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IT-Sicherheitsvorfall Boston Scientific fährt Produktion hoch – neue Latitude-Anbindungen bleiben gestört

Von Guido Deußing 3 min Lesedauer

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Nach einem unbefugten Zugriff auf interne IT-Systeme nimmt Boston Scientific Fertigung und Distribution schrittweise wieder auf. Implantate und bestehende Fernüberwachungen funktionieren laut Hersteller. Neue Latitude-Verbindungen für Herzrhythmusimplantate lassen sich derzeit noch nicht aktivieren.

„Der Cybervorfall bei Boston Scientific beeinträchtigt nicht die Funktion der Herzimplantate selbst. Betroffen ist unter anderem die Aktivierung neuer Verbindungen zur Latitude-Fernüberwachung.(KI-generiert / Devicemed)
„Der Cybervorfall bei Boston Scientific beeinträchtigt nicht die Funktion der Herzimplantate selbst. Betroffen ist unter anderem die Aktivierung neuer Verbindungen zur Latitude-Fernüberwachung.
(KI-generiert / Devicemed)

Am 25. August 2026 stellte Boston Scientific einen IT-Sicherheitsvorfall fest, der weltweit zu Betriebsstörungen führte. Betroffen waren unter anderem IT-Systeme und Geschäftsanwendungen für Auftragsbearbeitung und Versand. Einen Tag später meldete das Unternehmen den Vorfall der US-Börsenaufsicht SEC [1].

Der Vorfall führte zu einem Netzwerkausfall und störte zeitweise auch die Fertigung. Am 3. September erklärte Boston Scientific, man sei zunehmend zuversichtlich, dass der unbefugte Zugriff auf ausgewählte interne IT-Systeme begrenzt gewesen sei. Nach dem Update vom 5. September sprechen auch die bis dahin vorliegenden Analysen dafür [2,3].

Keine Hinweise auf weitere unbefugte Zugriffe

Seit dem 25. August gebe es laut Boston Scientific keine Hinweise auf weitere unbefugte Aktivitäten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Schritte unternommen, um die Bedrohung einzudämmen, Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und die Systeme sicher wiederherzustellen. Angriffspfad und Ursache hat Boston Scientific bislang nicht genannt; ob personenbezogene Daten abgeflossen sind, wird noch untersucht [2,3].

Für Klinikbetreiber wichtig: Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die betroffene Netzwerkumgebung das IT-Sicherheitsrisiko für Krankenhausnetze erhöht hat, in denen Geräte von Boston Scientific eingesetzt werden [3].

Die elektronische Bestellannahme lief während der Störung weiter. Bestellungen konnten über EDI, den standardisierten Datenaustausch zwischen Geschäftssystemen, sowie über lokale Anwendungen eingehen [3].

Inzwischen läuft der Betrieb weitgehend wieder. Die großen Distributionszentren bearbeiten und versenden Produkte nach Angaben vom 5. September wieder mindestens auf normalem Niveau. Alle Sterilisationsstandorte arbeiten, an den meisten Fertigungsstandorten ist die Produktion wieder angelaufen. Offen sind noch einzelne Kapazitäten und aufgelaufene Bestellungen [2].

Fernüberwachungen lassen sich derzeit nicht aktivieren

Bei den Herzimplantaten selbst ergaben die bisherigen Analysen laut Boston Scientific keine Funktionsbeeinträchtigungen. Bereits eingerichtete Fernüberwachungen laufen weiter; auch die Abfrage der Implantate mit lokalen Programmiergeräten funktioniert [2,3].

Das Latitude NXT Patient Management System überträgt Daten kardialer Implantate an die behandelnde Klinik. Ein Communicator fragt das Implantat nach einem festgelegten Zeitplan und Alarmschema ab. Die übertragenen Geräte- und Gesundheitsdaten können über eine geschützte Website eingesehen werden [4].

Bei neu implantierten Herzrhythmusgeräten – mit Ausnahme implantierbarer Herzmonitore – lassen sich neue Communicator für die Fernüberwachung derzeit nicht aktivieren. Gerätedaten werden deshalb zunächst nicht an das Fernüberwachungssystem übertragen [3].

Bei implantierbaren Herzmonitoren (ICM) läuft die Anbindung anders. Nach der Aktivierung über die Clinic-Assistant-App zeichnen sie Episoden weiter auf. Die Kopplung mit dem Mobiltelefon für die Fernüberwachung ist derzeit jedoch nicht möglich. Gespeicherte Episoden lassen sich bei einem Kliniktermin auslesen und anschließend übertragen [3].

Das Implantat kann funktionieren, während Fernüberwachung, Hersteller-IT oder Lieferprozesse gestört sind. Der Fall Boston Scientific zeigt damit sehr konkret die Abhängigkeiten vernetzter Medizintechnik – und warum IT-Sicherheit weit über das eigentliche Medizinprodukt hinausreicht.

Quellen

[1] Boston Scientific Corporation. Current report: Form 8-K [Internet]. Washington (DC): U.S. Securities and Exchange Commission; 26. 08. 2026 [zitiert am 07. 09. 20267]. Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/885725/000088572526000056/bsx-20260826.htm
 
[2] Boston Scientific Corporation. Update on recent cybersecurity incident [Internet]. Marlborough (MA): Boston Scientific Corporation; 05. 09. 2026 [zitiert am 07. 09. 2026]. Verfügbar unter: https://news.bostonscientific.com/update-on-recent-cybersecurity-incident
 
[3] Boston Scientific Corporation. [Archive] Update on recent cybersecurity incident [Internet]. Marlborough (MA): Boston Scientific Corporation; 03. 09. 2026 [zitiert am 07. 09. 2026]. Verfügbar unter: https://news.bostonscientific.com/update-on-recent-cybersecurity-incident-archive
 
[4] Boston Scientific Corporation. Latitude NXT Patient Management System [Internet]. Ratingen: Boston Scientific Deutschland [zitiert am 07. 09. 2026]. Verfügbar unter: https://www.bostonscientific.com/DE-Deutsch/produkte/telemedizinisches-patient-monitoring/latitude-nxt.html

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