France

Sens-Action Das Messgerät – ein wahrer Alleskönner

Autor / Redakteur: Doris Schulz* / Kathrin Schäfer

Die Endreinigung von Medizinprodukten verlangt Prozesssicherheit. Ein Hersteller chirurgischer Instrumente nutzt ein innovatives Messgerät zur wiederholgenauen Kontrolle der Reinigerkonzentration.

Der Sensor misst mehrere physikalische Parameter wie beispielsweise Konzentration, Temperatur und Verschmutzung einer Flüssigkeit gleichzeitig und zeigt Abweichungen zuverlässig an. Die vorkalibrierte Lieferung ermöglichte die einfache Qualifizierung des Messgeräts für den Einsatz bei Endres.
Der Sensor misst mehrere physikalische Parameter wie beispielsweise Konzentration, Temperatur und Verschmutzung einer Flüssigkeit gleichzeitig und zeigt Abweichungen zuverlässig an. Die vorkalibrierte Lieferung ermöglichte die einfache Qualifizierung des Messgeräts für den Einsatz bei Endres.
(Bild: Endres)
  • Instrumente für die allgemeine Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie sowie den HNO- und Dentalbereich
  • Medizinprodukte von Kühlschmierstoffen, Polierpasten, Stäuben und toxischen Stoffen befreien
  • Portables Messgerät überwacht und dokumentiert Reinigungsbäder reproduzierbar

Vor rund 30 Jahren als kleiner Handwerksbetrieb gegründet, hat sich die heutige Endres Medizintechnik GmbH & Co. KG zum OEM-Hersteller für chirurgische Instrumente entwickelt. Das Produktspektrum des Familienunternehmens umfasst Instrumente für die allgemeine Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie sowie den HNO- und Dentalbereich.

Rückstände auf medizinischen Instrumenten sind ein absolutes No-go

Die aus rostfreien Stählen und medizinkonformen Kunststoffen hergestellten Instrumente müssen zwar nicht steril, aber sehr sauber ausgeliefert werden. „Es dürfen keinerlei Rückstände von Betriebsmitteln wie beispielsweise Kühlschmierstoffe, Polierpasten und Stäube aus der Fertigung sowie sonstige toxische Stoffe mehr auf den Oberflächen vorhanden sein, die für den Patienten oder Anwender eine Gefahr darstellen könnten“, konkretisiert Geschäftsführer Jannik Endres. „Der Fertigungsschritt Reinigen ist für uns von elementarer Bedeutung“.

Bildergalerie

Um die strengen Sauberkeitsanforderungen zu erfüllen, erfolgt die Reinigung mehrstufig. Zunächst werden die Teile vorgereinigt. Für die anschließende, finale Endreinigung der Instrumente setzt das Unternehmen eine Mehrbad-Ultraschallanlage mit wasserbasierten Reinigungsmedien ein. Der validierte Reinigungsprozess beinhaltet mehrere Reinigungsschritte, eine Passivierstufe und verschiedene Spülphasen teilweise mit VE- (voll entsalztem) Wasser. Um dabei ein stabiles Reinigungsergebnis zu gewährleisten, ist unter anderem die Überwachung der Reinigerkonzentration in den Bädern erforderlich. Statt der dafür häufig eingesetzten Titration setzte Endres eine Messlösung ein, die mit einem Refraktometer arbeitet. „Die Titration ist ein sehr aufwendiges, personal- und zeitintensives Verfahren, bei dem mit gefährlichen Säuren und Basen gearbeitet wird. Und die Messungen können nicht wiederholgenau durchgeführt werden, so dass es nicht prozesssicher ist. Allerdings war auch unsere bisherige Messmethode nicht ideal. Wir haben stets mit einem Sicherheitsfaktor beim Reiniger gearbeitet“, erklärt Endres. Dieser „Sicherheitsfaktor“ verursachte nicht nur einen erhöhten Reinigerverbrauch, es ist auch mehr Spülwasser erforderlich, um das Medium von den Oberflächen abzuspülen.

