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Präsenzveranstaltung 13. Innovation Forum Medizintechnik mit Teilnehmerrekord

Redakteur: Julia Engelke

Am 21. Oktober fand mit dem 13. Innovation Forum Medizintechnik der Medical Mountains GmbH eine der ersten Präsenzveranstaltungen für die Medizintechnik-Branche in diesem Jahr statt. Dass der Bedarf an Austausch groß war, spiegelte sich in den Teilnehmerzahlen wider: 450 Besucher fanden den Weg nach Tuttlingen und erhielten Einblicke in Technologien von morgen.

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Rund 450 Teilnehmer zählte das 13. Innovation Forum Medizintechnik: Entsprechend gut gefüllt waren die Vorträge; Eröffnung, Keynotes und Podiumstalk wurden aus dem Großen Saal per Livestream in andere Bereiche der Tuttlinger Stadthalle übertragen.
Rund 450 Teilnehmer zählte das 13. Innovation Forum Medizintechnik: Entsprechend gut gefüllt waren die Vorträge; Eröffnung, Keynotes und Podiumstalk wurden aus dem Großen Saal per Livestream in andere Bereiche der Tuttlinger Stadthalle übertragen.
(Bild: Medical Mountains/Michael Kienzler)

„Was für ein toller Blick in so viele Gesichter!“ Als Medical-Mountains-Geschäftsführerin Yvonne Glienke zur Eröffnung des 13. Innovation Forum Medizintechnik auf die Bühne der Tuttlinger Stadthalle trat, schwangen Emotionen mit. Wie sehr der persönliche Austausch der Branche gefehlt hatte, wurde in diesem Moment fassbar – und mit der Rekordzahl von 450 Teilnehmern auch messbar.

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Das Innovation Forum stand unter dem Leitgedanken „Zukunft gestalten – den entscheidenden Schritt voraus“. Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, sah darin die Herausforderung formuliert, angesichts einer „unglaublichen Dynamik“ mit den Entwicklungen Schritt halten zu können. Wie sich dann auch noch ein Vorsprung erarbeiten lässt, dafür hatte der Technology-Mountains-Vorstandsvorsitzende Dr. Harald Stallforth kein Patentrezept zur Hand, „sondern nur Zutaten“. Zum einen: den Vorteil der Medizintechnik zu nutzen, direkt mit den Anwendern Bedarfe zu analysieren und darauf zu reagieren. Zum anderen: mit Kooperationspartnern die technologischen Potenziale nutzbar zu machen. Beides verlangt nach Kommunikation. „Deswegen sind Netzwerke so unglaublich wichtig.“

Zusammenarbeit zwischen Ärzten und der Medizintechnik bedeutsam

Den Faden griff Prof. Dr. Henry W. S. Schroeder in seiner Keynote über neue Wege der Visualisierung in der Schädelbasischirurgie auf. Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und der Medizintechnik sei extrem bedeutsam, betonte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Greifswald: Aus der Industrie heraus gelangen Innovationen in den OP-Saal, mit dem Feedback der Chirurgen können die Unternehmen die Instrumente wiederum besser machen. Der sich selbst befeuernde Kreislauf zum Wohle der Patienten ist jedoch durch die EU-MDR spürbar ins Stocken geraten. Erste Bestandsprodukte seien nicht mehr verfügbar, Zulassungen mit enormen Hürden verbunden – an bahnbrechende Neuentwicklungen wollte Henry W. S. Schroeder vorerst nicht denken: „Wir wären froh, wenn wir erst einmal das nutzen könnten, was wir schon hatten“, resümierte er später beim Podiumstalk.

Über Fortschritte beim 3D-Druck von Organen berichtete indes Prof. Dr. Ute Schepers vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Über alle Größenordnungen hinweg eröffnen additive Verfahren ungeahnte Möglichkeiten: Angefangen bei haarfeinen „Mikroschwimmern“, die sich durch Wärme aktivieren lassen, über lernfähige Nervenzellen bis hin zur fertigen Nase für die plastische Chirurgie. Zwar wird es noch dauern, bis ein komplettes, mit Blut- und Nervenbahnen versehenes Organ transplantationsreif aus dem Drucker kommt – die Grundlagen sind jedoch gelegt. Ein realitätsnahes Szenario skizzierte Ute Schepers so: Im Säuglingsalter werden Stammzellen gewonnen und aufbewahrt, sodass sich aus ihnen viele Jahrzehnte später für genau diese Person wieder Zähne aufbauen lassen – sozusagen die „Dritten aus dem Drucker“. Was Ute Schepers hervorhob: Technologische Durchbrüche lassen sich nicht im Alleingang erzielen. Es gebe „viele Hände, die an allen Stellen mitwirken“. Bei der Sensorik zum Beispiel, der Fluidik, Bildgebung und Medizintechnik allgemein.

Innovation durch Kommunikation

Zusammenarbeit als wesentliche Zutat für die Zukunft: Der Appell fand hörbar Widerhall. Angefangen beim Warm-up am Vorabend, dann nach den fast 50 Vorträgen in den Sälen und auf den Open Stages, an den Ständen der 75 Aussteller in der Stadthalle und im Innocamp, mit den Besuchern aus dem Partnerland Saarland – Dialoge und Diskussionen bildeten das Grundrauschen des Forums. Fragen, wie künstliche Intelligenz in Klinik und Unternehmen eingesetzt werden kann, wurden dabei ebenso erläutert wie Aspekte der smarten Fertigung und der Digitalisierung von Prozessen. „Innovation kann nur durch Kommunikation gelingen“, erinnerte Yvonne Glienke, „daher gehören der fachliche Input und die vielen Gespräche untrennbar zusammen.“ Auch dank der Erfahrungen aus dem Vorjahr sei ein Konzept entwickelt worden, das sowohl den pandemiebedingten Vorgaben Rechnung getragen habe als auch dem Wunsch nach Austausch. „Alle waren diszipliniert und einfach nur dankbar, dass wir diese Plattform geboten haben.“ Die ersten Rückmeldungen von Ausstellern und Besuchern seien positiv – und motivierend, direkt nach Torschluss in die Planungen für das nächste Innovation Forum Medizintechnik einzusteigen: am 20. Oktober 2022.

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