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BV-Med „Körperstolz“: Kein Grund für Scham und Tabuisierung

| Redakteur: Miriam Grob

Die Motivreihe „Körperstolz“ des Bundesverband Medizintechnologie, BV-Med, porträtiert Patienten, die trotz chronischer Erkrankungen mitten im Leben stehen. Durch die Kampagne soll das Verständnis für die Lebenssituation Betroffener gestärkt und auf den Wert von Medizinprodukten, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen können, aufmerksam gemacht werden.

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Die drei Körperstolz-Testimonials Ingrid Hartmann, Erik Blumhagen und Michael Krauser.
Die drei Körperstolz-Testimonials Ingrid Hartmann, Erik Blumhagen und Michael Krauser.
(Bild: BV-Med)
  • Dystonie: Hirnschrittmacher gegen neurologische Bewegungsstörungen
  • Organisation der Medikamente, Spritzen und Infusionen durch Homecare-Managerin
  • Diabetes: Digitalisierung als Helfer und Hoffnungsträger

Seit 2010 trägt der BV-Med mit der Kampagne „Maßstab Mensch“ zur Bedeutung moderner Medizintechnologien bei. Im Jahr 2015 wurde die Kampagne durch die neue Motivreihe „Körperstolz“ erweitert. In diesem Jahr wird sie mit drei neuen Patientengeschichten und Motiven fortgesetzt. Die Plakate der drei Testimonials sind derzeit mitten in Berlin zu sehen.

Ingrid Hartmann ist 79 Jahre alt und leidet seit ihrer Jugend an Dystonie, einer neurologischen Bewegungsstörung. Die Diagnose erhielt sie jedoch erst im Alter von 61 Jahren. Im Interview mit dem BV-Med erzählt sie über ihre Krankheit, die Behandlung und wie sie wieder zu neuer Lebensfreude gefunden hat.

Bei Ingrid Hartmann äußert sich das Krankheitsbild mit Lidschluss, Schiefhals sowie Kiefer-, Mund- und Zungenbewegungen, die sie nicht beeinflussen kann. Nach der Diagnose wurde ihr zunächst Botulinumtoxin in die Muskeln gespritzt. „So wurde ich acht Jahre lang behandelt, bis die Wirkung nachgelassen hat, was normal ist nach einer gewissen Zeit. Dann wurde mir von meinem Neurologen die Tiefenhirnstimulation mit einem Hirnschrittmacher vorgeschlagen“, erzählt Ingrid im Interview mit dem BV-Med. Das moderne Neurostimulationsverfahren hat ihr gut geholfen. Sie lebt das erste Mal seit vielen Jahren ohne Symptome. Mittlerweile fühlt sich Ingrid sehr wohl in ihrem Körper, „weil ich seit der erfolgreichen Operation wieder ungeniert unter Leute gehen kann und nicht das Gefühl haben muss, dass mich jeder anstarrt.“

Anderen Betroffenen mit Dystonie empfiehlt sie, sich zu überlegen, ob ein Hirnschrittmacher für sie in Frage kommt. „Ich kann nicht sagen, dass sie das machen müssen, aber ich kann ihnen sagen, dass es mir sehr geholfen hat. Es ist definitiv eine Überlegung wert.“ Außerdem ist Ingrid Hartmann in der Deutschen Dystonie Gesellschaft ehrenamtlich aktiv. „In unserem Verein bin ich für die Zeitung zuständig. Das macht mir sehr viel Spaß.“ Ingrid ist mittlerweile sehr stolz auf ihren Körper und darauf, dass sie ihre Ängste überwunden hat und überhaupt so weit gekommen ist.

Verschiedene Krankheitsbilder im Fokus der Kampagne

Im Zentrum der Kampagne stehen neben neurologischen Störungen auch andere Krankheitsbilder, wie Diabetes, Brustkrebs sowie Immundefekte. An einem chronisch variablen Immundefekt der Freiburger Klassifikation Typ I. leidet – wie rund 500.000 andere Menschen in Deutschland – auch Erik Blumhagen (26). Erik unterstützt die „Körperstolz“ Kampagne des BV-Med, um anderen Patienten Mut zu machen. Seine Botschaft an andere Betroffene: „Lasst den Kopf nicht hängen, denn gerade mit einer Therapie kann sich die Lebensqualität wirklich wieder sehr stark steigern.“

Vor der Diagnose wusste er lange nicht, wieso ihn ein Infekt nach dem nächsten erwischte und er mehrmals im Jahr an Lungenentzündungen und Bronchitiden erkrankte. Sein Körper kann kein Immunglobulin A bilden. Mithilfe von regelmäßigen Infusionen, die er seit zwei Jahren zu Hause durchführt, hat er keinerlei Einschränkungen und kann ein ganz normales, selbstbestimmtes Leben führen. Unterstützt wird er dabei durch seine Homecare-Managerin Enikoe Baum. „Sie organisiert im Grunde genommen alles für mich“, erzählt Erik im Interview mit dem BV-Med. „Die Hilfsmittel, die Spritzen, das Medikament an sich – für all diese Dinge muss das Rezept im Krankenhaus abgeholt werden, alles muss in der Apotheke besorgt werden. All das regelt meine Homecare-Managerin für mich. Ich muss eigentlich nur einmal im Quartal meine Überweisung vom Hausarzt zum Klinikum bringen“.

Volkskrankheit Diabetes - Digitalisierung als Chance

Über zwei Mio. Menschen in Deutschland leiden an Diabetes. So auch der 28-jährige Michael Krauser. Er hat von seiner Erkrankung während des Sportstudiums erfahren und sich daraufhin freiwillig ins Krankenhaus einliefern lassen, um die Krankheit besser zu verstehen. Michael ist sehr aktiv in der Online-Diabetes-Community und informiert zusätzlich in seinem Reiseblog „Type1Backpacker“ über seine Reiseaktivitäten. Als Teil der Kampagne möchte Michael über die Erkrankung aufklären und zeigen, dass man sich auch mit Typ-1-Diabetes wohlfühlen kann. Sein Motto: „Diabetes ist ein Teil von mir, aber ich bin nicht Diabetes."

Die Digitalisierung hilft ihm dabei: Seine Blutzuckerwerte misst er über einen Sensor, der an seinem Arm befestigt ist. „Diesen Sensor kann ich mit meinem Handy scannen und mir in einer App die Blutzuckerwerte ansehen." Der Sensor misst den Wert alle paar Minuten und die App zeigt alle Werte der zurückliegenden Stunden und Tage an. „So kann ich meine Blutzuckerwerte viel besser verstehen. Das hilft mir enorm, um mit der Krankheit zurecht zu kommen", erzählt Michael im Interview mit dem BV-Med.

Innerhalb der nächsten Monate möchte Michael Krauser zudem auf eine automatische Insulinpumpe für die Insulingabe umsteigen. Dann kann er „das Messgerät am Arm, mein Handy und die Pumpe miteinander verbinden und damit einen geschlossenen Kreis, also einen Closed-Loop, herstellen“. Die „Looper-Bewegung“ sei in den letzten Jahren stetig gewachsen. „Das ist fast wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse. Alles macht die Pumpe noch nicht von alleine, aber wir bewegen uns dahin. Das ist natürlich sehr spannend für alle Leute mit Typ-1-Diabetes. Eines Tages sind die Geräte dann vielleicht so klein und vollautomatisch, dass wir unsere Krankheit im Alltag vergessen können“, hofft er.

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