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Ai6 Solutions Nähkästchen Warum Verpackungs-Compliance gerade erst beginnt

Ein Gastbeitrag von Ai6 Solutions 5 min Lesedauer

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Der neuste Teil unserer Kolumne der Regulatory-Affairs-Experten von Ai6 Solutions dreht sich um die PPWR und den Startschuss für ein systematisches Verpackungsdatenmanagement.

Damit Ihre Projekte nicht Gefahr laufen zu platzen: das Ai6-Solutions-Nähkästchen zu Regulatory Affairs. (Bild:  GPT Image Editor/Devicemed / KI-generiert)
Damit Ihre Projekte nicht Gefahr laufen zu platzen: das Ai6-Solutions-Nähkästchen zu Regulatory Affairs.
(Bild: GPT Image Editor/Devicemed / KI-generiert)

Seit dem 12. August 2026 ist die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR, anzuwenden. Viele Unternehmen haben ihre Verpackungen inzwischen bewertet, Lieferantennachweise eingeholt und eine technische Dokumentation erstellt. Teilweise liegen bereits die ersten Konformitätserklärungen für die eingesetzten Verpackungen vor. Geschafft also? Nicht ganz. Tatsächlich beginnt die eigentliche Herausforderung erst jetzt.

Während Unternehmen ihre erste PPWR-Bewertung abschließen, werden wichtige Details der Verordnung weiterhin konkretisiert. Durchführungsrechtsakte stehen teilweise noch aus, Register- und Meldepflichten entwickeln sich weiter und auch Anforderungen an Stoffinformationen gewinnen an Bedeutung. Die erste PPWR-Konformitätserklärung ist deshalb kein Endpunkt, sondern der Startschuss für ein systematisches Verpackungsdatenmanagement.

Die Registerfrage ist noch nicht abschließend gelöst

Die PPWR sieht Registrierungs- und Meldepflichten im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) vor. Wie die nationalen Produzentenregister künftig harmonisiert werden und welche Daten in welchem Format bereitzustellen sind, wird derzeit noch auf europäischer Ebene konkretisiert.

Insbesondere Unternehmen, die Verpackungen in mehreren Mitgliedstaaten erstmals in Verkehr bringen, müssen die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Je nach Geschäftsmodell können Registrierungs-, Melde- und Bevollmächtigtenpflichten  in mehreren Ländern entstehen. Die Wunschliste aus Industrie und Verbänden ist entsprechend lang. Diskutiert werden u. a.:

  • ein zentrales europäisches Register anstelle vieler nationaler Systeme,
  • ein EU-weiter EPR-Bevollmächtigter statt nationaler Vertreter in jedem Mitgliedstaat,
  • harmonisierte Registrierungsschwellen und Mengendefinitionen,
  • standardisierte Datensätze und
  • digitale Schnittstellen für Meldungen

Einiges davon wurde im Medizinprodukterecht mit Übergang zu den Verordnungen geschafft, um so mehr ist es eine bittere Pille, dass nun wieder ein Klein-Klein über einen anderen Rechtsbereich zurückkommt.

Unabhängig davon steht bereits heute fest: EPR-Meldungen benötigen strukturierte Daten zu Verpackungsarten, Materialzusammensetzungen, Gewichten, Mengenströmen und Vertriebsländern. Viele dieser Informationen werden zwar bereits für die technische Dokumentation erhoben, liegen jedoch nicht immer in der für Registermeldungen erforderlichen Form vor. Die Herausforderung besteht daher häufig nicht in der Datenerhebung, sondern in der Wiederverwendbarkeit der vorhandenen Informationen. Damit droht ein bekanntes Regulatory-Phänomen: Die Daten sind vorhanden, aber für die konkrete Meldung nicht direkt nutzbar. Hinzu kommt, dass der Hersteller oder Bevollmächtigte einer EPR-Meldung nicht zwangsläufig auch Inhaber der technischen Dokumentation ist. Erforderliche Angaben müssen dann erneut entlang der Lieferkette angefragt werden.

Eine mögliche Lösung besteht darin, die für EPR-Meldungen relevanten Basisdaten bereits bei der Erstellung der technischen Dokumentation eindeutig zu definieren und in wiederverwendbarer Form zu erfassen. So können dieselben geprüften Informationen für unterschiedliche Meldungen genutzt werden. Langfristig könnten zudem digitale Produktpässe grundlegende Daten für verschiedene Regelwerke, etwa die PPWR, die Batterieverordnung oder andere EPR-Systeme, zentral verfügbar machen.

Was steckt eigentlich in unseren Verpackungen?

