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Früherkennung Aortenaneurysmen: Bildgebung auf Risikogruppen konzentrieren

Von Guido Deußing 3 min Lesedauer

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Thorakale Aortenaneurysmen, also Erweiterungen der Hauptschlagader im Brustkorb, bleiben oft unbemerkt. Eine Übersichtsarbeit im „Deutschen Ärzteblatt“ zeigt, weshalb Früherkennung auf Risikogruppen zielen sollte und welche Anforderungen an CT und MRT gestellt werden.

Vier Risikofaktoren, zwei Verfahren: Bei familiärer Belastung, bikuspider Aortenklappe, Bauchaortenaneurysma oder Riesenzellarteriitis kommen CT und MRT für die gezielte Suche infrage.(Bild:  Guido Deußing, KI-generiert nach Peterß et al. 2026)
Vier Risikofaktoren, zwei Verfahren: Bei familiärer Belastung, bikuspider Aortenklappe, Bauchaortenaneurysma oder Riesenzellarteriitis kommen CT und MRT für die gezielte Suche infrage.
(Bild: Guido Deußing, KI-generiert nach Peterß et al. 2026)

Da spezifische Biomarker fehlen, lassen sich thorakale Aortenaneurysmen (TAA) nur mit bildgebenden Verfahren aufspüren. Forscher um Sven Peterß vom LMU Klinikum München lehnen ein TAA-Screening der Gesamtbevölkerung ab. Sinnvoll seien Maßnahmen zur Früherkennung bei beschwerdefreien Personen, die durch bestimmte Vorerkrankungen oder aufgrund einer familiäre Belastung ein erhöhtes Risiko tragen, zu erkranken.

Die Arbeit „Unerkannte thorakale Aortenaneurysmen – Prävalenz, Risikofaktoren, Screeningansätze“, erschienen im „Deutschen Ärzteblatt“ [1], verbindet eine selektive Literaturübersicht und einen Leitlinienabgleich mit Routinedaten aus 17 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg. Unter 394.113 Erwachsenen waren 160 TAA dokumentiert, was einem Anteil von 0,04 Prozent entspricht. Bei den über 50-Jährigen lag der Anteil bei 0,07 Prozent. Aufgrund der Auswahl der Praxen, die nicht zufällig erfolgte, sind die Daten nicht unmittelbar repräsentativ.

Relevante Risikofaktoren

Als Risikofaktoren nennen die Autoren u. a. TAA oder einen Einriss der Gefäßwand (Aortendissektion) bei nahen Verwandten, genetische Veranlagung, eine bikuspide Aortenklappe (eine Klappe mit zwei statt drei Taschen), ein Bauchaortenaneurysma und Riesenzellarteriitis, also eine entzündliche Erkrankung großer Arterien.

Aneurysma

Ein Aneurysma ist eine krankhafte Erweiterung eines Blutgefäßes. Häufig wird darunter eine Zunahme des Gefäßdurchmessers auf mindestens 150 Prozent des für Alter, Geschlecht und Körpergröße erwarteten Normalwerts verstanden. Bei der thorakalen Aorta orientieren sich Leitlinien jedoch zusätzlich an absoluten Durchmessern und gegebenenfalls an auf Körpergröße oder Körperoberfläche bezogenen Werten. Das Risiko lässt sich daher nicht allein am 150-Prozent-Kriterium festmachen. 
Aortenaneurysmen werden nach ihrer Lage unterschieden. Ein thorakales Aortenaneurysma (TAA) betrifft die Aorta im Brustkorb und kann die Aortenwurzel bzw. die aufsteigende Aorta, den Aortenbogen oder die absteigende Brustaorta einschließen. TAA verursachen häufig über lange Zeit keine Beschwerden und können deshalb unentdeckt bleiben. 
Gefährlich wird ein TAA, wenn die Gefäßwand weiter nachgibt. Möglich sind insbesondere eine Aortendissektion, bei der Blut durch einen Einriss zwischen die Wandschichten gelangt, oder eine Ruptur, bei der die Gefäßwand vollständig reißt. Das Risiko solcher Ereignisse steigt mit dem Durchmesser der Aorta, hängt aber auch vom betroffenen Abschnitt, der Ursache und der Wachstumsgeschwindigkeit ab. Für die aufsteigende Aorta beschreiben Leitlinien einen deutlichen Risikoanstieg im Bereich von etwa 52 bis 53 Millimetern. Diese Größe ist jedoch keine allgemeingültige Schwelle für alle Abschnitte der thorakalen Aorta. 
Zur Diagnostik und Verlaufskontrolle kommen je nach Aortenabschnitt und Fragestellung transthorakale Echokardiografie, CT-Angiografie sowie MRT bzw. MR-Angiografie zum Einsatz. Für zuverlässige Verlaufsmessungen sind standardisierte Messverfahren und möglichst dieselbe Bildgebungsmethode mit vergleichbarem Untersuchungsprotokoll wichtig. [1,2]

