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Hybride Messe Medica als internationale Plattform für Health Start-ups

Redakteur: Julia Engelke

Mit zahlreichen Angeboten bietet auch in diesem Jahr die Medizinmesse Medica Health Start-ups und ihren Entwicklungen eine internationale Plattform. Die Vorbereitungen für die hybride Durchführung der diesjährigen Messe vom 15. bis 18. November laufen.

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Der Medica Start-up Park (in Halle 12) hat sich als zentraler Treffpunkt für junge Unternehmen etabliert.
Der Medica Start-up Park (in Halle 12) hat sich als zentraler Treffpunkt für junge Unternehmen etabliert.
(Bild: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann)

Die Medica Start-up Competition, der Healthcare Innovation World Cup, der Medica Start-up Park und mehr als 100 Start-ups im Pitch beim Medica Connected Healthcare Forum zeigen: Die Medizinmesse Medica in Düsseldorf hat sich auch als internationale Plattform für Start-ups etabliert. Derzeit läuft bereits die „heiße“ Phase der Vorbereitungen für die hybride Durchführung der diesjährigen Medica (Termin: 15. bis 18. November 2021, im Verbund mit der Compamed) mit einer Kombination der Präsenzveranstaltung in den Düsseldorfer Messehallen sowie vielen digitalen Programmangeboten, die parallel über das Branchenportal medica.de mit einem Ticket von überall aus abgerufen werden können. Im Vorjahr erreichte die Medica im pandemiebedingt rein virtuellen Format Entscheider aus 169 Nationen und allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft (insgesamt 45.000 Unique User).

Mit Spannung darf der vielen Ideen und Entwicklungen der kreativen Start-up-Szene bei der Medica schon deshalb erneut entgegengeblickt werden, da die Pandemie Defizite in der Patientenversorgung offengelegt hat und insbesondere der Digitalisierung der Prozesse im Gesundheitswesen einen kräftigen Schub verleiht. Besonders hervorstechende Lösungen werden beispielsweise gekürt im Rahmen des Wettstreits der 10. Medica Start-up Competition (am 16. November/ Messehalle 12 und online) mit den Themen Health-Apps, Diagnostik, künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen und Robotik. Die Konformität mit der „Medical Device Directive“ ist nicht erforderlich.

Gute Argumente gegenüber Investoren

Als sich das Start-up Radiobotics ApS für den Wettbewerb des Jahres 2020 bewarb, da lag ein solches Zertifikat noch nicht vor. Dennoch zählte das junge Unternehmen zu den Siegern – und heute ist ihr „RBknee“ tatsächlich als Medizinprodukt der Klasse I gemäß der Medizinprodukte-Richtlinie 93/42/EWG eingestuft. „Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die dies bereits jetzt erreichten“, schildert Stine Mølgaard Sørensen, Mitgründerin und Chief Operating Officer des Start-ups. Die auf KI basierende Produktlösung von Radiobotics erstellt automatisch Befunde, die für die röntgenologische Diagnose von Osteoarthritis am Knie relevant sind und die in einem Textbericht inklusive Schlussfolgerungen wiedergegeben werden – eine wertvolle Unterstützung für die Diagnostik durch behandelnde Ärzte. Sørensen berichtet von guten Erfahrungen, die das Unternehmen mit der Teilnahme der Medica Start-up Competition 2020 sammelte: „Es ist eine sehr gute Gelegenheit, um für sich und seine Sache weltweit zu werben.“ Jedes junge Unternehmen benötige einfach diese Form von Wettbewerben, um seine Qualität unter Beweis zu stellen. Das Abschneiden beim Wettbewerb liefere auch bei weiteren Finanzierungsrunden ein gutes Argument gegenüber Investoren, so Sørensen weiter.

Alle Start-ups, die sich in diesem Jahr an der 10. Medica Start-up Competition mit Innovationen beteiligen wollen, können ihre Bewerbung noch bis zum 22. September 2021 kostenfrei einreichen. Informationen zum Wettbewerb sind online abrufbar unter: https://www.medica.de/mac1.

