Swiss Medtech / Blaser Swisslube / Borer Chemie

Zerspanung: optimierte Prozesse dank Fokus auf Hilfsstoffen

| Autor / Redakteur: / Peter Reinhardt

Andrea Kiefer-Schweizer, Head Quality Management, und André Vogt, Head Screw Manufacturing von Medartis: „In Zusammenarbeit mit Blaser Swisslube konnten wir den bestehenden Produktionsprozess optimieren und sparen seither jährlich 100.000 Schweizer Franken.“
Andrea Kiefer-Schweizer, Head Quality Management, und André Vogt, Head Screw Manufacturing von Medartis: „In Zusammenarbeit mit Blaser Swisslube konnten wir den bestehenden Produktionsprozess optimieren und sparen seither jährlich 100.000 Schweizer Franken.“ (Bild: Blaser Swisslube)

Am 31. Oktober fand die erste Insight-Veranstaltung zum Thema „Kostenoptimiert zerspant – sicher gereinigt“ des neuen Verbandes Swiss Medtech (ehemals Fasmed und Medical Cluster) statt. Über 50 Personen folgten der Einladung und fanden sich bei Blaser Swisslube ein.

  • Schlanke, optimierte Produktion chirurgischer Instrumente und Implantate
  • Arbeits- und Umweltschutz zu verbessern
  • Kosteneinsparungen von mehr als 100.000 CHF pro Jahr

Die beiden Hilfsstoffhersteller Blaser Swisslube (Kühlschmierstoffe) und Borer Chemie (Reinigungslösungen) demonstrierten den Teilnehmern, wie dank einer engen Zusammenarbeit mit den Anwendern auch in der hochregulierten Medizintechnik Herstellungsprozesse optimiert und so Kosten gespart werden können.

Prozess- und kostenoptimierte Zerspanung

Zum Hintergrund: Obschon die Medizintechnik nur für einen geringen Teil der Gesamtkosten verantwortlich ist, ist die Optimierung der Prozesse bei der Herstellung chirurgischer Instrumente und Implantate omnipräsent. Denn der Wunsch nach innovativen Produkten darf trotz zunehmender regulatorischer Anforderungen nicht zu höheren Gesundheitskosten führen. Eine schlanke, optimierte Produktion ist daher ein Muss für jeden Hersteller. Das erfordert unter anderem, die etablierten Strukturen und Prozesse laufend zu hinterfragen, was jedoch für viele Unternehmen eine große Herausforderung ist. Die Lieferanten von Prozesshilfsstoffen können hier einen wichtigen Beitrag leisten, da sie in gemeinsamen Projekten mithelfen können, die Kosten zu optimieren und die Produktivität zu steigern.

75 Prozent weniger Ölnebel, 50 Prozent niedrigere Kosten

Andrea Kiefer-Schweizer, Head Quality Management, und André Vogt, Head Screw Manufacturing von Medartis, zeigten in ihrem Vortrag, wie Medartis in Zusammenarbeit mit Blaser Swisslube den bestehenden Produktionsprozess optimieren konnte. Medartis stellt in Basel seit 1997 Implantatsysteme her – vornehmlich für die Behandlung von Knochenbrüchen. Ziel des gemeinsamen Projekts war, durch eine Optimierung des Produktionsprozesses die Kosten zu senken, den Arbeits- und Umweltschutz zu verbessern und die Zerspanung weiterhin stabil zu halten.

Ein essentieller Punkt für die Qualitätssicherungsabteilung von Medartis dabei: Die Maßnahmen, insbesondere der Kühlschmierstoffwechsel, sollten in Absprache mit der zuständigen Benannten Stelle als eine „nicht- signifikante Prozessänderung“ erfolgen. Nach einer erfolgreichen vierwöchigen Testphase im hauseigenen Technologiecenter bei Blaser Swisslube konnte der neue Produktionsprozess erfolgreich implementiert werden. Nebst der Reduktion des Ölnebels um 75 Prozent, was zu einer deutlichen Reduktion der Reinigungskosten führte, konnte der Kühlschmierstoffverbrauch um 50 Prozent gesenkt werden.

