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Gesundheitspolitik Forderung nach Innovationsschub statt Sparkurs im Gesundheitswesen

Quelle: Pressemitteilung acatech Themennetzwerk 2 min Lesedauer

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Reformdebatten im Gesundheitswesen drehen sich meist um Kürzungen, Effizienzsteigerungen und Mehrbelastungen. Das acatech Themennetzwerk Gesundheitstechnologien hält das für zu kurz gedacht: In einem Hintergrundpapier fordert die Expertengruppe, medizintechnische Innovationen stärker als Hebel zu nutzen. Gleichzeitig zeigt es Wege auf, wie Deutschland aus dem "Innovation Valley of Death" herausfindet.

Das acatech Themennetzwerk Gesundheitstechnologien fordert einen stärkeren Fokus auf medizintechnische Innovationen statt reiner Kostendämpfung.(Bild:  KI-generiert / G. Deußing)
Das acatech Themennetzwerk Gesundheitstechnologien fordert einen stärkeren Fokus auf medizintechnische Innovationen statt reiner Kostendämpfung.
(Bild: KI-generiert / G. Deußing)

Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Politische Reformvorschläge zielen bislang vor allem auf Kürzungen, Prozessoptimierungen oder Mehrbelastungen ab. Was nach Einschätzung des acatech Themennetzwerks Gesundheitstechnologien allerdings fehlt, sind tiefgehende medizintechnische Innovationen samt der dafür nötigen Systemänderungen: 

„Die Medizintechnik spielt in der Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems nur eine untergeordnete Rolle", konstatiert die interdisziplinäre Autorengruppe um Olaf Dössel (Karlsruher Institut für Technologie) und Doris Heinrich (Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik, TU Ilmenau) in ihrem Hintergrundpapier „Modernisieren vor Kürzen: Wie Gesundheitstechnologien eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung ermöglichen", das vom Themennetzwerk Anfang Juli 2026 veröffentlicht wurde. Und das, obwohl die Medizintechnik mit vergleichsweise geringen Ausgaben große Wirkung erzielen könne.

Das Hintergrundpapier verweist auf das Potenzial bildgebender Verfahren, neuer Plattform-Technologien und zellbiologischer Methoden: Krankheiten lassen sich damit früher und präziser erkennen, krankhafte Prozesse korrigieren, krankhaftes Gewebe ersetzen. Die inzwischen kostengünstige Bestimmung des genetischen Codes von Zellen öffnet zusätzlich die Tür zu einer weitreichenderen personalisierten Präzisionsmedizin.

Der lange Weg aus dem Innovation Valley of Death

Deutsche Labore sind in der Grundlagenforschung (Technologiereifegrad TRL 1 bis 3) international konkurrenzfähig, jedoch gelingt der Transfer in die klinische Anwendung (TRL 4 bis 6) offenbar nicht in ausreichendem Maße. Daher unterstütz das Themennetzwerk nach eigenen Angaben die Ziele der Hightech Agenda Deutschland im Bereich Gesundheitsforschung, ergänzt um die Aspekte Resilienz und Kosteneffizienz. Als Werkzeug gegen die Transferlücke schlägt die Autorengruppe im Hintergrundpapier sogenannte Reallabore vor, in denen Forschungsteams, Medizintechnikunternehmen, Kliniken und Regulatorik-Expertinnen und -Experten zusammenarbeiten. Auch medizinische KI-Systeme sollen künftig in KI-Reallaboren (AI Regulatory Sandboxes) nach Artikel 57 des AI Act getestet und validiert werden können, bevor sie zugelassen werden.

Vier Leitfragen für die Praxis

Das Themennetzwerk formuliert im Papier vier Fragen, an denen sich die Einführung neuer Gesundheitstechnologien ausrichten soll: 

1. Welche Technologien lösen welche konkreten Probleme im Gesundheitssystem? 
2. Wie lässt sich die Translation von der Grundlagenforschung über Entwicklung und klinische Prüfung bis in die Versorgung beschleunigen, etwa durch selbststeuernde Laboratorien? 
3. Wie kann neue Technik Prozesse verändern und Personal entlasten, auch mit Blick auf Prävention durch KI, Apps und Smartphones? 
4. Wie gelangen diese Technologien über neue Erstattungsstrukturen und einen zeitgemäßen Evidenzbegriff tatsächlich in den Versorgungsalltag?

Die Autorengruppe bringt ihre Position im Hintergrundpapier auf einen Nenner: Das Gesundheitssystem solle mehr Anreize für den Erhalt von Gesundheit setzen, etwa durch Prävention – innovative Gesundheitstechnologien seien dafür ein wesentlicher Baustein.

Hinweis: Das Hintergrundpapier „Modernisieren vor Kürzen: Wie Gesundheitstechnologien eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung ermöglichen", vom acatech Themennetzwerk Gesundheitstechnologien, 2026, ist unter www.acatech.de/themennetzwerk-gesundheitstechnologie abrufbar.
 

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