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Sensortechnologie Lichtbasierter Biosensor erkennt Hirnverletzungsmarker – empfindlicher als nötig?

Quelle: Pressemitteilung Optica 2 min Lesedauer

Forschende aus China haben einen Chip-basierten Biosensor entwickelt, der relevante Biomarker für Schädel-Hirn-Trauma im Femtogramm-Bereich nachweisen können soll - weit unterhalb jener Markte etablierter Verfahren. Das klingt zunächst bemerkenswert. Doch bleibt die Frage: Was bringt es? Ist diese Empfindlichkeit klinisch wirklich nötig? 

Ein neuer Chip-basierter Metaoberflächen-Biosensor kann Biomarker für traumatische Hirnverletzungen (TBI) bei extrem niedrigen Konzentrationen nachweisen. (Bild:  KI-generiert / Guangyuan Li, Beijing Institute of Technology)
Ein neuer Chip-basierter Metaoberflächen-Biosensor kann Biomarker für traumatische Hirnverletzungen (TBI) bei extrem niedrigen Konzentrationen nachweisen.
(Bild: KI-generiert / Guangyuan Li, Beijing Institute of Technology)

Ein Forschungsteam des Beijing Institute of Technology (Zhuhai, China) und des Shenzhen Institute of Technology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) hat einen chipbasierten Metaoberflächen-Biosensor entwickelt, der die Schädel-Hirn-Trauma-Biomarker GFAP und S100β im Sub-Femtogramm-Bereich (unter 1 fg/mL) nachweisen soll. Das Team um Projektleiter Guangyuan Li und Co-Leiterin Yunhui Liu berichtet darüber in der Fachzeitschrift „Optical Materials Express". Die Sensorfläche besteht aus einer strukturierten Goldoberfläche mit hohem Gütefaktor: Binden Zielmoleküle an gekoppelte Antikörper, verschiebt sich eine schmale Vertiefung im Reflexionsspektrum messbar – je schmaler die Vertiefung, desto kleinere Verschiebungen lassen sich erkennen.

Fragwürdige Empfindlichkeit

Offen bleibt allerdings, wozu diese Empfindlichkeit klinisch nötig wäre. Die TRACK-TBI-Studie mit 1.359 Schädel-Hirn-Trauma-Patientinnen und -Patienten ermittelte für GFAP einen Medianwert von 13 pg/mL bei orthopädischen Kontrollpersonen und von 1.358 pg/mL bei Patientinnen und Patienten mit auffälligem CT-Befund (Okonkwo et al., Journal of Neurotrauma, 2020). Für S100β lagen die Mediane je nach CT-Befund zwischen 0,10 und 0,17 µg/L (entspricht 100 bis 170 ng/mL). Selbst der niedrigste dieser Werte liegt damit um mehrere Zehnerpotenzen über der nun demonstrierten Nachweisgrenze im Sub-Femtogramm-Bereich. Für GFAP existiert in Kombination mit dem verwandten Marker UCH-L1 zudem bereits ein von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassener Bluttest, der innerhalb dieses klinisch relevanten Bereichs zuverlässig arbeitet; S100β nutzen vor allem skandinavische Leitlinien ebenfalls als etablierten, allerdings primär laborbasierten Screening-Parameter.

Weniger aufwendig - das zählt

Auch die Pressemitteilung von Optica beantwortet nicht, welchen zusätzlichen klinischen Nutzen die weit über den Bedarf hinausgehende Empfindlichkeit bieten soll. Co-Leiterin Liu verweist stattdessen auf mögliche Vorteile eines patientennahen Testformats nach Weiterentwicklung – etwa einen Fingerstich-Test, der unnötige CT-Untersuchungen reduzieren und Hochrisikofälle früher erkennbar machen könnte, einsetzbar im Rettungswagen, in ländlichen Praxen, im Sport oder in der Notaufnahme. Ob dafür die demonstrierte Ultra-Empfindlichkeit erforderlich ist oder sich vergleichbare Vorteile auch mit bereits etablierten, weniger aufwendigen Testverfahren erzielen ließen, bleibt unklar. Denkbare, in der Mitteilung nicht genannte Gründe für die zusätzliche Empfindlichkeit wären die gleichzeitige Erfassung mehrerer Biomarker auf einem Chip oder der Einsatz bei sehr geringen Probenmengen.

Die Forschenden selbst räumen ein, dass die Herstellung der Goldstrukturen zwar skalierbar, aber bislang teuer sei und dass Verpackung, Fluidhandling sowie eine Validierung an klinisch relevanten Proben und größeren Patientenkohorten vor einem praktischen Einsatz noch ausstünden. (gd)

Referenz: Lin S, Yang H, Huang Q, Wang W, Liu Y, Li G. Ultrasensitive Detection of Traumatic Brain Injury Biomarkers Using a High-Q Optical Metasurface. Opt. Mater. Express (2026) 16, 2151 - 2163. DOI: 10.1364/OME.601906.

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