Mittels Fragebogen wurden zudem bei den Produktionsmitarbeitern die Arbeitssicherheit und das Sichtfeld bei der Zerspanungsoperation abgefragt. Auch hier konnte der neue Kühlschmierstoff von Blaser trumpfen. Insgesamt wird Medartis Kosteneinsparungen von mehr als 100.000 CHF pro Jahr realisieren können. Die Kosten für die benötigten Sauberkeitsanalysen beliefen sich dagegen nur auf etwas über 10.000 CHF. Fazit: Produktions- und QM-Prozesse sind kundenspezifisch und müssen immer individuell betrachtet werden. Daraus ergeben sich die notwendigen Untersuchungen und Nachweise für Prozessumstellungen im hochregulierten Bereich der Medizintechnik. Eine Umstellung ist einfacher als viele denken, und die Umstellungskosten können durch Einsparnisse im optimierten Prozess mehr als kompensiert werden.

Sichere Reinigung in der Medizintechnik

Instrumente und Implantate müssen absolut selbstverständlich sauber sein, bevor sie mit Patienten in Kontakt kommen. In den Vorträgen von Kathrin Annaheim, Borer Chemie, und Reto Luginbühl, Blaser Swisslube, kam deutlich zum Ausdruck, wie wichtig fundierte Kenntnisse über Zerspanung, Kühlschmierstoffe und Materialoberfläche sind, um eine effektive und effiziente Reinigung sicherzustellen.

Die Reinigung in der Medizintechnik wird von vier Faktoren beeinflusst:

  • mechanischer Effekt, z.B. Sprühdruck, Ultraschall
  • Temperatur, von Raumtemperatur bis etwa 90 °C
  • Zusammensetzung des Reinigers
  • Einwirkzeit

Das Reinigen auf wässriger Basis bietet viele Vorteile, da es gezielt chemische Wechselwirkungen auslösen kann, die den Reinigungsprozess unterstützen, zum Beispiel das Lösen von Salzen oder die Wirkung von Tensiden. Das Spülen ist indes integraler Bestandteil jedes Reinigungsprozesses und genauso wichtig wie die Reinigungsbäder selbst. Die Methoden, um die Sauberkeit der Produkte zu belegen, sind vielfältig und können in anorganische, organische, biologische und mikrobiologische Kategorien unterteilt werden. Das Sieben-Schritte-Verfahren von Borer Chemie stellt sicher, dass von der Aufnahme der Anforderungen bis hin zu Validierung und Monitoring alle relevanten Daten systematisch erfasst werden. Dies führt zu sorgfältig entwickelten Reinigungsverfahren, die auf den Produktionsprozess optimal abgestimmt sind und somit zu den bestmöglichen Ergebnissen führen.

Die Bedeutung von Hilfsstoffen nicht unterschätzen

In einem Fallbeispiel wurde anschließend von den langjährigen Partnern Blaser Swisslube und Borer Chemie demonstriert, wie sich die Zerspanung und die darauffolgende Reinigung ergänzen. Im Technologie Center von Blaser Swisslube wurde dazu ein Titan-Zylinder in Form eines Blaser Swisslube Fässchens auf einer Drehmaschine live hergestellt und durch Borer Chemie gereinigt. Die Sauberkeit der Teile wurde anschließend durch einen einfachen Tinten-Test veranschaulicht. Für Carolina Siebert von Smith & Nephew, die an der abschließenden Podiumsdiskussion teilnahm, war der Anlass einzigartig, da die Zusammenarbeit von Kühlschmierstoff- und Reinigungsherstellern eine Gesamtsicht auf den Herstellungsprozess erlaubt. Oftmals werde die Wichtigkeit der Hilfsstoffe unterschätzt und erst bei Problemen eine gesamtheitliche Betrachtung angestrebt, so Siebert. Fazit: Die Insight-Veranstaltung hat eindrücklich gezeigt, wie in enger Zusammenarbeit mit den Hilfsstofflieferanten auch in der hochregulierten Medizintechnik die Produktionsprozesse optimiert und Kosten eingespart werden können.

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