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Im Blindflug zum harten Brexit?

| Redakteur: Peter Reinhardt

In weniger als acht Monaten wird das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil der Europäischen Union sein. Die Brexit-Uhr tickt. In besonderem Maße betroffen: die Medizintechnik. Hier gibt es bereits spürbare Umsatzeinbußen im Export nach UK.

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Wenn das Vereinigte Königreich eigene Marktzugangsanforderungen und entsprechende Verfahren einführt, könnte ein harter Brexit zusätzlich zu Regulierungsabweichungen führen.
Wenn das Vereinigte Königreich eigene Marktzugangsanforderungen und entsprechende Verfahren einführt, könnte ein harter Brexit zusätzlich zu Regulierungsabweichungen führen.
( Bild: gemeinfrei / CC0 )
  • Industrieverband Spectaris bemängelt fehlende Planungs- und Rechtssicherheit
  • Schlimmstenfalls kein Abkommen bis zum Ende der Übergangsfrist am 29. März 2019
  • Schon heute rückläufige Medizintechnik-Exporte nach UK

Der Industrieverband Spectaris bemängelt mit Blick auf den herannahenden Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union die weiterhin fehlende Planungs- und Rechtssicherheit für seine Mitgliedsunternehmen. „Ein Ergebnis in Form eines Austrittsabkommens und konkrete Pläne, wie die zukünftigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ausgestaltet sein könnten, lassen weiterhin auf sich warten“, erklärt der Industrieverband in einer aktuellen Pressemeldung. Das von der britischen Regierung vorgelegte Weißbuch zu den künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich sei von der EU als „reines Rosinenpicken“ abgelehnt worden.

EU und UK müssen Verhandlungen so schnell wie möglich abschließen

„Unsere Mitgliedsunternehmen brauchen Planungs- und Rechtssicherheit. Immer noch ist unklar, ob es eine Übergangsphase wirklich geben wird. Diese ist zwar bereits vereinbart, jedoch als eine Teilbedingung an das Austrittsabkommen gekoppelt“, betont Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. „Die EU und das Vereinigte Königreich müssen ihren wirtschaftlichen Kompass wieder benutzen und die Verhandlungen so schnell wie möglich abschließen, denn ohne Austrittsabkommen wird es auch keine Übergangsphase geben. Im schlimmsten Fall stehen wir am 29. März 2019 ohne Abkommen da.“

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Das Vereinigte Königreich rangiert unter den Top 5 der wichtigsten Exportländer für die Spectaris-Branchen, darunter auch die Medizintechnik. 2017 summierten sich die Exporte ins Vereinigte Königreich auf schätzungsweise 3,2 Mrd. Euro. In einigen Branchen zeige sich bereits ein Rückgang bei Exporten. In der Medizintechnik etwa waren die Exporte 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent rückläufig.

Handelsfreundlichen Rahmen für künftige Beziehungen schaffen

Noch wichtiger als die Verhandlung des Austrittsabkommens ist aus Sicht von Spectaris ein handelsfreundlicher Rahmen für die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und UK. „Mit Blick auf den innenpolitischen Zwist im Vereinigten Königreich und die ablehnende Reaktion der EU auf das britische Weißbuch zu den zukünftigen Beziehungen wird ein harter Brexit immer wahrscheinlicher. Unsere Branchen bereiten sich daher derzeit auf alle möglichen Brexit-Szenarien vor. Wir hoffen jedoch, dass am Ende der Verhandlungen ein umfassendes wirtschaftliches Partnerschaftsabkommen mit einem Freihandelsabkommen und möglichst wenig Handelshemmnissen als Ergebnis vorliegt. Besonders für Medizinprodukte ist ein gemeinsamer regulatorischer Rahmen wichtig, um den Marktzugang weiterhin zu sichern und die ohnehin schon angespannte Situation bei den Benannten Stellen nicht zusätzlich zu befeuern“, so der Spectaris-Geschäftsführer.

Ein harter Brexit könnte zusätzlich zu Regulierungsabweichungen führen, wenn das Vereinigte Königreich dann eigene Marktzugangsanforderungen und entsprechende Verfahren einführt. Zusätzliche Kosten und ein erheblicher zeitlicher Zusatzaufwand für parallele Marktzugangsverfahren diesseits und jenseits des Ärmelkanals wären zusätzlich zu den zollrechtlichen Auswirkungen des Brexits kaum zu verkraften.

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