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Zunge raus bei der Gehirn-OP

| Autor/ Redakteur: / Kathrin Schäfer

Der Mädchenname Mari lässt sich mit Wunschkind ins Deutsche übersetzen. Der Neurochirurg David Pitskhelauri hat ihn nicht nur für seine Tochter gewählt, sondern auch für einen Helm, mit dem sich Mikroskope während Gehirnoperationen mit der Zunge steuern lassen.

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Mari reagiert auf kleine Zungenbewegungen und wandelt diese in Kontrollsignale um. Für zuverlässige Verbindungen sorgen Steckverbindungen der Firma Odu.
Mari reagiert auf kleine Zungenbewegungen und wandelt diese in Kontrollsignale um. Für zuverlässige Verbindungen sorgen Steckverbindungen der Firma Odu.
( Bild: Odu )

Moskau. Burdenko-Institut für Neurochirurgie. Hier arbeitet der Neurochirurg Dr. David Pitskhelauri. Der Spezialist für Gehirntumore und die operative Epilepsie-Therapie ist gefragt, wenn es um kritische Gehirnoperationen geht.

Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Dr. Pitskhelauri, dass nicht nur Wissen und Können zum Erfolg einer Operation beitragen. Auch der Zeitfaktor spielt eine große Rolle. So unterbricht das manuelle Justieren des Mikroskops den Operationsablauf immer wieder und kostet somit wertvolle Minuten. Ergebnis ist eine Mehrbelastung für Patienten durch eine erweiterte Anästhesie. Manchmal entscheidet dieser Zeitverlust sogar über das Leben der Patienten.

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Dieser Sachverhalt hat Dr. Pitskhelauri lange beschäftigt. Wenn das Mikroskop während der Operation freihändig einzustellen wäre, so seine Idee, könnte man ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Dieser Gedanke ließ den Neurochirurgen nicht mehr los – aber ohne technische Unterstützung und das Know-how von Ingenieuren konnte diese scheinbar einfache und gleichzeitig geniale Idee nicht verwirklicht werden.

Ein Chirurg, eine Produktidee, ein Entwicklungsteam

Zu Hilfe kam Astratech aus Moskau. Unter der technischen Leitung von Astratech-Direktor Dr. Nicolay Rozhnin stellte man sich der komplexen Aufgabe: der Entwicklung eines Systems, das auf kleine Zungenbewegungen reagiert und diese in Kontrollsignale umwandelt. Empfindlichkeit, Präzision und eine schnelle Antwort waren dabei unverzichtbar. Schnell war ein Team gefunden. Experten von Astratech brachten langjährige Erfahrung in Elektronik und Mikrotechnik mit. Dr. Pitskhelauri deckte mit seinem Wissen die medizinische Seite ab. Als Hersteller wählte man die Firma Tolikety Co. Ltd.

In diesem Stadium kam auch die Firma Odu ins Spiel: Die applikationsspezifischen Steckverbindungen und die entsprechenden Kabelkonfektionierungen stellen zusammen wichtige Komponenten des Gesamtsystems dar. Sie sorgen für die störungsfreie, zuverlässige Leistungs- und Signalübertragung zwischen dem Steuerungsgerät und dem Kontrollsystem des Operationsmikroskops. Astratech arbeitete schon länger mit Odu zusammen und war von der Qualität, der Zuverlässigkeit und dem Service des Mühldorfer Unternehmens überzeugt.

Damit war die Entscheidung für Odu gefallen und das Projekt Mari geboren. „Als ich an diesem Projekt zusammen mit Dr. Rozhnin gearbeitet habe, besuchte ich das Burdenko-Institut für Neurochirurgie. Dr. Pitskhelauri empfing mich und ich durfte, das ist eine absolute Ausnahme, Mari im Einsatz erleben“, so Odu-Mitarbeiterin Marina Samoylova aus Russland. Aber was ist Mari genau?

Mikroskopeinstellungen während der OP mit dem Mund steuern

Bei Mari handelt es sich um einen relativ schweren Helm – er wiegt ganze 1.100 g. Da dieser mit dem Mikroskop verbunden ist und sein Gewicht sozusagen „umgeleitet“ wird, ist das für den Operateur kein Problem. Davon konnte sich Marina Samoylova bei einer Anprobe selbst überzeugen. Der Chirurg nimmt die dazugehörige Steuereinheit in den Mund und kontrolliert die Mikroskop-Einstellungen mit der Zunge. „Von der Seite sieht das sogar ein wenig lustig aus“, findet Marina Samoylova. „Aber nur, bis man sich dessen bewusst wird, was für ein Wissen und welche hervorragende Gemeinschaftsarbeit aller Beteiligten, auch der von Odu, darin stecken.“

Neben den Steckverbindern auf der jeweiligen Geräteseite kommen dabei weitere Odu-Mini-Snap-Push-Pull-Steckverbinder mit insgesamt sechs unterschiedlichen Kabelkonfektionierungen zum Einsatz. Diese Verbindungen dienen sowohl der Spannungsversorgung des Steuerungsgerätes und kleiner Elektromagnete als auch der Signalübertragung zum Operationsmikroskop. Interessant ist die Push-Pull-Kabelkonfektionierung, über die die Okulare am Steuerungsgerät erwärmt werden, um ein Beschlagen – und damit eine Sichtbehinderung – während des operativen Eingriffs zu verhindern.

Sichtbehinderungen während operativer Eingriffe verhindern

Internationale Konferenzen und Berichterstattungen – auch in Italien und den USA – haben in der Welt der Neurochirurgie für ein großes Interesse an Mari gesorgt. Inzwischen ist die Applikation in der Russischen Föderation, der EU und in den USA patentiert. Außerdem wird sie sowohl in Russland als auch in Europa bereits erfolgreich eingesetzt. Diese Tatsache dürfte nicht nur die Ingenieure von Astratech, Odu und Tolikety freuen, sondern auch die Tochter von Dr. Pitskhelauri: Denn Mari ist liebevoll nach ihr benannt. ks

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