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Bio-Regio Stern

Workshop mit Live-OP: Medizintechniker holen sich Feedback von Ärzten

| Autor/ Redakteur: / Kathrin Schäfer

Wenn Medizintechniker mit Ärzten in Dialog treten, entstehen meist Ideen für neue Medizinprodukte. Ein Workshop in Stuttgart war von spannenden Diskussionen geprägt.

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Das Team des dritten Einschnitte-Einblicke-Workshops zum Thema „Kopf, Hals“.
Das Team des dritten Einschnitte-Einblicke-Workshops zum Thema „Kopf, Hals“.
(Bild: Michael Latz / Bio-Regio Stern)
  • Workshop mit Live-Übertragung von drei operativen Eingriffen
  • Praktische Übungen im OP
  • Medizintechniker holen sich Produktideen bei Ärzten

Gemeinsam mit Bio-Regio Stern Management haben das Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und der Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. im Januar 2018 den dritten Workshop für Medizintechniker in der Reihe „Einschnitte – Einblicke“ veranstaltet. Der Themenschwerpunkt lautet diesmal: Kopf und Hals.

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Der Workshop mit Live-Übertragung von drei operativen Eingriffen sowie anschließenden praktischen Übungen an verschiedenen Stationen im OP des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik brachte jeweils mehrere relevante Fachrichtungen an einen Tisch: Mit dabei waren Ärzte der Fachrichtungen Augenheilkunde, Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, HNO, Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Neurochirurgie.

Am anatomischen Präparat wurden sowohl endoskopisch als auch offen-chirurgisch Einzelheiten dargestellt. Die eingeladenen Ingenieure von namhaften Medizintechnikunternehmen verfolgten im Hörsaal gespannt die lebhafte Diskussion der Ärzte zu Operationstechniken und -verfahren. Anschließend konnten sich die Teilnehmer selbst mit den Ärzten am anatomischen Präparat austauschen, um neue Ideen für Instrumente und Verfahren zu entwickeln.

Prof. Dr. Bernhard Hirt, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik, war zugleich Gastgeber und Moderator des Workshops und begrüßte neben den Fachbesuchern im Hörsaal auch die zahlreichen per Life-Stream zugeschalteten Ärzte und Studenten: „Zum dritten Mal möchten wir die Gelegenheit nutzen, um einen intensiven Austausch zwischen Medizinern und Technikern zu forcieren. Wir wünschen uns, dass die Macher aus der Medizintechnik mit neuen Ideen und Ansätzen zur Neu- und Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten in ihre Firmen zurückkehren.“

Das Handling von Mikroskopen lässt zu wünschen übrig

Und das waren die Themen: Das Endoskop – trotz des „zusätzlichen Augenpaares“, hat der Operateur nach wie vor nur eine Hand frei. Vor allem das Thema Visualisierung mithilfe von Endoskop, Mikroskop und Exoskop stieß auf offene Augen und Ohren. Im Rahmen der Live-OP wurde bei einem anatomischen Präparat ein bösartiger Tumor entfernt, der ungünstig in der Mitte des Schädels lag, was den Operateur vor die Frage nach dem Zugang stellte. „Das Endoskop hat immer mehr an Boden gewonnen, wir haben heute bereits eine sehr gute Qualität, dennoch müssen Kamera und die Übertragung weiter verbessert werden“, erklärte er dem Publikum.

Ein echtes Manko sieht er beim Handling. „Wenn ich ein Mikroskop benutze, habe ich zwei Hände für die Operation frei, benutze ich das Endoskop, dann habe ich nur noch eine Hand zur Verfügung. Auch muss das Endoskop ständig gereinigt werden, ein Scheibenwischersystem wäre da von Vorteil.“ Ein von einem Roboter assistierter Chirurg und eine hochauflösende Videotechnologie beim Endoskop – aktuell ist die 3D-Endoskopie Standard – könnten aus dem Dilemma führen.

Viele Chirurgen behelfen sich bereits mit einer Kombination aus Mikroskop und Endoskop, um das „Beste aus jeder Welt“ zur Verfügung zu haben. Bei einer Reihe von Indikationen, vor allem bei oberflächlichen Tumoren, wird das Endoskop durch das Exoskop ersetzt, das nicht in den Körper eingeführt, sondern mit Abstand platziert werden kann, um das Operationsfeld besser auszuleuchten und zu visualisieren.

