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Medi-Globe Cardioplast „Jenseits der Produktqualität ist Flexibilität gefragt“

Redakteur: Kathrin Schäfer

Für die Kardiologie, Urologie und Gastroenterologie fertigt die Medi-Globe Cardioplast GmbH Kunststoffkomponenten. Als Full-Service-Provider stellt sie ihre Dienstleistungen Medizintechnikanbietern innerhalb und außerhalb der Medi-Globe-Gruppe zur Verfügung . Devicemed hat den neuen Geschäftsführer Dirk Steindorf zu Zielen und Herausforderungen des Unternehmens befragt.

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„Kunden ein guter und zufriedenstellender Partner zu sein bedeutet, auf ihre Auftragslage eingehen zu können und Produkte schnell zu liefern,“ sagt Dirk Steindorf, seit 1. Januar Geschäftsführer der Medi-Globe Cardioplast.
„Kunden ein guter und zufriedenstellender Partner zu sein bedeutet, auf ihre Auftragslage eingehen zu können und Produkte schnell zu liefern,“ sagt Dirk Steindorf, seit 1. Januar Geschäftsführer der Medi-Globe Cardioplast.
(Bild: Medi-Globe)

Herr Steindorf, seit 1. Januar sind Sie neuer Geschäftsführer der Medi-Globe Cardioplast GmbH. Wie lange sind Sie schon in der Medizintechnik tätig?

Als gelernter Diplom-Kaufmann bin ich seit 27 Jahren im Management deutscher und internationaler Medizintechnikunternehmen tätig. Hierbei habe ich sämtliche betrieblichen Funktionen durchlaufen: Produktion, Logistik, Vertrieb, Geschäftsentwicklung, Marketing und Geschäftsführung.

Für die Medi-Globe-Gruppe arbeiten Sie aber nicht erst seit Januar?

Ich bin bereits seit April 2013 Vorstandsvorsitzender der Medi-Globe-Gruppe. Somit habe ich einen Überblick über all unsere Tochtergesellschaften und Produktionsstätten, inklusive unseres Hauptwerks in Tschechien. Mit diesem Wissen stelle ich sicher, dass wir die Synergien und Kooperationsmöglichkeiten innerhalb der Unternehmensgruppe für die Medi-Globe Cardioplast optimal einsetzen. Was bedeutet dies für unsere Kunden? Sie profitieren zum einen davon, dass wir für die Medizintechnikunternehmen unserer eigenen Gruppe fertigen – und dort ein breites Spektrum an Erfahrungen aufbauen konnten. Zum anderen beziehen wir auch Komponenten aus der Gruppe oder können bei Produktionsspitzen auf deren Kapazitäten zurückgreifen – ebenso wie natürlich auf das vorhandene Know-how.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie heute als Auftragsfertiger in der Medizintechnik konfrontiert?

Als OEM-Lieferant müssen wir das Geschäft unserer Kunden verstehen. Denn je besser wir ihre Marktsituation kennen, umso besser können wir auf sie eingehen und in der Entwicklung von Innovationen unterstützen. Jenseits der regulatorischen Anforderungen sowie der Produktqualität ist vor allem Flexibilität gefragt. Kunden ein guter und zufriedenstellender Partner zu sein bedeutet, auf ihre Auftragslage eingehen zu können und die entsprechenden Produkte schnell zu liefern.

In diesem Zusammenhang ist es, wie bereits erwähnt, von Vorteil, dass wir mit der Cardioplast als OEM-Lieferant fertigen, mit anderen Unternehmen der Gruppe jedoch selbst Inverkehrbringer sind. Wir kennen die Marktanforderungen und wissen, wie sich Produkte erfolgreich positionieren lassen. Wir wissen, welche Preise, aber eben auch welche Qualität und welche Dokumentation es braucht. In unserem Selbstverständnis unterscheiden wir uns deshalb von OEM-Partnern, die sich als reine Produktionsstätten sehen.

Wo liegen die besonderen Kompetenzen der Medi-Globe Cardioplast?

Unsere Kompetenz liegt im medizinischen Mikrospritzguss. Wir fertigen und montieren u.a. Miniaturprodukte im Reinraum. Anders als die meisten Spritzgussunternehmen erfüllen wir die ISO-Norm 13485:2003. Dass Produkte wie beispielsweise implantierbare Herzkatheter frei von Bakterien und Partikeln sind, stellen wir durch eine Reinraumproduktion auf insgesamt 280 m2 sicher.

Was waren für die Cardioplast GmbH die Meilensteine der letzten Jahre?

Wir haben 2010 mit unseren neuen Räumlichkeiten im thüringischen Neuhaus-Schieschnitz in die Infrastruktur des Unternehmens investiert. Hierzu gehört der Ausbau unseres Maschinenparks mit inzwischen 13 Spezialmaschinen, die an den Reinraum angeschlossen sind. Gleichzeitig haben wir Prozesse im Qualitätsmanagement verbessert und Kosten gesenkt. Die Gedanken von CAD/CAM, Canban und Lean Management wurden umgesetzt.

Was unser Produktportfolio angeht, so haben wir unsere Fertigungskompetenz systematisch ausgebaut, beispielsweise auf Produkte für das Wundmanagement, was ein hohes Maß an Qualität und Hygiene erfordert.

Wo sehen Sie zukünftig Trends?

Mehr und mehr europäische Unternehmen streben in die Emerging Markets. Beispielsweise nach China oder Brasilien. Dort herrschen spezielle Zulassungsvoraussetzungen. Auch müssen wir die Produkte an die klimatischen Bedingungen der jeweiligen Länder anpassen. Handelt es sich um Länder, in denen sich das Gesundheitssystem im Aufbau befindet, müssen die Produkte für das teils wenig geschulte medizinische Personal leicht zu handhaben und besonders robust sein.

Jenseits davon sehen wir in der Medizintechnik einen klaren Trend in Richtung Einmalprodukte. Metallkomponenten werden zunehmend durch Kunststoffkomponenten ersetzt. Last but not least: Ein Trend zur Miniaturisierung mit Produkten, die für Diagnostik oder Therapie in kleinste Körpergefäße eindringen können, ohne Verletzungen hervorzurufen.

Welche strategischen Ziele verfolgen Sie in der nächsten Zeit mit der Medi-Globe Cardioplast?

Zum einen wollen wir die Leistungen der Cardioplast für die eigene Gruppe, also Medi-Globe, weiter ausbauen. Davon, so denke ich, profitieren langfristig auch unsere Kunden von außen. Denn je mehr wir inhouse fertigen, desto mehr Know-how können wir auch nach außen hin anbieten. Im gleichen Zug wollen wir weitere Kunden in der Medizintechnik gewinnen. Unser Know-how in der Frästechnik und der Bearbeitung von Metallteilen möchten wir bekannter machen. Neben dem medizinischen Mikrospritzguss wollen wir die Extrusionstechnik ausbauen.

Das Interview führte Kathrin Schäfer.

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