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Marktcheck additive Fertigung– Jobs, Unternehmen, Zukunft

| Redakteur: Peter Reinhardt

Die Experten-Plattform „Mission Additive“ gibt in einem aktuellen Marktcheck eine Übersicht über die additive Fertigung in Deutschland: Welche Jobs und Unternehmen gibt es? Wie sind die Zukunftsaussichten? Devicemed hat diesen Marktcheck ergänzt: Was ist in Sachen Additive Manufacturing heute schon Realität in der Medizintechnik?

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3D-Druck hebt ab und erobert in vielen Branchen erhebliche Martkanteile – auch in der Medizintechnik.
3D-Druck hebt ab und erobert in vielen Branchen erhebliche Martkanteile – auch in der Medizintechnik.
(Bild: gemeinfrei / CC0)
  • Fünf Schwergewichte der additiven Fertigung: von Eos bis Trumpf
  • Prognose: Medizintechnik 2030 auf Platz 2
  • Unternehmen setzen auf In-house-3D

Der Markt für Additive Fertigung wächst rasant und wird immer vielfältiger. Wir geben Ihnen einen Überblick der wichtigsten Unternehmen und deren Tätigkeitsbereiche. Außerdem beleuchten wir Marktvolumen und Zukunftsprognosen. Speziell für den deutschen Raum haben wir zusammengestellt, welche Arbeitnehmerprofile gefragt sind.

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Welche Unternehmen sind auf dem deutschen Markt tätig?

Wir haben für Sie einige wichtige deutsche Hersteller, Anwender und Dienstleister der Additiven Fertigung unter die Lupe genommen.

Fünf Schwergewichte der additiven Fertigung

Eos GmbH: Eos ist der Platzhirsch auf dem deutschen Markt. Bereits seit 1989 sind die Krailinger aktiv. Damals wurde das Unternehmen mit dem Auftrag gegründet, eine Stereolithografieanlage für BMW zu entwickeln. Mittlerweile ist Eos weltweit der zweitgrößte Hersteller für industrielle 3D-Drucker, nur das US-Unternehmen Stratasys ist noch größer. Für das Geschäftsjahr 2017 wies Eos einen Umsatz von 345 Mio. Euro aus. Kerngeschäft des Unternehmens sind Drucker mit Lasersintertechnologien. Bereits 1989 gegründet, ist Eos Pionier des Direkten Metall Laser Sinterns (DMLS), längst aber auch Anbieter von Systemen zur additiven Fertigung mit Kunststoffen.

Trumpf: Der schwäbische Werkzeugmaschinenbauer beschäftigt weltweit mehr als 13.400 Mitarbeiter und vermeldete für 2018 einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro (nur ein Teil entfällt auf AM). Seit rund 20 Jahren ist das Familienunternehmen auch in der Additiven Fertigung tätig. Trumpf fertigt industrielle Anlagen im Bereich der Laser Metal Fusion (pulverbettbasiertes Laserschmelzen) und der Laser Metal Deposition (generatives Laserauftragschweißen).

GE Additive (Concept Laser): Das amerikanische Industrie-Urgestein ist weltweit in etlichen Technologiesparten vertreten. Mit dem Zukauf der deutschen Concept Laser GmbH im Jahr 2016 machte GE im Bereich der additiven Fertigung Ernst. Auf dem Markt für Metall-3D-Drucker ist GE Additive mittlerweile weltweit führend. Im Herbst 2019 wurde ein 40.000 m2 großes Fertigungswerk im oberfränkischen Lichtenfels eröffnet.

Siemens: Bis jetzt stellen die Münchner zwar keine Drucker her, aber sie sind trotzdem Pioniere des 3D-Drucks – in den Bereichen Anwendung, Software und industrieller Fertigung. Siemens hat es sich zur Aufgabe gemacht digitale End-to-end-Lösungen für die effiziente Additive Fertigung anzubieten. Dazu zählen verschiedene integrierte und vernetzte Softwareanwendungen, die alle Bereiche eines additiven Fertigungsprozesses abdecken sowie weitere Dienstleistungen. Siemens druckt für sich und andere Unternehmen aus verschiedensten Branchen (Automobil, Energie, Luftfahrt,…) Endbauteile. Insgesamt sind wohl wenige andere Unternehmen so gut in der additiven Branche vernetzt wie Siemens.

