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Medizinrobotik

Medizinroboter – die verlängerten Arme von Ärzten und Pflegepersonal?

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Wer ist also besser – Mensch oder Roboter? In der Medizintechnik erscheint diese Frage besonders brisant. Denn „Menschen nehmen Roboter unterschiedlich wahr, je nachdem, in welchem Kontext sie ihnen begegnen. Roboter als Staubsauger oder Rasenmäher werden gerne gesehen. Davon fühlt sich kaum jemand bedroht. Im Krankenzimmer reagieren viele sensibler“, erklärt die Beraterin Edith Karl von der Power Management ­GmbH. Sich auf die Technik einzulassen, sich ihr anzuvertrauen, erfordert Mut von denjenigen, die sich von Robotern behandeln oder pflegen lassen. Auch für Ärzte und Pflegende ist die Frage essentiell: Wer beherrscht die bessere Technik, arbeitet präziser – Chirurg oder Roboter? Wer ist stärker und länger belastbar – Pfleger oder Roboter?

Die Antwort derjenigen, die Robotersysteme anbieten, fällt naturgemäß zugunsten der Robotertechnik aus. So meldete Stryker im Oktober 2016, mehr als 50.000 Eingriffe am Knie und mehr als 10.000 an der Hüfte seien international bereits mit ihrem Operationsroboter Mako durchgeführt worden. Mako führe orthopädische Eingriffe nicht nur präziser, sondern auch sicherer aus, wirbt der Hersteller.

Gestützt wird diese Aussage von Professor Dr. Henning Windhagen, Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Diakovere Annastift. Als Anwender sagt der Mediziner: „Die aktuelle semi-autonome Technik unterscheidet sich von der autonomen Robotertechnologie von vor 15 Jahren. Wir können unsere Eingriffe sehr genau planen und besonders präzise umsetzen.“ Entmündigt fühlt sich Windhagen daher nicht. Bei der Operation müsse der Chirurg den Roboterarm eigenständig führen, ein Tastsinn ermögliche dann aber eine präzisere und fehlerreduzierte Fräsung.

Ein Plädoyer für Robotersysteme hält auch Prof. Stephan Michels, stellvertretender Chefarzt der Augenklinik des Zürcher Stadtspitals Triemli. Sein Spezialgebiet: Sehbehinderungen wie die Makuladegeneration, eine Erkrankung, die das Sehvermögen stark beeinträchtigt. Patienten mit dieser Erkrankung benötigen regelmäßige Injektionen ins Auge – eine unangenehme Prozedur, die bislang nur spezialisierte Ärzte vornehmen. Durchgeführt werden könnte sie zukünftig aber auch von einem Roboter, wie ihn das Start-up Ophthorobotics entwickelt. Er erstellt mit Hilfe zweier Kameras ein 3D-Bild des Auges, berechnet die Einstichstelle und positioniert selbstständig die Injektionsnadel. Der Arzt überwacht diese Aktion in Echtzeit und startet per Knopfdruck die Injektion.

Sicherer als der Mensch ist der Roboter, weil er mithilfe von Sensoren misst, ob der Patient das Auge vor dem Einstich bewegt – er kann hierauf „schneller reagieren als wir Ärzte“, gibt sich der Chefarzt Michels bescheiden. Daneben bringt die Maschine weitere Vorteile mit sich, die charakteristisch für das Leistungsvermögen von Robotertechnik sind: Der Roboter speichert automatisch die Daten der Behandlung, beispielsweise welche Dosis in welches Auge gespritzt werden muss und an welche Stelle er injiziert hat. So kann er beim nächsten Mal eine andere Einstechposition berechnen, da zu häufiges Spritzen an derselben Stelle das Auge schädigt. Die Rechenleistung und daraus resultierende künstliche Intelligenz ist also ein weiteres Plus, das der Roboter dem Menschen voraushat.

Die Zukunft der Medizin liegt im Einsatz von technischen Hilfsmitteln

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis einer Befragung von Ophthorobotics, wonach sich 15 von 15 Patienten mit Makuladegeneration einer Roboter-Behandlung anvertrauen würden. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC fällt nicht ganz so positiv aus, ist dafür aber zahlenmäßig repräsentativer: Demnach würden sich knapp 50 Prozent von rund 11.000 Befragten aus elf Ländern bei einer „kleineren Operation“ einem Roboter anvertrauen.

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