandsvorsitzenden Josef May ein klares Signal für den Freihandel.

  • Modellrechnungen des Ifo-Instituts zur US-Border Adjustment Tax
  • „Wiederaufnahme von Gesprächen mit den USA wären wichtig“
  • Sanktionsgesetzgebung wie CAATSA steht Öffnung der Märkte diametral entgegen

Einmal im Jahr wird der Schweizer Skiort Davos zur Weltbühne: Beim jährlichen Weltwirtschaftsforum treffen sich international führende Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Von Davos aus muss ein kraftvolles Zeichen für Freihandel und gegen Protektionismus ausgehen. Dies ist wichtiger als jemals zuvor. Hier haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, IWF-Chefin Christine Lagarde und weitere Regierungschef bereits klare Worte gefunden“, kommentiert Josef May, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes Spectaris.

Abschottung ist eine Gefahr für 300.000 Arbeitsplätze

Gerade für die 400 stark exportorientierten Spectaris-Mitgliedsunternehmen für optische, medizinische und mechatronische Technologien sei die weltweite Tendenz zu Nationalismus und Protektionismus ein gravierendes Problem. „Der Auslandsumsatz unserer Branche belief sich 2016 auf 39,5 Mrd. Euro und wird 2017 sicher über 40 Mrd. Euro liegen. Die Exportquote ist mit 62 Prozent sehr hoch. Dies zeigt, wie gefährlich Abschottung für unsere 300.000 Arbeitsplätze sein kann“, erklärt May für alle Sparten des Verbandes.

Wie schädlich protektionistische Maßnahmen sein können, zeigen beispielhafte Modellrechnungen des Ifo-Instituts, etwa für den Fall der Einführung der US-Border Adjustment Tax unter Donald Trump. Langfristig könnte durch die Einführung das reale Bruttohaushaltseinkommen in Deutschland um 0,9 Prozent sinken. Dies würde eine Reduzierung des realen Jahreseinkommens pro Kopf in Höhe von fast 350 US-Dollar bedeuten.

Ambitioniert für neue Handelsabkommen eintreten

Daher sollte sich die Bundesregierung weiterhin ambitioniert für den Abschluss neuer Handelsabkommen einsetzen. May: „Vor allem Indien und China sind wichtige Staaten, mit denen der Freihandel vorangetrieben werden sollte – auch die Wiederaufnahme von Gesprächen mit den USA wären wichtig. Leider ist gerade die USA die Nation, die den Markt am stärksten verschließt.“ So stehen Einschränkungen wie die Sanktionsgesetzgebung CAATSA einer Öffnung der Märkte diametral entgegen und werden Einfluss auf globale Wertschöpfungsketten nehmen – in einigen Bereichen sicherlich auch zum großen Nachteil der USA.

Der größte Teil der neuen Handelshemmnisse entfällt auf lokale Zertifizierungsanforderungen, beispielsweise zusätzliche Zertifizierungen zu den anerkannten internationalen Standards. Einzelne Staaten versuchen auf diese Art, ihre heimische Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Somit sei es wichtig sicherzustellen, dass Standards oder technische Vorgaben keine zusätzlichen Hindernisse bewirken. „Ein wichtiger Baustein dabei ist auch, dass die gültigen EU-Standards und Zertifikate weltweit anerkannt werden. Unsere Waren werden so im Ausland wettbewerbsfähiger, weil Mehrfachaufwand und doppelte Zertifizierungskosten vermieden werden“, betont May. Der Fokus auf die Beseitigung von nicht-tarifären Handelshemmnissen könne dabei für die Unternehmen zusätzliche Wachstumspotenziale heben und die Chance bieten, die gegenseitige Anerkennung von Zertifizierungs- oder Marktzugangsverfahren weiter voranzubringen.

Positiv bewertet Spectaris daher die jüngst verhandelten Freihandelsabkommen mit Japan und Kanada. „Es geht also doch, wenn beide Seiten willens sind“, stellt May fest.

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