Toolcraft: Das mittelfränkische Unternehmen ist einer der führenden 3D-Druckdienstleister für industrielle Anwendungen. Toolcraft hat sich auf die Umsetzung von kundenspezifischen Lösungen im Bereich des 3D-Metall-Drucks spezialisiert. Unter anderen liefert Toolcraft Triebwerksbestandteile für Airbus-Flugzeuge. Weitere Kernabnehmer sind die Automobilindustrie und die Medizintechnik. Aktuell beschäftigt das 1989 gegründete Unternehmen etwa 400 Mitarbeiter.

Der Markt für additive Fertigung

Wir haben für Sie zusammengefasst, welche Themen aktuell wichtig sind und wie sich der Markt wahrscheinlich entwickeln wird:

Seit einiger Zeit dominieren Hersteller von industriellen Anlagen den Gesamtmarkt für 3D-Drucker. Laut einem Report des englischen Marktforschungsunternehmens Context sind Industrie-Drucker im Jahr 2019 für 79 Prozent der Gesamtumsätze mit 3D-Druckern verantwortlich. Betrachtet man die sinkenden Absatzzahlen von Hobbygeräten, werden die Profis ihre Marktdominanz in den nächsten Jahren vermutlich weiter ausbauen. Bei den professionellen Anlagen, mit einem Anschaffungswert von über 20.000 Dollar, schaffen es die fünf größten Anbieter, 59 Prozent des Umsatzes auf sich zu vereinen.

In welchen Branchen wird AM angewandt?

Sowohl in der Spitzentechnologiebranche Luftfahrt als auch im Konsumgüterbreich ist AM besonders stark vertreten.
Sowohl in der Spitzentechnologiebranche Luftfahrt als auch im Konsumgüterbreich ist AM besonders stark vertreten.
(Bild: VCG)

Interessant ist, dass Additive Fertigung sowohl in Hochtechnologiebranchen (Luftfahrt, Chemie, Elektrotechnik) als auch bei Konsumgütern verstärkt eingesetzt wird. In der Luftfahrt setzen beispielsweise 78 Prozent aller Unternehmen auf 3D-Druck. Im Bereich der Konsumgüter sind es etwa 76 Prozent. Jedoch unterscheiden sich die Branchen in der Art der Anwendung: Die Luftfahrt profitiert im größeren Sinne von der möglichen Bauteiloptimierung der Fertigbauteile. Bei Massenproduktionen (Konsumgüter, Automobilindustrie) werden additive Technologien hingegen hauptsächlich für Formen-, Werkzeug- und Prototypenbau eingesetzt. Insgesamt erwarten 49 Prozent aller deutschen Unternehmen bis 2022 Endprodukte mit 3D-Druck zu produzieren (Quelle: EY´s Global 3D Printing Report 2019).

Additive Fertigung in der Medizintechnik

Noch weiter in die Zukunft zu blicken, traut sich Statista. Auf dem Statistikportal findet sich die Prognose der internationale Strategieberatung Strategy&, nach der additive gefertigte Medizinprodukte bis zum Jahr 2030 weltweit ein Marktvolumen von 5,59 Mrd. Euro erreichen werden. Damit wäre die Medizintechnik nach der Luft- und Raumfahrt (9,59 Mrd. Euro) zweitgrößter Bereich und jeweils etwa doppelt so stark wie die allgemeine Industrie (2,98 Mrd. Euro) und die Automobilbranche (2,69 Mrd. Euro).

Globales Marktvolumen von 3D-Druck-Verfahren in ausgewählten Branchen im Jahr 2015 und für 2030. Dann wird die Medizintechnik laut einer Prognose von Statista mit 5,59 Mrd. Euro auf Platz 2 rangieren.
Globales Marktvolumen von 3D-Druck-Verfahren in ausgewählten Branchen im Jahr 2015 und für 2030. Dann wird die Medizintechnik laut einer Prognose von Statista mit 5,59 Mrd. Euro auf Platz 2 rangieren.
(Bild: Statista)

