France

Medizinrobotik

Medizinroboter – die verlängerten Arme von Ärzten und Pflegepersonal?

Seite: 4/4

Anbieter zum Thema

Die Zulassung des Systems ist für diesen Herbst geplant. So kann man also darüber diskutieren, welche Leistung besser ist: die einer regelmäßig gewarteten Maschine, die medizinische Prozeduren standardmäßig nach einem kontrolliert ablaufenden Schema ausführt, oder die eines Arztes. Letzterer unterliegt zwar tagesabhängigen Leistungsschwankungen, bringt aber seine Erfahrung, seine Intuition oder sein Bauchgefühl in Entscheidungen mit ein. Darüber, dass Robotik Ärzte und Pflegende entlastet, lässt sich allerdings nicht streiten. So hat Kuka Medical Robotics Maschinen im Angebot, die Lasten bis zu 200 kg tragen. Sie können schwere medizinische Ausstattungen im OP bewegen, zum Beispiel einen Röntgen-C-Bogen. Sie können außerdem das Pflegepersonal beim Umbetten von Patienten oder in der Rehatechnik unterstützen.

Die Leistung von Medizinrobotern geht über Menschenmögliches hinaus

Überhaupt, die Rehatechnik. Als Exoskelette kommen Roboteranzüge daher, die Querschnittgelähmten helfen, die Kontrolle über ihre Beine zurückzugewinnen. Während der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien 2014 erlangte ein Exoskelett weltweite Bekanntheit: der Roboteranzug des Walk-Again-Projects, entstanden unter der Leitung von Prof. Gordon Cheng am Lehrstuhl für Kognitive Systeme an der TU München. Getragen wurde er beim Anstoß der WM von einem Querschnittgelähmten, der ihn mit der Kraft seiner Gedanken steuerte. Möglich wurde das Ganze dank einer künstlichen Haut mit Sensoren, die den Druck beim Aufsetzen des Fußes erfasst. Der Druck wird in Vibrationen umgewandelt, die der Patient dank kleiner Motoren am Oberarm spürt. Nach ein paar Monaten Training verbindet das Gehirn diese Vibrationen wieder mit den Bewegungen von Bein und Fuß.

Jenseits solcher spektakulären Fälle können Roboter im Klinikalltag Aufgaben übernehmen, die die Mitarbeiter nicht nur in Bezug auf körperliche Lasten, sondern auch in anderen Belangen unterstützen. Der Roboter-Butler Relay könnte ein solcher Zeitgenosse werden. Knapp einen Meter groß, kann er in belebten Umgebungen autonom arbeiten. Bedienen könnte man sich seiner in Kliniken zur Auslieferung von Medikamenten.

Auf den ersten Blick mutet es seltsam an, dass all diese Operationen, Rehamaßnahmen oder medizinischen Dienstleistungen nicht von Menschen, sondern von Maschinen erbracht werden. Wo bleibt der zwischenmenschliche Kontakt, mögen Skeptiker fragen: Ist es nicht angenehmer, mit einem Physiotherapeuten das Laufen zu trainieren als mithilfe eines Exoskeletts? Trägt ein Krankenpfleger, der einem nicht nur die Medikamente, sondern auch noch ein paar nette Worte zukommen lässt, nicht wesentlich zum Heilungsprozess bei? Sicher.

Doch spielt man Mensch und Maschine nicht gegeneinander aus, fragt man nicht nach einem Entweder-oder, sondern danach, wie sich beide sinnvoll ergänzen, können alle nur gewinnen. Der demografische Wandel erfordert es, die Effizienz von Gesundheitssystemen zu steigern. Medizinisches Personal spart dort Kraft und Zeit, wo Roboter einfach besser sind. Diese kann es dann im besten Fall für ein paar aufmunternde Worte nutzen und die Frage, ob es dem Patienten schon besser geht.

Lesen Sie auch:

Weitere Meldungen aus der Medtech-Szene finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

(ID:44868172)