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Medical Mountains „MDR gleicht einem leeren Schwimmbecken, in das wir nächstes Jahr springen sollen“

| Redakteur: Julia Engelke

Politik und Unternehmen im Dialog: Landesminister Guido Wolf und Staatssekretärin Katrin Schütz vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau diskutierten bei der Medical Mountains GmbH mit Geschäftsführern, Vorständen und Bereichsleitern aus Medizintechnik-Unternehmen den Ist- und Soll-Zustand der Branche. Neben Fragen zur Corona-Krise und der Digitalisierung stand einmal mehr die EU-MDR im Fokus.

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Bevor es in die große Dialogrunde ging, verschafften sich die Gäste aus Stuttgart ein Bild vor Ort bei der KLS Martin Group (v. l.): Thomas Albiez (Hauptgeschäftsführer IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg), Julia Steckeler (Geschäftsführerin Medical Mountains GmbH), Katrin Schütz (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg), Guido Wolf (Minister der Justiz und für Europa Baden-Württemberg), Christian Leibinger (Geschäftsführender Gesellschafter KLS Martin Group), Yvonne Glienke (Geschäftsführerin Medical Mountains GmbH) und Michael Martin (Geschäftsführer KLS Martin Group).
Bevor es in die große Dialogrunde ging, verschafften sich die Gäste aus Stuttgart ein Bild vor Ort bei der KLS Martin Group (v. l.): Thomas Albiez (Hauptgeschäftsführer IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg), Julia Steckeler (Geschäftsführerin Medical Mountains GmbH), Katrin Schütz (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg), Guido Wolf (Minister der Justiz und für Europa Baden-Württemberg), Christian Leibinger (Geschäftsführender Gesellschafter KLS Martin Group), Yvonne Glienke (Geschäftsführerin Medical Mountains GmbH) und Michael Martin (Geschäftsführer KLS Martin Group).
(Bild: Medical Mountains)
  • Austausch mit Landespolitikern in Tuttlingen
  • EU-MDR: Stufenplan statt neuerlichem Aufschub?
  • Innovationsdrang vorhanden – aber auch viele Bremsklötze

Die EU-MDR gleiche in vielen Bereichen noch immer einem „leeren Schwimmbecken, in das wir nächstes Jahr springen sollen“, lautete eine Aussage aus dem Unternehmerkreis. Zwar habe die Politik bewiesen, „dass sie versteht, um was es geht“, sagte Guido Wolf, Minister des Landes Baden-Württemberg der Justiz und für Europa, zur Verschiebung des MDR-Geltungsbeginns, aber zum jetzigen Zeitpunkt sei nur ein Teilerfolg erzielt. Er hatte gemeinsam mit Katrin Schütz die Initiative ergriffen und sich an die Medical Mountains GmbH gewandt, um die Lage und Perspektiven zu erörtern. Zunächst vor Ort bei der KLS Martin Group, dann in großer Runde im Tuttlinger Innovations- und Forschungs-Centrum – ein praktizierter Schulterschluss der Medizintechnik-Unternehmen, die ihre Anliegen gemeinsam voranbringen wollten.

„Wir brauchen ein funktionierendes System bis Mai 2021. Steht die Infrastruktur bis dahin nicht ausreichend zur Verfügung, bedarf es europäischer Alternativen“, machten die Medical Mountains-Geschäftsführerinnen Yvonne Glienke und Julia Steckeler in Sachen EU-MDR eingangs deutlich. Nach wie vor macht der Mangel an Benannten Stellen zu schaffen. Und wer Akten einreichen kann, hat mit monatelangen Wartezeiten zu rechnen – die neu gewonnene Zeit wird schon wieder knapp. Anstelle einer neuerlichen Verschiebung des MDR-Geltungsbeginns wurde die Möglichkeit eines europaweiten „Stufenmodells“ ins Spiel gebracht: Die Anforderungen der EU-MDR sollten schrittweise umgesetzt werden dürfen; je nachdem, wie die externen Kapazitäten in Form von Prüforganisationen, Guidances oder Expertengremien zur Verfügung stehen. Dies befähige Unternehmen auch, parallel dazu die erforderlichen Kompetenzen und Prozesse zu etablieren. „Der Mittelstand und das lokale Netzwerk dürfen nicht zusammenbrechen“, war allen Beteiligten klar, dass auch kleine und kleinste Medizintechnik-Betriebe eine realistische Chance haben müssten, über die Hürde EU-MDR zu kommen. Unabhängig von der Unternehmensgröße: Europa wird als Markt zunehmend unattraktiv. Aufgrund vergleichsweise unkomplizierter Zulassungs- und Vergütungsverfahren kämen neue, innovative Medizinprodukte eher in den USA in die Kliniken – und stünden im schlimmsten Fall den Patienten in Europa gar nicht zur Verfügung.

Corona trübt Erwartungen

Angesichts der globalen Corona-Pandemie haben sich die Erwartungen der exportorientierten Medizintechnik-Branche weiter eingetrübt. Gleichzeitig hat die Krise der Digitalisierung in den Unternehmen einen – wenn auch nicht ganz freiwilligen – Push gegeben. Viele der neu geschaffenen Strukturen bleiben erhalten; ein Zurück in die „alte Welt“ werde es nicht geben, so der Tenor. Katrin Schütz verwies darauf, dass die Landesregierung den Breitband-Ausbau erheblich vorantreibe: „Der Standort Tuttlingen nimmt eine tragende Rolle im Bereich der Medizintechnik ein und garantiert Baden-Württemberg bei der Gesundheitsindustrie weltweite Strahlkraft“, so die Staatssekretärin. „In unserem Forum Gesundheitsstandort BW sind wir stets in engem Austausch mit allen Akteuren. Wir gehen auch die Zukunftsthemen Big Data, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und regulatorische Anforderungen konstruktiv an und entwickeln sie weiter.“

Nach dem intensiven Dialog bei der Medical Mountains GmbH bilanzierte Julia Steckeler: „Die Unternehmen brennen dafür, neue Projekte umzusetzen, innovativ zu arbeiten und innovativ zu entwickeln.“ Der Blick gehe nach vorn. Mehr Zusammenarbeit und Kommunikation sei nun ebenso gefragt wie der Abbau regulatorischer Hemmnisse an verschiedensten Stellen. Das betreffe auch den Zugang zu Kliniken und wichtigen medizinischen Daten. In den Kliniken dürfe zudem nicht weiter abgebaut und gespart werden, war Guido Wolf und Katrin Schütz mit auf den Weg gegeben worden. „Innovation und Fortschritt in der Gesundheitsversorgung entsteht nur im funktionierenden Ganzen: durch gute Ideen, gute Unternehmen, gute Rahmenbedingungen, gut aufgestellte Kliniken, gebündelt mit einem guten Netzwerk“, so Julia Steckeler.

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