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Sonceboz „Mikroantriebe lassen Patientenwünsche wahr werden“

Redakteur: Peter Reinhardt

Die fortschreitende Miniaturisierung in der Medizintechnik ist eng mit neuen Entwicklungen in der Antriebstechnik verknüpft. Doch bei allen Erfolgen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Physik dem Ganzen Grenzen setzt, wie Herbert Trummer* im Gespräch mit Devicemed erläutert.

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(Bild: Sonceboz)

Herr Trummer, Miniaturisierung ist ein Dauerthema in der elektrischen Antriebstechnik. Wo steht die Technologie heute und wo sehen Sie Grenzen, die nicht zu überwinden sein werden?

Miniaturisierung im Kontext elektrischer Antriebstechnik für Medizinprodukte bedeutet, die Strukturen der Systeme zu verkleinern, ohne die wesentlichen Eigenschaften und Funktionen zu verändern. Um bestimmte Drehmomente und/oder Geschwindigkeiten zu erzielen, braucht es einen gewissen elektromagnetischen Kreis mit Kupfer, Eisen und allenfalls Magnetmaterial. Da setzt die Physik Grenzen. Man sollte das Thema daher ganzheitlich im Rahmen der Integration von Gesamtlösungen betrachten. Und da spielen Formfaktoren mitunter eine ebenso wichtige Rolle wie die reinen Abmessungen. So gibt es beispielsweise Anwendungen, wo sich kleine, zylindrische Motoren am besten integrieren lassen, in anderen haben flache Bauformen erhebliche Vorteile. Die geeignete Bauform und eine hohe Integrationsfähigkeit der einzelnen Antriebskomponenten ergeben daher den größten Miniaturisierungseffekt. Mit Standardprodukten aus dem Katalog ist das etwas schwierig zu erreichen, aber es gibt ja gute Alternativen.

Warum müssen sich gerade Medizinproduktehersteller mit dem Thema Miniaturisierung auseinandersetzen?

Als Nicht-Mediziner beobachte ich einen starken Trend zu aktiven und intelligenten Medizingeräten, die im Alltag vom Patienten zu Hause und nicht mehr vom medizinischen Fachpersonal in der Klinik oder im Labor bedient werden. Da sind wir rasch bei tragbaren Geräten, bei denen Aspekte wie Abmessungen, Gewicht und Tragekomfort eine besondere Rolle spielen – alles Patientenbedürfnisse, die Miniaturisierung verlangen.

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Welche Beispiele gibt es hierfür?

Das Thema Drug Delivery ist ein sehr gutes Beispiel. Viele dieser Apparate haben immer noch die Größe einer Zigarettenschachtel und müssen daher in der Tasche oder am Gürtel getragen werden. Patienten möchten solche Geräte aber möglichst unsichtbar unter der Kleidung irgendwo auf die Haut kleben. Diesem Patientenbedürfnis versuchen die vielen Innovationsprojekte im Bereich der Patch-Injektoren nachzukommen. Bereits existierende Lösungen auf dem Markt haben zwar immer kleinere Volumen, tragen aber in der Höhe immer noch 15 bis 20 mm auf, was den Tragekomfort und die Sicherheit gegen das Abreißen der Patches einschränkt. Das ideale Produkt sollte sich wie ein Heftpflaster auf die Haut kleben lassen, eine Höhe von wenigen Millimetern haben und wenn möglich noch flexibel sein. An solchen Projekten arbeiten wir.

Wie groß ist hier das Potenzial?

Wenn man den Marktanalysen glauben darf, liegen die Wachstumsraten im Bereich neuer Lösungen für Drug-Delivery-Geräte mit etwa acht Prozent deutlich über dem Wachstum des Gesamtmarktes. Wir gehen davon aus, dass sich in diesem Markt, der insgesamt über 4 Mrd. Dollar groß ist, einige interessante Businessmöglichkeiten für innovative Mikroantriebe ergeben.

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