Healthcare Innovation World Cup für Lösungen des Internet of Medical Things

Start-ups, Scale-ups und KMUs haben zudem die Option, ihre Internet-of-Medical-Things (IoMT)-Lösungen kostenlos beim 13. Healthcare Innovation World Cup einzureichen. Die besten 12 ausgewählten Finalisten werden eingeladen, sich im Rahmen der Medica 2021 am 15. November (ebenfalls in Halle 12 und online) zu präsentieren – von Wearable Technologies über digitale Biomarker und intelligente Pflaster bis hin zu smarten Implantaten. So zählte In-Cont-Alert zu den Siegern des Vorjahres. Das gleichnamige System misst nicht-invasiv den Blasenfüllstand. Wichtig kann dies sein für Patienten, die ihre Harnblase nicht mehr spüren können, zum Beispiel in Folge einer Querschnittslähmung oder bei Multipler Sklerose. Sie können mit der Information zum einen den unkontrollierten Blasenflüssigkeitsverlust verhindern – und zum anderen das Verkrampfen der Blase und dessen gesundheitsschädlichen Folgen für die Nieren verhindern. Vier Vollzeit- und acht Teilzeit-Angestellte sind bei In-Cont-Alert mittlerweile beschäftigt. Zum Zeitpunkt der Medica 2020 wurde die Finanzierung des Unternehmens und seines Teams über den Medical Valley Award realisiert. Kurz nach der Medica begann die neue Finanzierungsrunde unter dann sehr guten Vorzeichen.

„Wir nutzen Accelerator-Programme und Wettbewerbe“, berichtet Dr. Jannik Lockl, Mitgründer von In-Cont-Alert. Die „Macher“ sind sogar bei einem dieser Wettbewerbe das erste Mal aufeinandergetroffen. Die Firmengründer nahmen an der „International Business Plan Competition“ in Hong Kong teil. Dort konnten sich High Potentials mit Ingenieur-Background aus der ganzen Welt bewerben. Spitzen-Mediziner erläuterten dort Herausforderungen, die auf eine Lösung warteten. So entstand die Idee zu In-Cont-Alert.

Gute Organisation und hohe Aufmerksamkeit

Mit seiner Erfahrung aus anderen Wettbewerben kann Lockl nun vergleichend bilanzieren: „Ich war überrascht über die gute Strukturierung und das positive Medienecho beim Healthcare Innovation World Cup. Dies führte dazu, dass potenzielle Partner auf uns aufmerksam wurden.“ Lockl zieht das Fazit: „Wir haben sehr von unserem Auftritt bei der Medica profitiert.“ In-Cont-Alert ist heute auf dem besten Weg zum Marktzugang. Als Medizinprodukt der Klasse 1m müssen jedoch zunächst ökonomische Effekte nachgewiesen sein. Das könnte zum Beispiel die Verringerung des Windelverbrauchs sein oder die gesteigerte Lebensqualität der Patienten. Darüber dürfte eine verringerte Nutzung von Kathetern geeignet sein, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Harnwegsinfekten oder Nierenschäden zu reduzieren. Doch diesen medizinischen Nutzen wissenschaftlich nachzuweisen, wird noch mehrere Jahre dauern. Erst einmal ist der Fokus gerichtet auf den Marktstart des Produkts.

Die Einreichungsphase für den diesjährigen 13th Healthcare Innovation World Cup endet ebenfalls am 22. September 2021. Aus allen Bewerbungen werden dann die 12 Finalisten durch eine renommiert besetzte Jury ausgewählt, die sich im November mit ihren Neuentwicklungen dem internationalen Fachpublikum der Medica präsentieren werden. Alle Infos zum Wettbewerb und den möglichen Gewinnen online: https://www.medica.de/HIWC1.

Weitere Medica-Highlights rund Start-ups

Die Medica Start-up Competition und der Healthcare Innovation World Cup sind feste Programmelemente des Medica Connected Healthcare Forum (Programmbühne in Halle 12), das aber auch darüber hinaus noch viele Highlights auf seiner Agenda zu Start-ups zu bieten hat. An allen Tagen der Medica 2021 werden Themen wie KI und Daten-Analyse, digitale Prävention, Therapie chronischer Erkrankungen sowie Diagnostik und Gesundheits-Monitoring durch mehr als 100 beteiligte Speaker und Start-ups aufgegriffen. Unter dem Oberbegriff „Fem-Tech“ werden beispielsweise neueste Entwicklungen im Bereich der Gesundheit von Frau und Baby behandelt. „Well-Tech“ lautet das Schlagwort für Forum-Beiträge hinsichtlich eines gesünderen Lebenswandels und „Brain-Tech“ zielt mit Ideen und Lösungen auf kognitive und mentale Gesundheit ab. Neuentwicklungen für den praktischen Alltag in Kliniken und Pflegezentren runden das Informationsangebot ab.

Networking wird aber auch beim Medica Start-up Park (in Halle 12) großgeschrieben, der sich als zentraler Treffpunkt für junge Unternehmen etabliert hat. Hier präsentieren sie sich mit ihren Innovationen und kommen zusammen mit internationalen Top-Akteuren der Gesundheitsbranche und vor allem auch mit Investoren von Healthcare Accelerator-Programmen, Asset Managern im Auftrag großer Privatvermögen oder bekannter Venture Capital Fonds.

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