An der zeitverzögerten Übertragung sollten Ingenieure arbeiten

Für unbedingt verbesserungswürdig halten die Mediziner die Zeitverzögerung bei der Übertragung des Bildes auf den Monitor. Vor allem wenn der Operateur schnell arbeitet, hinkt das Bild deutlich hinterher, was in manchen Fällen zu Gefäßverletzungen führen kann. Eine andere Problematik der Visualisierung durch das Endoskop ist, dass der Operateur zwar in tiefere Regionen vordringen und die von dort übertragenen Bilder gut erkennen kann, er jedoch kein Bild der Spitze des Endoskops und dessen unmittelbaren Umgebung sieht. Diese fehlende Übersicht, die Dicke des Instruments und die Begrenztheit der Arbeitskanäle stellen die Chirurgen im OP-Alltag immer wieder vor Herausforderungen.

Licht und Schatten: OP-Bereiche richtig ausleuchten

OP-Bereiche sowohl bei offen-chirurgischen als auch endoskopischen Eingriffen richtig auszuleuchten war ein Thema, das die Ärzte allesamt für elementar wichtig hielten. Denn das Licht spielt in der Medizintechnik und bei der OP-Planung eine herausragende Rolle. Gut ausgeleuchtete Regionen ohne unnötige Wärmeentwicklung erleichtern die Arbeit, schaffen Sicherheit und reduzieren Fehlerquellen. Deshalb diskutierten Ärzte und Medizintechniker vor allem über die Anpassungsfähigkeit von LED-Leuchten, Hygienestandards und die Schattenwirkung einiger Lampen. Das Mikroskop beleuchte zwar die Umgebung gut, werde dabei jedoch sehr heiß, kommentierten die Operateure. Auch das Endoskop biete sowohl Vor- als auch Nachteile, so die Meinung eines Ärztlichen Direktors: „Ich kann weit hineingehen, es bringt Licht vor Ort, verursacht aber auch einen Schattenwurf.“ Mehrere homogene Lichtquellen am Endoskop oder neue Lichtquellen am Sauger könnten eine mögliche Lösung sein.

Bisher behelfen sich viele Operateure mit Stirnlampen, vor allem im HNO-Bereich, in der Plastischen Chirurgie und in der Augenheilkunde. Die vor über 50 Jahren entwickelte „Foerster-Brille“, in Fachkreisen auch das „Tübinger-Collier“ genannt, die als robustes Untersuchungsinstrument bei Visite und OP beliebt ist, wurde inzwischen immerhin mit LED ausgestattet.

Den Operationstisch am Operationstisch beseitigen

Die Operateure bemängelten während der Live-OP, bei der ein Transplantat aus einem resorbierbaren Material an einer Nasenwurzel eingesetzt wurde, vor allem den „Kabelsalat“ rund um den Tisch. „Das sind echte Stolperfallen“, kritisierte ein Oberarzt seinen Arbeitsplatz. „Als Chirurg stört mich das extrem, ich habe hier Kabel, Fußpedale und Optik. Zudem einen vollen Tisch, ich finde es fürchterlich, wie ich hier arbeiten muss. Da muss doch eine Abhilfe geschaffen werden können, da sind die Produktentwickler gefragt.“ Als Lösung stellte er sich einen kabellosen Arbeitsplatz und Akku betriebene Instrumente vor.

Auch erste Lösungsansätze wurden im Workshop bereits diskutiert

Nach den Live-OPs trafen sich die Vertreter der medizintechnischen Unternehmen an verschiedenen Stationen in kleinen Gruppen mit den Ärzten und diskutierten Lösungsansätze. Beispielsweise eine Blakesley-Nasenzange aus Nitinol, einer Nickel-Titan-Legierung, mit „Formgedächtnis“. Diese Nasenzange passt der Chirurg individuell an die Anatomie des Patienten an; dank des thermischen Formgedächtniseffekts hat sie nach der Hitzesterilisation wieder ihre Ausgangsform. In China wird die Nasenzange bereits mit großem Erfolg eingesetzt, in Deutschland läuft die Vermarktung eher schleppend, da sie vier Mal so teuer ist wie eine übliche Nasenzange.

Für die Medizintechniker sei vor allem das direkte Feedback der Ärzte wichtig, erklärte der Vertreter eines mittelständischen Geräteherstellers aus der Region: „Der persönliche Austausch mit den Fachleuten ist mit nichts aufzuwiegen, hier hole ich mir Ideen und arbeite bereits im Kopf an der Lösung, nur in der Praxis kann man genau herausfinden, was die Ärzte wirklich benötigen. Schon deshalb ist diese Veranstaltung etwas Besonderes.“

Der nächste Workshop-Termin „Einschnitte – Einblicke: Herz, Lunge, Thorax“ findet am Mittwoch, den 13. Juni 2018 statt.