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AR-Display im OP Apple Vision Pro wird mit Stryker-Software zum OP-Display

Von Guido Deußing 5 min Lesedauer

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Der US-Medizintechnik-Konzern Stryker hat seine Software SportSuite Vision erstmals bei einer Hüftarthroskopie mit Apple Vision Pro eingesetzt. Die FDA hat die Software zuvor per De-Novo-Verfahren als Klasse-II-Medizinprodukt autorisiert. Besonders aufschlussreich sind die Anforderungen der US-Behörde an Bildlatenz, Darstellungsqualität, Bedienbarkeit und Aufbereitung.

Hüftarthroskopie mit Video-See-through-Headset. Eingeblendet sind Arthroskopiebild, CT-Daten und Planung; ein konventioneller Monitor dient als zusätzliche Anzeige.(KI-generiert / Redaktion Devicemed)
Hüftarthroskopie mit Video-See-through-Headset. Eingeblendet sind Arthroskopiebild, CT-Daten und Planung; ein konventioneller Monitor dient als zusätzliche Anzeige.
(KI-generiert / Redaktion Devicemed)

Der US-Medizintechnik-Konzern Stryker bringt die Apple Vision Pro als Anzeigegerät in den Operationssaal. Nach Angaben des Herstellers wurde die Software SportSuite Vision erstmals bei einer Hüftarthroskopie bei Duke Health in Durham im US-Bundesstaat North Carolina eingesetzt. Die US-Behörde FDA hatte die Software am 17. Juli 2026 über das De-Novo-Verfahren autorisiert. Ein Datum für den Eingriff nennt Stryker nicht [1-3].

SportSuite Vision

SportSuite Vision ist eine Software von Stryker für bestimmte Hüftarthroskopien. Sie läuft auf der Apple Vision Pro und führt mehrere Informationsquellen in einer räumlich anpassbaren Ansicht zusammen: das Livebild des Arthroskops, CT-Daten sowie Infos aus den Stryker-Anwendungen HipMap und HipCheck [4]
HipMap unterstützt die präoperative 3D-Planung des Hüftgelenks auf Basis von CT-Daten. HipCheck liefert während des Eingriffs Informationen zur Vermessung und Bearbeitung knöcherner Veränderungen am Hüftgelenk [4].
SportSuite Vision erzeugt dabei keine neuen medizinischen Bilder. Die Software stellt vorhandene Bild-, Mess- und Planungsinformationen im Sichtfeld des Operateurs zusammen. Position und Ausrichtung der einzelnen Ansichten lassen sich dort anpassen [4].

Nicht die Apple Vision Pro selbst ist als Medizinprodukt autorisiert worden. Gegenstand der FDA-Entscheidung ist die SportSuite Vision Software. Die Behörde ordnete sie der Klasse II zu und schuf einen neuen generischen Gerätetyp für intraoperative Augmented-Reality-Video-See-through-Displaysysteme bei arthroskopischen beziehungsweise orthopädisch-endoskopischen Eingriffen [1,2].

Diese Geräteart ist nicht von der 510(k)-Pflicht befreit. Das Verfahren dient in den USA dazu, vor dem Marktzugang zu prüfen, ob ein neues Medizinprodukt einem bereits rechtmäßig vermarkteten Vergleichsprodukt in Sicherheit und Leistung im Wesentlichen gleichwertig ist. Hersteller vergleichbarer Systeme müssen daher eine 510(k)-Anmeldung bei der FDA einreichen. Für nachfolgende Produkte ist damit grundsätzlich ein 510(k)-Pfad eröffnet; eine erneute erstmalige Klassifizierung dieses Gerätetyps per De Novo ist nicht erforderlich [2].

Arthroskopiebild und CT im Sichtfeld

SportSuite Vision kann das Livebild des Arthroskops, Informationen aus HipCheck und HipMap sowie CT-Aufnahmen räumlich im Sichtfeld des Operateurs anordnen. Die reale Umgebung wird nicht durch transparente Optik betrachtet. Kameras nehmen den Operationssaal auf; auf den Displays erscheinen Kamerabild und digitale Fenster gemeinsam. Dieses Prinzip heißt Video-See-through [3,4].

Video-See-through vs. optische Durchsicht

Optische Durchsicht: Der Nutzer blickt durch eine transparente Optik unmittelbar auf die reale Umgebung. Digitale Informationen werden in dieses Sichtfeld eingeblendet. 
Video-See-through: Kameras nehmen die Umgebung auf. Displays zeigen das Kamerabild zusammen mit digitalen Informationen. Kameras, Bildverarbeitung und Displays gehören damit zum sicherheitsrelevanten Sichtpfad. Verzögerungen oder Darstellungsfehler können auch die Wahrnehmung der realen Umgebung beeinflussen.

