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Rettungsschirm Neues Verfahren verringert Schlaganfallrisiko

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Per Katheter setzen Mediziner einen kleinen Schirm vor das linke so genannte Herzohr. So wird - ganz ohne Medikamente - die Entstehung von gefährlichen Blutgerinnseln verhindert. Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer und sein Team haben damit am Universitätsklinikum Ulm ein Verfahren zur Senkung des Schlaganfallrisikos etabliert.

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Im Katheterverfahren wird das linke Herzohr mittels eines kleinen Schirms verschlossen, der aus Nickel und Titan besteht. Die Abdichtung verhindert die Ansammlung von Gerinnseln in der Ausstülpung.
Im Katheterverfahren wird das linke Herzohr mittels eines kleinen Schirms verschlossen, der aus Nickel und Titan besteht. Die Abdichtung verhindert die Ansammlung von Gerinnseln in der Ausstülpung.
(Bild: Aga Medical)

Das Verfahren kommt vor allem älteren Herzpatienten zu Gute, die unter Vorhofflimmern leiden und bei denen außerdem eine Unverträglichkeit gegenüber Blutverdünnern festgestellt wurde. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Wie gelangt der Schirm zum Herzohr?

Über die Leiste wird ein Katheter zunächst in den rechten Vorhof geführt. Im nächsten Schritt erfolgt eine Punktion der Scheidewand, um zum linken Herzohr gelangen zu können.

Der nun einzubringende Schirm besteht genau genommen aus zwei voneinander unabhängig bewegbaren Elementen. Das erste gewährleistet die Verankerung im Gewebe, und das zweite dichtet den Eingang des Herzohres ab. Während des Eingriffs erfolgt eine permanente Röntgenüberwachung. Parallel dazu wird das Herzohr durch ein Ultraschallgerät exakt vermessen.

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung bei der die Herzhöfe zwischen 350 und 500 Mal in der Minute „zittern“. Der normale Herzschlag liegt in aller Regel zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Unbehandeltes Vorhofflimmern gilt als ein Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle.

Rund 80.000 erwachsene Patienten sind betroffen

„Vorhofflimmern ist die häufigste Form einer Herzrhythmusstörung. Rund 80.000 erwachsene Patienten sind davon jährlich allein in Deutschland betroffen. Für uns gehört dieses Krankheitsbild somit zum klinischen Alltag, der uns auch gelehrt hat, dass Vorhofflimmern ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeuten kann“, unterstreicht Professor Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II.

Die Lösung: ein Schirm aus Nickel und Titan

„Vor diesem Hintergrund bieten wir seit einigen Monaten eine im Prinzip naheliegende Lösung an, mit der wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben“, führt Professor Rottbauer ergänzend aus. „Als erste Klinik in Ulm und der Region verschließen wir im Katheterverfahren das linke Herzohr mittels eines kleinen Schirms, der aus Nickel und Titan besteht. In der Folge verhindert diese Abdichtung die Ansammlung von Gerinnseln in der Ausstülpung. Studien haben ergeben, dass etwa 90 Prozent aller Gerinnsel im linken Herzohr entstehen.“

Kontakt:

Universitätsklinikum Ulm

D-89081 Ulm

www.uniklinik-ulm.de

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