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Knapp verfehlt: Deutsche Medizintechnik-Industrie bleibt unter Marke von 30 Mrd Euro Umsatz

Die deutsche Medizintechnik-Industrie zieht für das vergangene Jahr eine positive Bilanz, bleibt aber hinter den Erwartungen des Industrieverbandes Spectaris zurück.

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Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer: „Der Hightech-Charakter der meisten Anwendungen verschafft unseren Herstellern Wettbewerbsvorteile, die erfreulicherweise in ein Bekenntnis zu noch mehr Beschäftigung in Deutschland münden.“
Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer: „Der Hightech-Charakter der meisten Anwendungen verschafft unseren Herstellern Wettbewerbsvorteile, die erfreulicherweise in ein Bekenntnis zu noch mehr Beschäftigung in Deutschland münden.“
(Bild: Spectaris)
  • Branchenumsatz von 29,9 Mrd. Euro bleibt hinter Erwartungen zurück
  • Protektionismus und neue Medizinprodukteverordnung dämpfen Geschäfte
  • Digitalisierung verspricht neues Wachstum

2017 erzielten die deutschen Medizintechnik-Unternehmen einen Umsatz von 29,9 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (29,2 Mrd. Euro). Noch auf der Compamed-Pressekonferenz im vergangenen November ist Spectaris davon ausgegangen, dass die Branche erstmals die Marke von 30 Mrd. Euro Umsatz knacken könne. Immerhin: Auch bei der Zahl der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten (1.310 / +4,1 Prozent) und der Anzahl der Mitarbeiter (137.857 / +3,9 Prozent) zeigen die jetzt vorliegenden Daten des Jahresberichts des Statistischen Bundesamtes einen Anstieg. Für das laufende Jahr 2018 rechnet Spectaris mit einem Zuwachs von vier Prozent.

Weltweiter Umsatz der deutschen Industrie für Medizintechnik in den Jahren 2003 bis 2017 (in Mrd. Euro). Mit 2,4 Prozent fällt das Wachstum 2017 deutlich kleiner aus als in den beiden Jahren zuvor (2015: 8,7 Prozent, 2016: 5,8 Prozent).
Weltweiter Umsatz der deutschen Industrie für Medizintechnik in den Jahren 2003 bis 2017 (in Mrd. Euro). Mit 2,4 Prozent fällt das Wachstum 2017 deutlich kleiner aus als in den beiden Jahren zuvor (2015: 8,7 Prozent, 2016: 5,8 Prozent).
(Bild: Devicemed (Quelle: Statistisches Bundesamt / Statista))

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Protektionistische Maßnahmen zeigen Wirkung

„Medizintechnik bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft, auch wenn die Entwicklung nicht alle Erwartungen erfüllt hat“, stellt Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer klar. „Der Hightech-Charakter der meisten Anwendungen verschafft unseren Herstellern Wettbewerbsvorteile, die erfreulicherweise in ein Bekenntnis zu noch mehr Beschäftigung in Deutschland münden“, ergänzt Mayer.

Auffällig sei jedoch eine Abschwächung der Ausfuhren in die USA, nach China, Frankreich, Italien und nach Großbritannien. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. In einer Pressemitteilung von Spectaris heißt es dazu:

  • China macht es deutschen Unternehmen mit neuen Zulassungs- und Registrierungsanforderungen sowie Absatzregulierungen schwer.
  • In den USA haben Gerüchte über die Abschaffung von Obamacare und der Ansatz „America First“ von US-Präsident Trump zu einer Verunsicherung geführt, die zur vergleichsweise schwachen Nachfrageentwicklung beigetragen hat.
  • Der Brexit wirft beim Geschäft mit dem Vereinigten Königreich seinen Schatten voraus.

„Man kann an den Zahlen erkennen, wie protektionistische Maßnahmen und ihre Ankündigung schon Wirkung entfalten. Wir benötigen mehr denn je starke Fürsprecher für den Welthandel. Wir erwarten, dass sich die deutsche Regierung hier auch weiterhin klar und deutlich äußern wird und als starker Verhandlungspartner auftritt“, betont Mayer.

MDR bremst die Dynamik

„Mit Blick auf die kommenden Jahre erwarten wir, dass das Umsatzwachstum auf dem europäischen Markt durch die neue Medizinprodukteverordnung an Dynamik verlieren wird“, prognostiziert der Vorsitzende des Spectaris-Fachverbandes Medizintechnik, Dr. Martin Leonhard. Zum Hintergrund: Vor einem Jahr trat die neue Medical Device Regulation (MDR) in Kraft, doch noch immer sind viele Fragen zur praktischen Umsetzung offen, die Probleme der Unternehmen angesichts der steigenden Bürokratie nicht gelöst. Die Medizinprodukteindustrie in Deutschland befürchtet unter anderem einen enormen Engpass bei Benannten Stellen wie der Dekra oder dem TÜV Süd. Diese sind zum Bewerten bestimmter Produkte zwingend notwendig, bevor die Hersteller sie in Verkehr bringen können. „Sollte sich die Lage in den nächsten Jahren weiter zuspitzen, werden Hersteller ihre Produkte nicht mehr vermarkten können, wirtschaftliche Einbußen hinnehmen oder unter Umständen sogar ihre Geschäftstätigkeit einstellen müssen. Dies hätte zur Folge, dass Arbeitsplätze verschwinden, Innovationen nicht mehr in den Markt gelangen und Produkte nicht beim Patienten ankommen. Das ist in vielen Punkten das Gegenteil dessen, was die Intention des Gesetzgebers war“, erklärt Leonhard.

Politik muss geeignete Rahmenbedingungen für E-Health schaffen

Ein Gegengewicht zu dieser Entwicklung könne das Potenzial der Digitalisierung für neue Geschäftsmodelle sein. Spectaris erwartet daher von den im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen zur Stärkung von E-Health wieder Wachstumsimpulse. „Die Gesundheitswirtschaft befindet sich in einem rasanten Prozess des Wandels, die Digitalisierung berührt bereits alle Bereiche der Versorgung“, betont Mayer. So zeige sich unter anderem auf der Medica, als Weltleitmesse der Medizinbranche, dass deutsche Hersteller technologisch schon heute mehr liefern könnten, als es die engen Rahmenbedingungen zulassen. Dies werde bei der Neuauflage der Messe im November 2018 nicht anders sein. Die Politik sollte daher schnell die geeigneten Voraussetzungen schaffen.

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