Messungen ohne messtechnische Vorkenntnisse durchführen

Der Geschäftsführer suchte daher nach einem prozesssicheren Messmittel und wurde bei seinen Recherchen auf die RTG Cleantec GmbH aufmerksam, einen Vertriebspartner der Sens-Action AG. Das Messtechnikunternehmen hat mit dem Liquid-Sens Mobile ein portables Messgerät entwickelt, das die reproduzierbare, stichprobenartige Überwachung und Dokumentation mehrerer Reinigungsbäder ermöglicht. Die Messung basiert wie bei den etablierten Online-Systemen des Liquid-Sens auf einem innovativen akustischen Wellenleiter. Dieser ist in der Lage, durch die unterschiedlichen Ausbreitungspfade der Schallwellen im Sensor mehrere physikalische Parameter wie beispielsweise Konzentration, Temperatur und Verschmutzung einer Flüssigkeit gleichzeitig zu messen. Der Sensor wird dafür in das entsprechende Reinigungsbad gehalten. Innerhalb weniger Sekunden wird der ermittelte Messwert relativ zu den anlagenspezifischen Grenzwerten sowie in Form einer Ampel-Farbskala angezeigt. Vor der Messwertausgabe prüft die intelligente Sensorik automatisch, ob alle Messbedingungen wie etwa Temperatur und Homogenität in Ordnung sind. Bei Abweichungen erscheint auf dem Display eine Information, was zu tun ist.

Liegt der Messwert außerhalb des definierten Bereiches für den Reinigungsprozess, wird zusätzlich die erforderliche Menge des nachzudosierenden Reinigers angezeigt und bei erfolgter Zugabe gespeichert. „Da ich nicht geglaubt habe, wie schnell und einfach die Überwachung mit diesem Messsystem erfolgen kann, erhielt ich ein Testgerät. Die Messung kann wirklich von jedem Mitarbeiter ohne messtechnische Vorkenntnisse problemlos und sicher durchgeführt werden. Ich habe das Liquid-Sens Mobile gleich zwei Tage später bestellt, wobei auch der Preis eine Rolle gespielt hat“, erinnert sich Endres.

Das Messgerät wird vollständig vorkalibriert ausgeliefert

Ausgeliefert wurde das Messgerät komplett vorkalibriert für die Aufgabenstellung bei Endres. Es waren nicht nur alle Messstellen (beispielsweise Reinigungsanlagen oder -bäder) eingegeben, sondern auch die jeweiligen Badvolumina und definierten Konzentrationsbereiche (z. B. 0,5 bis 3,0 Prozent) sowie die verwendeten Reiniger.

Für Letzteres hat Sens-Action so genannte Medien-Apps entwickelt. Diese Lösung ermöglicht, dass das Gerät einfach für verschiedenste Prozessmedien wie beispielsweise Reiniger, wässrigen Korrosionsschutz, Lösemittel und Korrosionsschutzöl sowie Kühlschmierstoffe eingesetzt werden kann. Momentan bietet das Messsystem Speicherplätze für fünf unterschiedliche Messstellen, die auf 50 erweiterbar sind. Die Anpassung der gespeicherten Konfiguration an neue Medien – etwa bei einem Reinigerwechsel – oder neue Messstellen kann einfach erfolgen. „Wir verwenden das Gerät inzwischen nicht nur für die Konzentrationskontrolle der Reinigungsbäder, sondern auch bei Kühlschmiermitteln“, verrät Endres. Die Aktivierung der jeweiligen Messstelle erfolgt über das einfach zu bedienende Touch-Display.

Qualifizierung und Dokumentation sind in der Medizintechnik unerlässlich

Durch die vorkalibrierte Lieferung konnte die Qualifizierung des Messgeräts für den Einsatz bei Endres problemlos durchgeführt werden. Vorteile bietet das LiquidSens Mobile auch bei der in der Medizintechnik erforderlichen Dokumentation. Die Messungen jeder Messestelle werden mit ermittelten Werten, Datum und Uhrzeit im Gerät gespeichert und können einfach per USB-Schnittstelle auf einen PC oder Server übertragen werden.

Lesen Sie auch:

Weitere Artikel zu Qualitätssicherung finden Sie in unserem Themenkanal Fertigung.

* Die Autorin: Doris Schulz ist freie Journalistin in Korntal.

(ID:44965338)