Tipps für die additive Fertigung von Medizinprodukten hat Anfang Oktober Lea Eilert, Projektmanagerin am ACAM Aachen Center for Additive Manufacturing den Teilnehmern des Seminars Discover 3D Printing Medical an der Universitätsmedizin Mainz gegeben. Sie bescheinigt der additiven Fertigung ein großes Potenzial für Einsätze in der Medizin bzw. Medizintechnik. Aktuell würden neben Dentaltechnik vor allem chirurgische Instrumente, Knochen- und Gelenkimplantate sowie Schnittschablonen und Anschauungsmodelle zur OP-Planung und 3D-gedruckt. Bis es tatsächlich menschliche Ersatzteile auf Knopfdruck gäbe, wie es in den Medien zum Teil versprochen wird, sei es noch ein weiter Weg. Fürs Erste erwartet Eilert vor allem deutlich sinkende Verfahrenskosten, was unter anderem stark mit neuen Herstellungsverfahren für Pulver zusammenhängt, ebenfalls sinkende Maschinenkosten sowie schneller werdende Prozesse.

Anwender setzen auf In-house-Produktion

Die befragten Unternehmen setzen schon 2019 verstärkt auf In-house-3D, in Zukunft wird sich dieser Trend wohl noch verstärken.
Die befragten Unternehmen setzen schon 2019 verstärkt auf In-house-3D, in Zukunft wird sich dieser Trend wohl noch verstärken.
(Bild: VCG)

Beinahe alle Anwender stehen vor der Frage, ob In-house oder Outsourcing bei der Additiven Fertigung sinnvoll ist. Laut dem Global 3D Printing Report von EY, setzen die Unternehmen derzeit in erster Linie auf interne Lösungen: 40 Prozent der Befragten haben eigenen Maschinen im Haus und nur 26 Prozent wenden sich an externe Anbieter. Dies bedeutet auch, dass sich die meisten Anwender dazu entschlossen haben, additives Know-how im Unternehmen aufzubauen und Stellen zu schaffen. In Zukunft wird sich dieses Bild vorraussichtlich noch verstärken, da bis 2022 sogar 56 Prozent der Anwender selbst additive fertigen möchten.

Wem gehört die Zukunft? Metall vs. Kunststoff

Die Verwendung von Polymer in der additiven Fertigung ist auch 2019 noch verbreiteter als Metall-3D-Druck.
Die Verwendung von Polymer in der additiven Fertigung ist auch 2019 noch verbreiteter als Metall-3D-Druck.
(Bild: VCG)

Auf welches Pferd sollten Sie setzen, wenn Sie als Konstrukteur oder Ingenieur in die additive Industrie einsteigen möchten? Metalldruck? Oder doch Polymerdruck? So leicht ist die Frage leider nicht zu Beantworten. Fest steht allerdings, dass im Jahr 2019 72 Prozent der Anwender Polymerdruck einsetzen, dagegen nutzen „nur“ 49 Prozent metallbasierte Verfahren. Aber Vorsicht: Schon jetzt wünschen sich 65 Prozent aller befragten Unternehmen Metall als wichtigstes Arbeitsmaterial für den 3D-Druck.

Welches Material – und damit welches Verfahren – letztlich das am besten geeignete ist, darauf kann auch ACAM-Spezialistin Eilert keine universelle Antwort geben. Sie empfiehlt vielmehr, bei der Auswahl ausgehend vom Teil Fragen nach Material, Kosten und Zeit zu beantworten. „Die optimale Auswahl erfolgt anwendungsspezifisch. Charakteristika des Verfahrens müssen zur Anwendung passen.“ Für Anwender bedeute das, Punkt für Punkt von der Bauteilgröße und Winkelabhängigkeit über die Oberflächenqualität bis zum Aufwand für das Post Processing einen individuellen Anforderungskatalog zu definieren.

Welche Jobprofile sind für die additive Fertigung gefragt?

In Deutschland werden aktuell so viele Ingenieure ausgebildet wie nie zuvor. Passend dazu sucht die Branche der additiven Fertigung gerade in den Bereichen Ingenieurswesen sowie Forschung und Entwicklung nach Fachpersonal. Aber auch im Bereichen Sales und Marketing (24 Prozent) suchen die Unternehmen nach Mitarbeitern. Klassische Fertigungsberufe, wie Schlosser oder Werkzeugbauer, sind in der additiv fertigenden Industrie allerdings nicht mehr gefragt. Dafür finden sich neue Aufgabenfelder in der Softwareentwicklung (9 Prozent). Eine ausführliche Grafik finden Sie in der Bildergalerie oben.

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Dieser Artikel ist erschienen auf unserem Schwesterportal Mission Additive.

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