Bei familiärer Vorbelastung empfehlen die Forschenden zunächst eine transthorakale Echokardiografie, sprich eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch die Brustwand. Ab 45 Millimetern Aortendurchmesser soll Schnittbildgebung mittels CT oder MRT hinzukommen. Als Hindernisse für ein allgemeines Screening per Echokardiografie nennen Peterß und Kollegen eine unzureichende Sensitivität (Trefferquote), unterschiedliche Ergebnisse je nach Untersucher und teils fehlende Standardisierung.

Die CT-Angiografie mit Kontrastmittel ist schnell verfügbar und liefert detaillierte Bilder. Als reiner Durchmessertest wäre auch eine Niedrigdosis-CT ohne Kontrastmittel mit einer Effektivdosis unter einem Millisievert denkbar. Zugrunde liegende Veränderungen der Aorta ließen sich damit jedoch nur eingeschränkt unterscheiden. Die MRT liefert auch ohne Gadolinium-Kontrastmittel vergleichbare Messwerte und verursacht zudem keine Strahlenexposition, ist aber zeitaufwendiger und anfälliger für Bewegungsartefakte.

Kein flächendeckendes TAA-Screening

Gegen ein flächendeckendes TAA-Screening spreche die Nutzen-Risiko-Rechnung, schreiben die Autoren. Für eine modellhafte CT-Angiografie aller 232.033 über 50-Jährigen der Datenbank rechnen sie bei 13 Millisievert pro Untersuchung mit 116 bis 232 strahleninduzierten Krebserkrankungen. Bei jeweils 99 Prozent Sensitivität und Spezifität (Rate korrekt negative Befunde) ergäben sich etwa 2.300 falsch positive Befunde. Für ein CT-basiertes Screening mit regelmäßigen Kontrollen seien deshalb Dosisreduktion, empfindlichere Detektoren und weiterentwickelte Bildverarbeitung essenziell. Die zugrunde liegenden Risikomodelle sind allerdings mit Unsicherheiten behaftet.

Künftig müssten nach Ansicht der Autoren Sensitivität und Spezifität der Verfahren in eigens dafür angelegten Studien genauer bestimmt werden. Zudem regen sie an, TAA in Deutschland gesondert als Todesursache zu erfassen.

Quellen

[1] Peterß S, Czihal M, Girdauskas E, Klink T, Lescan M, Steinhäuser J. Unerkannte thorakale Aortenaneurysmen: Prävalenz, Risikofaktoren, Screeningansätze. Dtsch Arztebl Int. 2026;123:505–11. doi:10.3238/arztebl.m2026.0095

[2] Lavall D, Schäfers HJ, Böhm M, Laufs U. Aneurysmen der Aorta ascendens. Dtsch Arztebl Int. 2012;109(13):227–33. doi:10.3238/arztebl.2012.0227

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