Neben Register- und Meldepflichten rückt eine weitere Frage zunehmend in den Mittelpunkt:Welche Stoffe sind tatsächlich in den eingesetzten Verpackungen enthalten? Viele Unternehmen verfolgen in der Material-Compliance bislang v. a. einen Negativansatz. Lieferanten bestätigen beispielsweise, dass bestimmte Stoffe oder Grenzwerte eingehalten werden. Damit lässt sich jedoch nicht zwangsläufig nachvollziehen, welche Stoffe tatsächlich in einer Verpackung enthalten sind.

Mit den derzeit von der ECHA entwickelten Konzepten zu sogenannten Substances of Concern (SoC) könnte dieser Ansatz an Grenzen stoßen. Für mögliche Kennzeichnungsanforderungen ab 2028 könnten Angaben zu enthaltenen SoC erforderlich werden, unabhängig davon, ob bestehende Grenzwerte überschritten sind. Dafür müssten Unternehmen wissen, welche SoC tatsächlich in der jeweiligen Verpackung oder Verpackungskomponente vorkommen. Werden Stoffe im Rahmen der Bewertungsmethoden zur Recyclingfähigkeit nach Artikel 6 berücksichtigt, entsteht ein anderes Problem. Dann ist nicht allein entscheidend, ob ein Stoff aufgrund möglicher Wirkungen auf Menschen oder Umwelt regulatorisch beschränkt ist.

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Relevant kann ebenso sein, ob der Stoff:

  • die Wiederverwendung einer Verpackung beeinträchtigt, 
  • einen Recyclingprozess stört,
  • die Qualität des gewonnenen Rezyklats mindert oder
  • bestimmte Recyclingwege ausschließt.

Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Oder genauer gesagt: in Druckfarben, Beschichtungen, Klebstoffen, Additiven und Etiketten. Diese Komponenten machen häufig nur einen kleinen Teil der Verpackung aus, können aber darüber entscheiden, ob eine Verpackung künftig problemlos bewertet, gekennzeichnet oder recycelt werden kann.

PPWR wird zur Datenverordnung und bleibt dabei nicht am Schreibtisch

Die PPWR entwickelt sich langsam zur Datenverordnung. Viele aktuelle Diskussionen drehen sich weniger um die Verpackung selbst als um die Frage, welche Daten künftig wo, wie und an wen gemeldet werden müssen. Herstellerregister, Datensätze, Schnittstellen: Die Verpackung bekommt zunehmend einen digitalen Zwilling. Das klingt zunächst nach einer Fleißaufgabe für Regulatory Affairs und erinnert an den Übergang der MDD & IVDD zur MDR und IVDR. Der eigentliche Knackpunkt kommt aber erst noch. Denn die gesammelten Daten werden künftig nicht nur für Meldungen benötigt. Sie entscheiden auch darüber, wie schnell Unternehmen auf neue Anforderungen reagieren können. In Zukunft lautet die entscheidende Frage nicht mehr: „Ist die Verpackung heute konform?“ Sondern: „Welche Verpackungen sind, betroffen und was müssen wir ändern?“ Wer diese Daten heute nicht im Griff hat, wird morgen auf regulatorische Spurensuche gehen. Wer sie bereits strukturiert erfasst, kann Änderungen deutlich entspannter planen.

Fazit: Die Konformitätserklärung ist der Anfang

Die erste PPWR-Konformitätserklärung ist ein wichtiger Meilenstein. Ein dauerhafter Freifahrtschein ist sie jedoch nicht. Registerpflichten werden weiter konkretisiert. Neue Stoffbewertungen entstehen. Informations- und Kennzeichnungspflichten entwickeln sich weiter. Gleichzeitig gewinnen Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Verpackungsminimierung und Materialtransparenz zunehmend an Bedeutung. Für Unternehmen wird deshalb entscheidend sein, Verpackungsdaten langfristig verfügbar, aktuell und wiederverwendbar zu halten.

Eine belastbare und zentral verfügbare Datengrundlage erleichtert es, regulatorische Entwicklungen frühzeitig zu bewerten, betroffene Verpackungen zu identifizieren und mögliche Auswirkungen auf Lieferketten, Produktion oder Verpackungsdesign abzuschätzen. Die Konformitätserklärung markiert damit nicht den Abschluss der Verpackungs-Compliance. Vielmehr bildet sie den Ausgangspunkt für ein langfristiges Management von Verpackungsdaten und regulatorischen Anforderungen.

Ai6 Solutions Nähkästchen

Seit dem 1. April 2026 sind die Seleon GmbH und die Sasse Elektronik GmbH in der Ai6 Solutions GmbH zusammengeführt. Was bisher in zwei spezialisierten Organisationen verankert war, wächst nun zu einer gemeinsamen Struktur zusammen: Entwicklung, Regulatory Affairs, Produktion und Lifecycle Management greifen innerhalb einer Organisation nahtlos ineinander.

In regelmäßigen Abständen werden wir für Sie in der Devicemed aus dem Nähkästchen plaudern. Noch mehr über uns erfahren Sie auf www.seleon.com/de/regulatory-affairs.