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EPIC-Alliance / Biotronik Dr. Nentwich stellt Sportverbot für junge ICD-Träger in Frage

| Redakteur: Peter Reinhardt

Auch wenn die große Mehrheit der Herzrhythmuspatienten mit implantiertem Defibrillator schon älter als 65 Jahre ist, steigt die Zahl jüngerer ICD-Patienten stetig an. Erkrankungen wie strukturelle Anomalien oder genetisch bedingte Störungen der Herzerregungsleitung sind aber per se keine Kontraindikation gegen Sport und Bewegung.

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„Implantierbare Defibrillatoren sind bei jungen Menschen nicht per se Kontraindikation für Sport“, Dr. Karin Nentwich Oberärztin der Klinik für Kardiologie am Rhön-Klinikum, Bad Neustadt.
„Implantierbare Defibrillatoren sind bei jungen Menschen nicht per se Kontraindikation für Sport“, Dr. Karin Nentwich Oberärztin der Klinik für Kardiologie am Rhön-Klinikum, Bad Neustadt.
(Bild: Rhön-Klinikum)

Fühlten sich Ärzte mit einem generellen Sportverbot für ICD-Patienten lange Zeit auf der sicheren Seite, hat sich inzwischen gezeigt, dass ein generelles Verbot hinterfragt werden muss. Experten gehen dazu über, ICD-Patienten selbst die Entscheidung zu überlassen, ob sie Sport treiben oder nicht. Das Risiko für junge ICD-Patienten, in eine Kammertachykardie zu geraten, lässt sich auf der Grundlage von Studien und Erfahrungen inzwischen genauer bestimmen, so dass ein generelles Sportverbot für junge ICD-Träger nicht mehr Stand des Wissens ist. Erste Hinweise hierfür kamen aus kontrollierten klinischen Studien, in denen ICD-Träger durch Sport nicht mehr beeinträchtigt waren als Nicht-Sportler.

Ist Sport mit einem implantierten Defibrillator sicher?

Mit der Frage, wann und welchen Sport junge ICD-Träger ausüben dürfen, hat sich auch Dr. Karin Nentwich, Oberärztin der Klinik für Kardiologie am Rhön-Klinikum in Bad Neustadt, auf der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim befasst. Sie sprach auf einer Veranstaltung der EPIC-Alliance, eines weltweiten Zusammenschlusses von wissenschaftlich tätigen Elektrophysiologinnen, und stellte anhand neuer Studien dar, dass die in den Leitlinien empfohlenen Sportarten von den untersuchten ICD-Patienten gar nicht praktiziert werden. So abenteuerlich klingender Sport wie Rugby oder Fallschirmspringen sei dagegen mit weniger Schocks vom ICD verbunden als Radfahren, Joggen oder Basketballspielen. Daraus schlussfolgert Dr. Nentwich, dass implantierbare Defibrillatoren bei jungen Menschen keine Kontraindikation für Leibesübungen, Sport und in Grenzen auch Wettkampfsport seien. Es bestehe zwar eine Risikoerhöhung für Arrhythmien durch Sport, dagegen sei aber auch der gesundheitliche Nutzen des Sports zu berücksichtigen.

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Moderne Medizintechnik reduziert die Risiken

Reduziert werden kann das Risiko für ICD-Träger laut Nentwich durch optimale Implantationstechnik, individuelle Geräteprogrammierung, Vortestung unter Belastung sowie durch kontinuierliche Fernnachsorge mittels Home Monitoring. „Die Medizintechnik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass wir zahlreiche Verbote in Frage stellen müssen. Allein die telemedizinische Fernnachsorge mit Biotronik Home Monitoring ermöglicht Patienten eine flexiblere Lebensgestaltung und lässt uns Ärzte individualisierte Empfehlungen für sportliche Aktivitäten aussprechen“, so Nentwich.

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