Die autorisierte Anwendung ist auf Hüftarthroskopien begrenzt, bei denen entweder ein femoroazetabuläres Impingement behandelt oder die Gelenklippe repariert wird. Beim femoroazetabulären Impingement führen knöcherne Veränderungen dazu, dass Hüftkopf und Gelenkpfanne bei bestimmten Bewegungen unerwünscht aufeinandertreffen können. Die Gelenklippe ist ein ringförmiger Faserknorpel am Rand der Gelenkpfanne, der das Gelenk stabilisiert und abdichtet. Die CT-Daten sind laut Stryker nur zur Information und nicht für diagnostische Zwecke vorgesehen [2,4].

Darstellungsverzögerung wird sicherheitsrelevant

Technisch bemerkenswert sind vor allem die besonderen Kontrollen (Special Controls) der FDA. Für jedes kompatible Head-mounted-Display müssen u. a. Farbtreue, Bildlatenz, Verzerrung, Kontrast, räumliche Genauigkeit, Verhalten bei unterschiedlichem Umgebungslicht und Qualität des Livebilds geprüft werden [2]. Die prozedurale Systemgenauigkeit ist an humananatomischen Präparaten zu validieren. Hinzu kommen simulierte Nutzungstests mit ungünstigsten intraoperativen Aufgaben und Nutzungsszenarien. Human-Factors-/Usability-Tests müssen zeigen, dass Anwender das System korrekt bedienen und die vorgesehenen Operationsschritte ausführen können [2].

Gerade die Darstellungsverzögerung, also die Latenz, ist sicherheitsrelevant, weil der Operateur auch die reale Umgebung über Kameras, Bildverarbeitung und Displays wahrnimmt. Messwerte zur tatsächlichen Verzögerung oder Bildtreue von SportSuite Vision enthält der FDA-Bescheid allerdings nicht [2].

Headset für den Verbrauchermarkt im sterilen Umfeld

Auch die Einbindung eines Consumer-Headsets, also eines ursprünglich für den allgemeinen Markt entwickelten Geräts, in den OP ist regulatorisch relevant. Die besonderen Kontrollen verlangen validierte Aufbereitungsanweisungen für wiederverwendbare Komponenten. Die Kennzeichnung muss zudem Maßnahmen für Anwender benennen, bei denen Augenerkrankungen oder andere Vorerkrankungen die Empfindlichkeit gegenüber visueller Bewegung beeinflussen können [2].

Auf seiner Produktseite empfiehlt Stryker für den klinischen Einsatz zusätzlich einen Gesichtsschutz (Steri-Shield Face Guard) und eine umlaufende Schutzlinse (Wrap Around Lens). Hierbei handelt es sich um einen Herstellerhinweis und keine Vorgabe der FDA [4]. Die Kennzeichnung muss den Anwender außerdem anweisen, konventionelle Monitore als Rückfallebene bereitzuhalten. Zugleich sieht die Zweckbestimmung klassische Monitore für das übrige OP-Personal vor [2].

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Ob SportSuite Vision Eingriffe verkürzt, Fehler reduziert oder die ergonomische Belastung verringert, ist bislang nicht belegt. Vergleichsdaten zu Operationsdauer, Fehlerhäufigkeit oder Ergonomie wurden nicht veröffentlicht. Der Operateur des gemeldeten Eingriffs, der auf Hüftarthroskopien spezialisierte orthopädische Chirurg Chad Mather III von Duke Health, wird in der Herstellerinformation als Berater von Stryker ausgewiesen [3,5]. Die FDA-Entscheidung gilt für den US-Markt und bedeutet keine entsprechende Zulassung in Europa [1,2].

Quellen

[1] U.S. Food and Drug Administration. De Novo Classification Request: SportSuite Vision Software. DEN250040 [Internet]. Silver Spring (MD): FDA; 2026 [zitiert 8. Sep. 2026]. Verfügbar unter: https://www.accessdata.fda.gov/scripts/cdrh/cfdocs/cfpmn/denovo.cfm?id=DEN250040
[2] U.S. Food and Drug Administration. De Novo Classification Order for SportSuite Vision Software, DEN250040 [Internet]. Silver Spring (MD): FDA; 2026 Jul 17 [zitiert 8. Sep. 2026]. Verfügbar unter: https://www.accessdata.fda.gov/cdrh_docs/pdf25/DEN250040.pdf
[3] Stryker. Stryker introduces first-of-its-kind FDA-authorized surgical application for Apple Vision Pro with hip arthroscopy case [Internet]. Kalamazoo (MI): Stryker; 2026 Sep 1 [zitiert 8. Sep. 2026]. Verfügbar unter: https://www.stryker.com/us/en/about/news/2026/stryker-introduces-first-of-its-kind-fda-authorized-surgical-application-for-apple-vision-pro-with-hip-arthroscopy-case.html
[4] Stryker. SportSuite Vision [Internet]. Kalamazoo (MI): Stryker; [zitiert 8. Sep. 2026]. Verfügbar unter: https://www.stryker.com/us/en/sports-medicine/products/sportsuite-vision.html
[5] Duke University School of Medicine, Department of Orthopaedic Surgery. Richard C. “Chad” Mather III, MD, MBA [Internet]. Durham (NC): Duke University; [zitiert 8. Sep. 2026]. Verfügbar unter: https://ortho.duke.edu/richard-c-chad-mather-iii-md-mba