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VDI Research-Paper zu "GreenMedTech" Nachhaltigkeit soll zum Wettbewerbsfaktor der Medizintechnik werden

Von Guido Deußing 3 min Lesedauer

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Ein Research-Paper des VDI Technologiezentrums beschreibt Nachhaltigkeit als strategische Aufgabe für Hersteller, Kliniken und Politik. Im Mittelpunkt stehen Kreislaufwirtschaft, Lebenszyklusanalysen, digitale Produktpässe und eine Beschaffung, die ökologische Kriterien stärker gewichtet. Ob daraus tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil entsteht, bleibt offen.

Die Infografik zeigt zentrale Ansatzpunkte nachhaltiger Medizintechnik entlang des Produktlebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Nutzung bis zu Wiederaufbereitung und Recycling. Ergänzend werden regulatorische, wirtschaftliche und digitale Einflussfaktoren dargestellt.(Bild:  Guido Deußing, nach Weinhold M, Pastewski N. VDI Research-Paper 34. 2026)
Die Infografik zeigt zentrale Ansatzpunkte nachhaltiger Medizintechnik entlang des Produktlebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Nutzung bis zu Wiederaufbereitung und Recycling. Ergänzend werden regulatorische, wirtschaftliche und digitale Einflussfaktoren dargestellt.
(Bild: Guido Deußing, nach Weinhold M, Pastewski N. VDI Research-Paper 34. 2026)

Das VDI Technologiezentrum rückt Nachhaltigkeit in der Medizintechnik aus der Umweltdiskussion in die Wettbewerbsdebatte. Ausgangspunkt ist der hohe Ressourcen- und Emissionsbedarf des Gesundheitswesens. Das Papier verweist auf Treibhausgasemissionen, Materialverbrauch und Abfallmengen in Kliniken. Daraus leitet das Autorenteam die Forderung ab, ökologische Kriterien ebenso früh in die Produktentwicklung einzubeziehen wie Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Einzelne Kennzahlen werden allerdings nur knapp erläutert, etwa formuliert das Research-Paper pauschal, in deutschen Krankenhäusern fielen täglich sieben bis acht Tonnen Abfall an, ohne im Text näher auf die Bezugsgröße einzugehen. 

Unter dem Begriff "GreenMedTech" bündelt das Research-Paper mehrere Handlungsfelder: recyclingfreundliche Materialien, modulares und reparaturfähiges Design, ressourceneffiziente Produktion, längere Nutzungszeiten, Wiederaufbereitung sowie Rücknahme- und Recyclingwege. Als Beispiele nennt es aufrüstbare MRT-Systeme, Narkoseverfahren mit geringerem Ausstoß klimaschädlicher Gase und wiederaufbereitete Medizinprodukte. Der gesamte Lebenszyklus soll zum Bezugsrahmen werden – von der Rohstoffwahl bis zum End-of-Life. 

Beschaffung als wichtigen Faktor

Einen wichtigen Hebel sieht das Paper in der Beschaffung. Kliniken begännen demnach, neben Preis, Qualität und Sicherheit auch Lebenszyklus- und Entsorgungskosten, Energieeffizienz im Betrieb, Recyclingfähigkeit und Rücknahmeoptionen sowie ESG-Compliance und Lieferketten-Resilienz zu gewichten. Damit solche Kriterien in Ausschreibungen belastbar werden, setzen die Autoren auf eine Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessments, LCA) und digitale Produktpässe. Ökobilanzen sollen Umweltwirkungen vergleichbar machen; der digitale Produktpass soll künftig im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung zentrale Umweltdaten entlang des Lebenszyklus verfügbar halten. 

Für Hersteller ergibt sich daraus eine anspruchsvolle Aufgabe. Nachhaltigkeitsziele müssen mit Hygiene, Risikomanagement, regulatorischen Vorgaben und Versorgungssicherheit vereinbar bleiben. Das Papier spricht diesen Zielkonflikt an, löst ihn aber nicht auf. Gerade bei Mehrwegprodukten, Wiederaufbereitung oder längerer Gerätenutzung hängt die ökologische Bilanz von den konkreten Bedingungen ab. Eine längere Lebensdauer allein belegt noch keinen Umweltvorteil. 

Großer Einfluss der Digitalisierung

Auch die Rolle der Digitalisierung wird breit gefasst. Telemedizin, digitale Zwillinge, KI-gestützte Steuerung und digitale Produktpässe sollen Transporte und Materialeinsatz senken und Wartungsintervalle verlängern. Zudem sollen sich Regulatory Affairs, Qualitätsmanagement und Lebenszyklusanalysen effizienter umsetzen lassen. Zugleich weist das Papier darauf hin, dass digitale Systeme selbst Energie und Ressourcen beanspruchen. Green Coding, also die Entwicklung von Software mit möglichst geringem Energie- und Ressourcenverbrauch, sowie effiziente IT-Infrastrukturen werden deshalb ausdrücklich einbezogen. Mit anderen Worten soll verhindert werden, dass der ökologische Nutzen digitaler Lösungen durch hohen Strombedarf, große Datenmengen oder häufige Hardwarewechsel wieder aufgehoben wird.

Was am Ende zu sagen bleibt

In der Gesamtbetrachtung ist die Veröffentlichung vor allem eine strategische Einordnung. Sie verbindet Regulierung, Produktentwicklung, Beschaffung und Geschäftsmodelle und nennt zahlreiche Initiativen und Praxisbeispiele. Eigene empirische Ergebnisse oder eine systematische Untersuchung des Medizintechnikmarktes präsentiert das Papier nicht. Die Quellenbasis reicht von wissenschaftlichen Publikationen und Rechtsakten bis zu Verbands-, Unternehmens- und Projektseiten. Das schafft Breite, macht aber nicht jede Aussage gleichermaßen belastbaer ökologische Nutzen digitaler Lösungen durch hohen Strombedarf, große Datenmengen oder häufige Hardwarewechsel wieder aufgehoben wird. 

Die zentrale These, Nachhaltigkeit werde zum Wettbewerbstreiber, ist deshalb eher als begründete Erwartung denn als bereits belegter Marktbefund zu lesen. Ob sich ökologische Produktmerkmale tatsächlich in Aufträgen, niedrigeren Gesamtkosten oder höheren Marktanteilen niederschlagen, hängt von messbaren Kriterien, verlässlichen Daten und ihrer Gewichtung in der Beschaffung ab. Das Research-Paper zeigt eine Entwicklungsrichtung. Wie schnell daraus ein tragfähiger Wettbewerbsvorteil wird, bleibt offen.

Quelle: Weinhold M, Pastewski N. Nachhaltigkeit als Wettbewerbstreiber in der Medizintechnik. VDI Research-Paper 34. Düsseldorf: VDI Technologiezentrum GmbH; Juli 2026. 

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