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Kongress Innovationskraft durch einheitlichen Datenraum erhalten

Redakteur: Kristin Breunig

Für einen einheitlichen europäischen Datenraum hat die Vorstandsvorsitzende der B. Braun SE, Anna Maria Braun, auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin geworben. Auch das Thema Medical Device Regulation stand wieder auf dem Plan.

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Anna Maria Braun, Vorstandsvorsitzende der B. Braun SE: „Wir müssen viel mehr auf effiziente digitale Technologien setzen. Ein europäischer Datenraum erfordert auch ein gewisses Maß an Standardisierung, um Daten klug nutzen zu können und echten Nutzen für Anwender und Patienten zu schaffen.“
Anna Maria Braun, Vorstandsvorsitzende der B. Braun SE: „Wir müssen viel mehr auf effiziente digitale Technologien setzen. Ein europäischer Datenraum erfordert auch ein gewisses Maß an Standardisierung, um Daten klug nutzen zu können und echten Nutzen für Anwender und Patienten zu schaffen.“
(Bild: BV-Med/Manfred Beeres)

Der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin stand in diesem Jahr ganz unter dem Thema Innovation. In der DKOU-Session „Innovation versus Regulation in Orthopädie und Unfallchirurgie – Verliert Deutschland seine internationale Spitzenposition?“, die vom Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med) organisiert wurde, sprach sich auch Anna Maria Braun, Vorstandsvorsitzende der B. Braun SE klar für einen einheitlichen Datenraum in Deutschland und Europa aus. „Wir müssen die Daten für die Medizin besser nutzbar machen, sonst werden uns Amerika und China abhängen“, sagte die B. Braun-Vorsitzende. Sie betonte dabei die große Bedeutung eines intensiven Austauschs der Unternehmen mit den Ärzten. „Lösungen können nur gemeinsam entwickelt werden. Dazu gehört eine Offenheit für digitale Technologien.“ Sie plädierte für „mehr Mut zur Transparenz, die digitale Technologien mit sich bringt“. Deutschland stehe insgesamt vor tiefgreifenden gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen.

Die Medtech-Branche sei aufgrund der Spezialisierungsfähigkeit und der KMU-Struktur ein Innovationstreiber. „Können wir diese Innovationen auch umsetzen? Bislang ist es uns gut gelungen, die Ideen auch in die Praxis der Versorgung von Patienten umzusetzen. Diese Spitzenposition ist aber in Gefahr“, warnte Braun. Um den demografischen Wandel und den Mangel an medizinischem Personal zu bewältigen, müsse daher viel mehr als bisher auf digitale Technologien gesetzt werden. „Bei neuen Technologien muss immer der Mehrwert für Patienten im Mittelpunkt stehen. Der Mehrwert kann aber auch in der Verbesserung der Prozesse beispielsweise in den Kliniken liegen“, erklärte Braun weiter. Sorge bereitet ihr die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR), die aktuelle dazu führe, dass 60 Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in die Dokumentation gehen.

Die MDR und ihre Hürden

BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll verwies darauf, dass die MDR und ihre bürokratischen Hürden es den Unternehmen zunehmend erschwere, Innovationen in Deutschland auf den Markt zu bringen. Er warb für schnelle Lösungen, insbesondere für bewährte Altprodukte sowie Nischenprodukte mit geringen Stückzahlen. Unterstützung fand er bei Prof. Dr. Dieter C. Wirtz, Präsident der DGOOC und der DGOU: „Bestandsprodukte, die seit Jahren auf den Markt sind und sich bewährt haben, müssen trotzdem neu zertifiziert werden. Es wird aber niemand Interesse an klinischen Studien für Bestandsprodukte haben. Und wenn Nischenprodukte aufgrund der Überregulierung vom Markt verschwinden, dann leidet die Versorgung der Patienten. Wir brauchen hier Lösungen und die Unterstützung der Politik.“

Als Vertreter der Wissenschaft plädierte Prof. Dr.-Ing. Georg Duda von der Charité für einen stärkeren Qualitätsfokus. Die Regulatorik müsse stärker als Partner für Forschung und Entwicklung verstanden und wissenschaftlich begleitet werden.

Kluge Investitionen führen zu einer besseren Gesundheitsversorgung

Prof. Dr. Dennis Ostwald vom WifOR-Institut zeigte in der DKOU-Session auf, dass Investitionen in Gesundheit keine Kostentreiber seien, „sondern Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung ermöglichen“. Kluge Investitionen in die Gesundheitswirtschaft führten zudem zu einer besseren Gesundheitsversorgung. Die industrielle Gesundheitswirtschaft sei dabei genauso bedeutend wie der Fahrzeugbau. „Die Medizintechnik hat großes Potenzial. Sie hat uns auch dabei geholfen, die Corona-Krise zu meistern. Deutschland braucht eine Medtech-Innovationskultur, um die Chancen zu nutzen. Wir müssen in Wertschöpfungsketten und Behandlungspfaden denken, damit die Innovationen den Menschen helfen und sie länger gesünder leben können“, so Ostwald.

Der ehemalige Gesundheitsminister und Allianz-Vorstand Daniel Bahr betonte die Bedeutung eines guten Wettbewerbs der Versicherungssysteme für die Qualität des Versorgungssystems in Deutschland. Die Bevölkerung sei insgesamt mit den Leistungen des Gesundheitssystems zufrieden. Durch innovative Medizintechnologien könnte der Grundsatz „ambulant vor stationär“ besser ausgestaltet werden. Er betonte, dass Innovationsfreudigkeit und Finanzierbarkeit in einem guten Ausgleich stehen müssten.

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