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Med El / Sankt Gertrauden-Krankenhaus Junge ohne Hörorgane erhält Auditorisches Hirnstammimplantat

Redakteur: Kathrin Schäfer

Ein interdisziplinäres Ärzteteam des Sankt Gertrauden-Krankenhauses hat einem 11-jährigen Jungen ohne Hörorgane in Berlin erstmals ein sogenanntes Auditorisches Hirnstammimplantat, kurz ABI (Auditory Brainstem Implant), zur Wiederherstellung seines Hörvermögens eingesetzt. Auditorische Hirnstammimplantate setzen direkt am Hirnstamm an und überbrücken damit das gesamte Innenohr. Bei der Behandlung arbeitete das Ärzteteam eng mit dem Entwickler Med-El zusammen.

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Das auditorische Hirnstammimplantat Med-El Maestro besteht aus zwei Komponenten: einem Audioprozessor, der extern hinter dem Ohr getragen wird, und einem Implantat.
Das auditorische Hirnstammimplantat Med-El Maestro besteht aus zwei Komponenten: einem Audioprozessor, der extern hinter dem Ohr getragen wird, und einem Implantat.
(Bild: Med-El Medical Electronics)

Wie alle Med-El Hörimplantate besteht auch das ABI aus zwei Komponenten: einem Audioprozessor, der extern hinter dem Ohr getragen wird, und einem Implantat. Das Implantat verfügt über eine Silikonmatrix mit 12 Elektrodenkontakten. Die Matrix wird operativ direkt am Hirnstamm platziert und ist die aktive Schnittstelle zwischen Implantat und Nervengewebe. Eine zusätzliche Referenzelektrode erlaubt telemetrische Messungen für verlässliche Funktionssicherheit und -kontrolle. Das Implantat stimuliert den Nucleus Cochlearis direkt am Hirnstamm und erlaubt den Implantat-Nutzern damit, ein Spektrum verschiedener Tonhöhen wahrzunehmen.

Interdisziplinärer Austausch für neue Behandlungsmöglichkeiten

In der Regel werden Kinder ohne Hörvermögen möglichst früh mit einem CI versorgt. Im Fall des 11-jährigen Jungen waren jedoch keinerlei Aufnahmestrukturen vorhanden, die hierfür notwendig sind. Da der Junge ansonsten völlig gesund war, entschieden sich die Ärzte für die Versorgung mit einem ABI. Der Eingriff stellte auch für das Berliner Ärzteteam eine ganz neue Herausforderung dar, da chirurgische Eingriffe direkt am Hirnstamm einige Erfahrung im neurochirurgischen Bereich erfordern. Die Platzierung der Elektrode muss dabei in der OP-Situation an die individuellen anatomischen Gegebenheiten angepasst werden.

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Intensives Rehabilitationstraining ist unerlässlich

Wie bei anderen Hörimplantaten ist auch nach dem Einsetzen eines Hirnstammimplantats und dem anschließenden Heilungsprozess intensives Rehabilitationstraining essentiell, um Klänge interpretieren und Sprache verstehen zu lernen. Auch bei der Versorgung mit einem ABI ist deshalb eine möglichst frühe Behandlung sinnvoll, um Kindern eine optimale auditive und soziale Entwicklung zu ermöglichen.

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