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Welche Besonderheiten kennzeichnen Antriebe für entsprechende Systeme?
Da sind mehrere Aspekte zu nennen: Um die auch bei Mikropumpen vorhandenen Druckkräfte auf kleinstem Raum erzeugen zu können, benötigen wir eine sehr hohe Drehmomentdichte der Motoren. Der Kraftbedarf wird bei bestimmten Anwendungen zudem noch ansteigen, da neue Medikamente mit höherer Viskosität noch höhere Anforderungen an die Dosiereinrichtungen stellen. Zweiter Punkt ist die Bauform. Ein flacher Formfaktor ermöglicht neue Designs, die Tragekomfort und Sicherheit für die Patienten steigern. Immer öfter reden wir zudem mit Kunden über Motoren in Disposables. Und da spielen geringe Kosten bei gleichzeitig hoher Performance und Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle. Dies ist nur mit Antrieben möglich, die in ganz großen Stückzahlen auf vollautomatischen Linien gefertigt werden.
Welche Rolle spielt dabei das Thema Energieeffizienz?
Die Energieeffizienz spielt primär bei der Batterielebensdauer von tragbaren Geräten eine wichtige Rolle. Mit der richtigen Auslegung von Motor, Mechanik und einer guten Ansteuerung kann man da viel erreichen.
Und wie sieht es aus mit den Themen Zuverlässigkeit und Sicherheit?
Wie überall in der Medizintechnik stehen Sicherheit und Zuverlässigkeit auch bei den Antrieben an oberster Stelle. Als Entwickler und Hersteller von Kleinstantrieben verfolgen wir in sämtlichen Bereichen des Betriebs wie auch in der Lieferkette konsequent eine Nullfehler-Strategie und freuen uns über erreichte 0-ppm-Resultate bei unseren Kunden. ISO-13485-Zertifizierung sowie entsprechende Prozesse und Methoden im Betrieb sind hier wichtig. Noch wichtiger aber sind unsere Entwicklungsansätze Design-to-Quality und Design-to-manufacture. Gemeinsam mit unseren Kunden streben wir daher nach einer möglichst hohen Integration. Das reduziert die Komplexität, was sich positiv auf Zuverlässigkeit, Kosten – und nicht zu vergessen – auch auf die Abmessungen auswirkt.
Gibt es weitere Bereiche in der Medizintechnik, die wesentlich von moderner Antriebstechnik geprägt werden?
Überall dort, wo es um das Handling von flüssigen oder auch festen Stoffen geht, oder wo etwas mechanisch bewegt wird, ist die Antriebstechnik gefordert. Und technisch ist hier Vieles machbar. Anderseits stellen wir fest, dass der Innovationsfähigkeit der Gerätehersteller durch die immer strengere Regulierung enge Grenzen gesetzt werden.
Wenn Sie einmal fünf Jahre vorausdenken: Was dürfte dann State of the Art bei Antrieben für die Medizintechnik sein?
Ich stelle mir vor, dass es uns gelingt, kostengünstige, miniaturisierte Antriebe zu bauen, die dank ihrer Performance, ihrer geringen Abmessungen und ihrer hohen Zuverlässigkeit neue Arten von Medizingeräten ermöglichen. Dies mit dem Ziel, dass eine viel größere Zahl von kranken Menschen eine bessere, weil gleichmäßigere Behandlung erhält. Die Unabhängigkeit von Kliniken und Ärzten nimmt zu, wodurch sich die Lebensqualität der Patienten insgesamt verbessert.
Die Fragen stellte Peter Reinhardt.
* Herbert Trummer, Division-Leiter Mechatronik bei Sonceboz SA
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