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Heraeus Medical Components „Unschlagbar ist die Nähe zu Entscheidungsträgern“

Redakteur: Kathrin Schäfer

Im Großraum der amerikanischen Stadt Minneapolis sind über 660 Medizintechnikfirmen und -zulieferer angesiedelt – wie beispielsweise Heraeus Medical Components. Deren Senior Vice President Operations Nicolas Schulz hat mit Devicemed-Redakteurin Kathrin Schäfer über die Standortvorteile gerade für deutsche Unternehmen gesprochen.

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Bild 1 | Nicolas Schulz, Heraeus Medical Components: „Der US-amerikanische Arbeitsmarkt ist dynamischer und flexibler als der deutsche, deshalb gestaltet sich auch der Zugang zu Ingenieuren einfacher.“
Bild 1 | Nicolas Schulz, Heraeus Medical Components: „Der US-amerikanische Arbeitsmarkt ist dynamischer und flexibler als der deutsche, deshalb gestaltet sich auch der Zugang zu Ingenieuren einfacher.“
(Bild: Heraeus)

Herr Schulz, in welchem Bereich der Medizintechnik ist Heraeus Medical Components aktiv?

Heraeus Medical Components entwickelt und produziert sowohl einzelne Komponenten als auch komplexe Baugruppen, ganz konkret zum Beispiel Titangehäuse oder Elektroden für implantierbare Herzschrittmacher.

Seit wann haben Sie eine Niederlassung in Minneapolis-St. Paul und was hat Sie dazu bewogen, sich genau dort anzusiedeln?

Die Niederlassung in St. Paul besitzen wir seit 2004. Damals haben wir dort einen anderen Komponentenanbieter akquiriert und uns entschieden, den Standort beizubehalten. 2008 haben wir die Niederlassung sogar durch eine zweite Akquisition in der Region erweitert. 2010 haben wir schließlich alle lokalen Aktivitäten auf einem Campus gebündelt.

Was macht den Standort Minneapolis-St. Paul im Vergleich zu anderen Standorten von Heraeus so attraktiv – also gegenüber Deutschland, der Schweiz, Puerto Rico oder Singapur?

Kundennähe: Viele der größten Player in den Industriesegmenten Cardiac Rhythm Management und Cardiovascular sowie viele weitere Kunden haben ihre Firmenzentralen, Entwicklungszentren oder Produktionsstandorte in der Region. Die Nähe zu deren Entscheidungsträgern ist ein unschätzbarer Vorteil. Und durch die Nähe zu deren Entwicklungszentren werden wir frühzeitig in die Entwicklung neuer Produktlinien eingebunden. So können wir sicherstellen, dass unsere Komponenten bei Validierungsprozessen mit qualifiziert werden.

Sie haben gerade die unterschiedlichen Abteilungen Ihrer Kunden angesprochen. Mit welchen Abteilungen sind Sie selbst in St. Paul vertreten?

Wir sind dort mit Entwicklung, Produktion sowie einem globalen Vertrieb vertreten. Die in St. Paul produzierten Komponenten werden also nicht nur regional, sondern weltweit verkauft. Aktuell zählt der Standort etwa 400 Mitarbeiter und ist 8.000 m2 groß. Die Werksfläche wird außerdem gerade um zusätzliche 2.000 m2 erweitert.

Neben Medizintechnikunternehmen wie 3M, Medtronic oder Boston Scientific hat in Minneapolis auch die Wirtschaftsförderung Greater MSP eine Niederlassung: Wie nutzen Sie diese?

Greater MSP unterstützt uns gerade finanziell bei unserer Gebäudeerweiterung. Dazu muss ich sagen, dass Expansionsförderungen einen immer wichtigeren Beitrag zur Attraktivität von Standorten leisten. Andere Industrieregionen wie Singapur, Puerto Rico oder Malaysia schlafen da nicht und bieten ebenfalls immer attraktivere Förderungspakete an. Diese beinhalten beispielsweise Investitionen in Infrastrukturen oder Personal, aber auch kunden- und lieferantenseitige Qualifizierungsprojekte. Der globale Wettbewerb zwischen den Medtech-Clustern verschärft sich also. Ziel der Clusterregionen ist, Ökosysteme mit mindestens zwei interagierenden Parteien zu schaffen, beispielsweise OEMs und deren Zulieferern. Aus unserer Sicht ist die Region Minneapolis-St. Paul hier derzeit am besten aufgestellt. Standorte wie Singapur versuchen aber mit Hochdruck gleichzuziehen.

Wie sieht es mit der Verfügbarkeit von Fachkräften aus?

Der US-amerikanische Arbeitsmarkt ist generell dynamischer und flexibler als der deutsche, deshalb gestaltet sich auch der Zugang zu Ingenieuren einfacher. Für die Medizintechnik beobachten wir in Deutschland einen Fachkräftemangel. Zwar herrscht hier im Großraum Minneapolis eine höhere Dichte, aber die große Anzahl Medizintechnikfirmen steht natürlich auch dort miteinander im Wettbewerb. Angespannt ist der Arbeitsmarkt also auch dort.

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