Suchen

W&R Industrievertretung Vollgas aus dem Vollen fräsen

| Redakteur: Peter Reinhardt

Chirurgische Instrumente werden heute häufig in vergleichsweise kleinen Stückzahlen gefertigt. Was früher als Schlagware geschmiedet wurde, wird daher immer häufiger aus dem Vollen gefräst. Hohe Geschwindigkeiten und niedriger Verschleiß sind dabei entscheidend.

Firmen zum Thema

Schluss mit Schmieden: Die Operationsstanzen werden auf Brother-Bearbeitungszentren aus dem Vollen gefräst. Dank der guten Harmonie von Maschine und i-Machining konnte die Fräszeit von über 20 auf rund 17 Minuten reduziert werden.
Schluss mit Schmieden: Die Operationsstanzen werden auf Brother-Bearbeitungszentren aus dem Vollen gefräst. Dank der guten Harmonie von Maschine und i-Machining konnte die Fräszeit von über 20 auf rund 17 Minuten reduziert werden.
(Bild: W&R)

In Wurmlingen produziert Alexander Rauch Bauteile für chirurgische Instrumente. Diese werden als Nischenprodukte mit geringer Stückzahl unter anderem bei Operationen an der Wirbelsäule eingesetzt. Für die Produktion sind dafür seit einigen Monaten zwei Bearbeitungszentren Brother Speedio S500X1 der W&R Industrievertretung im Einsatz, einem Systemhaus für individuelle Produktionssysteme.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Die ersten 100 Bauteile auf den neuen Maschinen waren für Operationsstanzen bestimmt. Mit diesen feinen Edelstahlinstrumenten entfernen Chirurgen kleinste Gewebereste. Dafür müssen die gezahnten Maulteile mit 2,5 mm Durchmesser ebenso akkurat sein wie die übrigen Bauteile.

Auf einer der beiden Brother Speedio S500X1 fertigt Rauch die etwa 10 cm langen Handgriffe aus einem Edelstahlblock. Auf der Brother gegenüber – ausgestattet mit einer pneumatisch gesteuerten Spannzange – werden die winzigen Maulteile gefräst. Beide Brother-Maschinen verfügen dank eines Rundtischs der Firma Detlev Hofmann über eine 4. und 5. Achse. „Hiermit können die Werkstücke sehr nah an das Dreh-Schwenk-Zentrum gebracht werden, was der Genauigkeit dient“, erklärt André Herzog, Vertriebsmitarbeiter von W&R.

Von Anfang an hat derweil Rauchs Fertigungsleiter Mathias Stach vor allem die Schnelligkeit beeindruckt. Dafür sind die beiden Brother-Maschinen mit der Zerspanungssoftware i-Machining ausgestattet. „Wir haben die Fertigungszeit für die Griffe von über 20 auf 17 Minuten reduziert“, freut sich Stach. Den 29-Jährigen beeindruckt zudem, dass die Maschinen während des Fräsens ständig die Vorschubgeschwindigkeit anpassen.

Einen der Gründe für die kürzeren Zerspanungszeiten sieht Stach in der „guten Harmonie von Brother und i-Machining“. Die Software bietet acht Stufen für die Aggressivität der Zerspanung – von „Vorsicht“ bis hin zu „sehr schnell“. Obwohl die Zerspanung des chromlegierten Vergütungsstahls nicht gerade einfach ist, hatte Stach einmmal Stufe 7 eingestellt. Weil er schauen wollte, „wie lange der Fräser hält“. Doch wider Erwarten hielt der Fräser, sodass die Maschine seitdem permanent auf Stufe 7 läuft. „Trotz der aggressiven Programmierung hat sich die Standzeit der Werkzeuge deutlich verlängert“, berichtet Stach. Auch nach den ersten 100 Teilen läuft der Fräser immer noch ohne größeren Verschleiß.

Nach der Markteinführung der neuen Operationsstanzen rechnet Alexander Rauch mit einem Auftragsvolumen von 25 bis zu 250 Stück pro Jahr. „Solche relativ niedrigen Losgrößen sind in der Medizintechnik keine Seltenheit“, erklärt Herzog. „Was früher als Schlagware geschmiedet wurde, wird immer häufiger aus dem Vollen gefräst.“

(ID:43380640)