France

Neuromedizin Wenn KI in neuronale Implantate integriert ist

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mithilfe von KI lassen sich epileptische Anfälle in der Neuromedizin in Echtzeit erkennen und gezielt unterbrechen. Dabei spielt auch Software eine entscheidende Rolle. Allerdings sind auch noch offene Fragen zum Datenschutz und zur Regulierung zu klären.

Neuronale Implantante will das Heidelberger Unternehmen Precisis mit Sensorik und KI-basierter Steuerung verknüpfen. Damit sollen künftig Epilepsie präzise erkannt und im besten Fall verhindert werden.(Bild:  Precisis)
Neuronale Implantante will das Heidelberger Unternehmen Precisis mit Sensorik und KI-basierter Steuerung verknüpfen. Damit sollen künftig Epilepsie präzise erkannt und im besten Fall verhindert werden.
(Bild: Precisis)

Angesichts deutlich steigender neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Epilepsie stoßen traditionelle Therapieformen zunehmend an ihre Grenzen. In der Medizintechnik zeichnet sich daher eine Entwicklung ab, die bis vor kurzem noch als Science-Fiction galt: die praktische Nutzung künstlicher Intelligenz zur direkten neuronalen Überwachung und automatisierten Therapiekontrolle. Umgangssprachlich eine Neuro-KI.

Das Heidelberger Unternehmen Precisis forscht aktuell daran, neuronale Implantate mit Sensorik und KI-basierter Steuerung zu verknüpfen. Ziel ist eine technische Antwort, die neurologische Ereignisse nicht nur präzise erkennt, sondern bereits im Ansatz verhindert und unmittelbar darauf reagiert.

Neuro-KI sorgt für Präzision und Therapie in Echtzeit

Dr. Patrick Reisinger, leitender Data Scientist bei Precisis, vergleicht die kommenden Entwicklungen mit einem Paradigmenwechsel, wie ihn der Taschenrechner einst in der Mathematik auslöste: „Wir stehen an der Schwelle zu einer technischen Möglichkeit, die Echtzeit-Diagnostik und individuell angepasste Therapien ermöglicht.“ Dabei ist entscheidend, dass Neuroimplantate nicht nur kontinuierlich Daten erfassen, sondern diese mit KI unabhängig auswerten und darauf basierend präzise stimulieren können.

Wichtig dabei sind KI-Modelle, welche EEG-Daten (elektroenzephalographische Messungen der Gehirnaktivität) in Echtzeit überwachen und automatisiert interpretieren können. Auf Basis individueller Muster und neuronaler Profile entscheiden diese Modelle autonom, wann und wie Implantate neurologische Aktivitäten, etwa drohende epileptische Anfälle, durch gezielte elektrische Stimulation unterbrechen können.

Technische Voraussetzungen und Integration

KI-Modelle sollen in der Lage sein, EEG-Daten in Echtzeit zu überwachen und automatisiert zu interpretieren. (Bild:  Precisis)
KI-Modelle sollen in der Lage sein, EEG-Daten in Echtzeit zu überwachen und automatisiert zu interpretieren.
(Bild: Precisis)

Technisch ruht die Neuro-KI auf drei Säulen: leistungsfähiger Sensorik (EEG-Elektroden), effizienter elektronischer Datenerfassung sowie einer robusten KI-basierten Steuerungseinheit, die implantatnah integriert wird. Gerade auf dem Mikroelektronik-Level bieten sich erhebliche Herausforderungen für Elektronikentwickler: Neben einer hohen Präzision in der Signalverarbeitung, rauscharmen Sensorinterfaces und sehr energieeffizienten Mikrocontrollern sind langfristige Biokompatibilität und mechanische Miniaturisierung essenziell.

Nicht nur die Hardwareentwicklung, sondern v. a, die Software- und Algorithmen-Architekturen der Neuro-KI spielen eine zentrale Rolle: Die eingesetzten Verfahren müssen rechen- und energieeffizient arbeiten, dabei gleichzeitig hohe Präzision, geringe Latenzzeiten und maximale Zuverlässigkeit liefern.

Datenschutz und Regulierung

Karl Stoklosa ist CEO bei Precisis.(Bild:  Precisis)
Karl Stoklosa ist CEO bei Precisis.
(Bild: Precisis)

Neben rein technischen Aspekten sehen die Experten bei Precisis derzeit noch Handlungsbedarf beim Datenschutz, der regulatorischen Zulassung sowie medizin- und technik-ethischer Fragen. Unternehmens-CEO Karl Stoklosa sieht in diesen Punkten zentrale Aufgabenfelder für Technologieentwickler und Entscheider: „Um einen breiten klinischen Einsatz zu ermöglichen, brauchen wir sichere und transparente Daten-Infrastrukturen, regulatorisch robuste Lösungen und ganzheitliche Sicherheitskonzepte.“

Der Ansatz einer vollintegrierten Neuro-KI könnte langfristig erheblichen Einfluss auf die gesamte neurologische Therapielandschaft haben und präventiv eingesetzt werden, um nicht nur Symptome zu behandeln, sondern Krankheiten direkt im neuronalen Ursprungsbereich zu adressieren.

„Das, was wir heute sehen, ist nur der Anfang“, sagt CEO Karl Stoklosa und ergänzt: „KI wird in der Neurologie zunehmend eine wertvolle Unterstützung im Behandlungsprozess sein – als ergänzendes Werkzeug, das Ärzte entlasten wird.“ Er und sein Team sehen in den nächsten Jahren einen Durchbruch in der Integration von KI-Technologien in der klinischen Praxis. Dieser nächste große Schritt wird nicht nur die Behandlungsqualität, sondern auch die Lebensqualität der Patienten signifikant verbessern können. „Die nächste Evolutionsstufe wird sein, dass wir nicht nur mit den Symptomen kämpfen, sondern den Ursprung von Krankheiten gezielt behandeln können“, sagt Stoklosa. KI bietet dabei das Potenzial, die medizinische Versorgung nicht nur zu revolutionieren, sondern auf eine präzise, personalisierte Ebene zu heben.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Partnerportal www.elektronikpraxis.de.

(ID:50465928)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung