Überfüllte Notaufnahmen, Fachkräftemangel, knappe Ressourcen und immer komplexere Krankheitsbilder stellen die Intensiv- und Notfallmedizin vor große Herausforderungen. Welche Rolle Miniaturisierung und Mikrotechnik bei deren Bewältigung spielen können, zeigte das digitale Compamed Innovationsforum 2026, das die Messe Düsseldorf gemeinsam mit dem IVAM Fachverband für Mikrotechnik (am 21. Mai) veranstaltete. Die Veranstaltung gab damit zugleich einen Ausblick auf aktuelle Entwicklungen, die auch die Compamed 2026 vom 16. bis 19. November in Düsseldorf in fester Parallelität zur Medica prägen werden.
Das digitale Compamed Innovationsforum 2026 veranstaltete die Messe Düsseldorf gemeinsam mit dem IVAM Fachverband für Mikrotechnik.
(Bild: Messe Düsseldorf/Tillmann)
In ihrer Kombination sind Medica und Compamed die international führenden Community-Plattformen für das gesamte Ökosystem der Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft, entlang der kompletten Wertschöpfungskette unter Einbezug des Zulieferbereichs. Welchen Anteil dieser an der Implementierung zukunftsfähiger Lösungen im Versorgungsalltag hat, unterstrich das diesjährige Compamed Innovationsforum. Unter dem Titel „Miniaturized Medtech for maximum impact: innovations for emergency and intensive care“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Klinik, Industrie und Produktentwicklung konkrete Ansätze und Innovationen für die Versorgung der Zukunft. Vorgestellt wurden u. a. Wearables zur kontinuierlichen Patientenüberwachung, Biosensoren, Hilfsmittel für den Rettungsdienst sowie ein neuer Ansatz für telemedizinisch gesteuerte Schlaganfallinterventionen.
Den Auftakt machte Carmen Berger, Verantwortliche für Medica und Compamed bei der Messe Düsseldorf, mit einer positiven Nachricht für die Community: „Die Compamed 2026 ist ausgebucht. Das zeigt, dass die Medtech-Branche kooperieren und die Gesundheitsversorgung aktiv gestalten will.“ Sie betonte außerdem: „Die Compamed ist das wahre Herz des Medica-Ökosystems. Gerade die Themen Intensiv- und Notfallmedizin zeigen die Synergie zwischen Medica und Compamed.“
Tim Merforth, Managing Director des IVAM, ergänzte mit Blick auf die Veranstaltungen im November: „Ich persönlich freue mich sehr auf die Sonderschau Medica Hospital of the future. Dort werden wir sehen können, wie Anwendungen konkret in die Krankenhaus-Praxis integriert werden können.“
Menschzentriertes Design als Schlüssel
Den fachlichen Einstieg übernahm Dr. Jens Ebnet von der Ebnet Medical GmbH. Aus seiner Praxiserfahrung als Notfallmediziner leitete er zentrale Anforderungen für die Produktentwicklung ab. Seine Kernbotschaft lautete: „Die Bedürfnisse von Patientinnen, Patienten und Anwendenden zu verstehen, ist der Schlüssel zu einer menschenzentrierten Medizintechnik." Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Anforderungen Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich an medizinische Geräte stellen. Ebnet formulierte dafür drei Leitprinzipien: Unterstützung der Versorgung (care), Förderung von Kommunikation (connection) und Entlastung der Konzentration (concentration).
Von der Entwicklung bis zur Zulassung
Der Treffpunkt Medizintechnik bringt die Branche zusammen
Die Medizintechnik entwickelt sich rasant – bedingt durch Digitalisierung, neue Materialien, KI, Robotik und mehr. Damit steigen nicht nur die Chancen für eine bessere Versorgung, sondern auch die Anforderungen an Forschung, Entwicklung und Hersteller. Der Treffpunkt Medizintechnik am 17. September 2026 in Frankfurt/Main fördert den Austausch und vernetzt Entscheider der Branche. Auf der neuen Veranstaltung, ausgerichtet von DeviceMed, erwartet die Teilnehmer eine Ausstellung mit einem begleitenden Vortragsprogramm. Im Fokus stehen aktuelle Marktübersichten, Marktentwicklungen und Marktchancen sowie Fachvorträge zu Entwicklung, Konstruktion, Produktion, Qualitätssicherung und Zulassung. Finden Sie neue Partner für Ihre Medizinprodukte-Entwicklung (OEM, QM-Experten, Dienstleister). Freuen Sie sich auf Best-Practice-Beispiele von Medizintechnik-Herstellern und den Austausch mit anderen Branchen-Experten.
In einem zweiten Beitrag widmete sich Ebnet einem häufigen klinischen Problem: dem misslingenden ersten Punktionsversuch beim Gefäßzugang. Fehlversuche können Infektionen und Verletzungen verursachen. Bestehende Verfahren sind oft materialintensiv und komplex. Ebnet Medical entwickelt deshalb neue Lösungen für die Intensiv- und Notfallmedizin, darunter das Gefäßzugangssystem „Swordcath“, einen einhändig bedienbaren PIVC sowie einen knickresistenten Katheter. Die Produkte befinden sich derzeit noch vor der klinischen Zulassung. Mit Blick auf die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit erklärte Ebnet: „Internationale Kooperation ist entscheidend für die Verbesserung der Patientensicherheit und die Rettung von Menschenleben."
Biosensoren für neue Therapieformen
Dr. Andreas Weltin von iST Jobst stellte Biosensorplattformen vor, die Glukose, Laktat und Peptide messen können. Einsatzgebiete reichen von der Intensivmedizin über den Organtransport bis hin zu Zell- und Gentherapien. Am Beispiel der CAR-T-Zelltherapie zeigte Weltin die wirtschaftlichen Herausforderungen moderner Behandlungsformen auf: „Unser Ziel muss es sein, die Kosten für diese Therapien zu senken, um sie sicherer und zugänglicher zu machen." Mikrosensoren könnten hierzu beitragen, indem sie das Zellwachstum direkt im Kulturgefäß überwachen und damit Personal- und Laboraufwand reduzieren.
Wearables nicht nur am Handgelenk
Erik Jung vom Fraunhofer IZM präsentierte textile Elektroniklösungen für die Patientenüberwachung. Seine Arbeitsgruppe „System-on-Flex“ entwickelt Smart Patches zur Erfassung von Biomarkern, EKG, Sauerstoffsättigung, Pulswellenanalyse, Atemfrequenz und Schweißparametern. Ein aktuelles Projekt mit der Charité fokussiert die Überwachung von Herzinsuffizienz und Bluthochdruck. Darüber hinaus arbeitet das Team an einem kostengünstigen Triagepflaster, das mithilfe optischer Sensorik eine schnelle Zustandsbeurteilung ermöglichen soll. Jung fasste die Entwicklung so zusammen: „Die Wearables, wie wir sie heute kennen, werden sich wandeln – weg von Armbändern hin zu ‚AnyW(h)ears‘" – also Geräten, die an beliebigen Körperstellen getragen werden können.
Usability als Sicherheitsfaktor
Sarah Ptach von Canyon Labs Holdings LLC richtete den Blick auf die Benutzerfreundlichkeit medizinischer Geräte. Gerade in Notaufnahme und Intensivstation werden selbst kleine Designschwächen unter Stressbedingungen zu Sicherheitsrisiken. „Produktdesigns und Verpackungen müssen mehr mit der Notfallmedizin, dem Rettungswagen und der Notaufnahme im Kopf entworfen werden“, mahnte Ptach. Miniaturisierung erhöhe häufig die Anforderungen an die Bedienung. Typische Fehlerquellen seien schlecht erkennbare Elemente, verwechselbare Anschlüsse oder komplexe Vorbereitungsschritte. Ihr Fazit: Usability ist keine Designkür, sondern eine klinische Sicherheitsanforderung.
Stand: 08.12.2025
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Telemedizinische Robotik für Schlaganfallpatienten
Dr. Evaldas Kalvaitis von Sentante stellte ein telemedizinisch bedienbares endovaskuläres Robotersystem vor, das künftig bei der mechanischen Thrombektomie eingesetzt werden soll. „Endovaskuläre Chirurgie ist das letzte chirurgische Fachgebiet ohne marktbeherrschenden Roboter", konstatierte Kalvaitis. Das System imitiert das manuelle Vorschieben eines Katheters und liefert gleichzeitig Daten für das KI-Training. Erste transatlantische Eingriffe wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Die CE-Kennzeichnung liegt vor, der Markteintritt in Europa steht bevor.
Armband für kontinuierliches Herzmonitoring
Mantas Aleckūnas von Teltonika Telemedic und Dr. Justinas Bacevičius von der Universität Vilnius präsentierten das CE-zertifizierte Teltoheart-Armband für kontinuierliches 6-Kanal-EKG-Monitoring. „Die Prävalenz von Herzerkrankungen nimmt überall zu", betonte Aleckūnas. Bacevičius verwies auf die klinischen Vorteile: Das 6-Kanal-EKG sei insbesondere bei der Früherkennung von Vorhofflimmern dem klassischen 1-Kanal-EKG überlegen und inzwischen von der European Heart Rhythm Association anerkannt.
Miniaturisierung als Hebel für bessere Versorgung
Das Compamed Innovationsforum 2026 machte deutlich: Miniaturisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Hebel für sicherere, zugänglichere und ressourcenschonendere Versorgung. Von intelligenten Sensoren über Wearables bis hin zu telemedizinischer Robotik zeigen neue Technologien, wie sich medizinische Versorgung unter schwierigen Rahmenbedingungen verbessern lässt. Weitere Anwendungen und Innovationen präsentiert die Compamed vom 16. bis 19. November 2026 in Düsseldorf in den Hallen 8a und 8b.