France

Herzunterstützungssystem Venenkanüle soll Wartezeit auf Spenderherz überbrücken

Redakteur: Kristin Breunig

Mit dem Ziel, Patienten mit einem versagenden Fontan-Kreislauf die Chance zu geben, die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken, hat Berlin Heart die Excor Venenkanüle entwickelt.

Firmen zum Thema

Die Venenkanüle bietet Patienten mit einem versagenden Fontan-Kreislauf die Chance, die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken.
Die Venenkanüle bietet Patienten mit einem versagenden Fontan-Kreislauf die Chance, die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken.
(Bild: Berlin Heart)

Es gibt Kinder, die mit einer so genannten univentrikulären Physiologie geboren werden: Im Gegensatz zu einem Herz mit zwei Kammern (Ventrikel) fehlt ihnen einer der beiden Ventrikel oder sie leiden unter einem Ungleichgewicht, weil nur eine funktionsfähige Herzkammer vorhanden ist. In mehreren Operationen werden der systemische (linke) und der pulmonale (rechte) Kreislauf schrittweise getrennt, um einen stabilen Körper- und Lungenkreislauf herzustellen. Der letzte Operationsschritt ist die sogenannte Fontan-Operation. Aufgrund des unphysiologischen Blutkreislaufs kommt es bei Fontan-Patienten im Laufe der Zeit zu einer Verschlechterung der Herz- und anderer Organfunktionen – einem Versagen des Fontan-Kreislaufs.

Venenkanüle baut Brücke zur Transplantation

Die Venenkanüle Excor, entwickelt von Berlin Heart, basiert auf einer Idee für eine spezifische Venenkanüle als Ersatz für den rechten Vorhof und wurde nach den ursprünglichen Designvorgaben von Dr. Eugen Sandica, Kinder- und Jugendherzchirurg des Herz- und Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen, modifiziert. Die Kanüle soll die Komplexität der Operation verringern, die subpulmonale Hämodynamik verbessern und die Erholung der Endorgane ermöglichen.

„Die speziell entwickelte ­Excor Venenkanüle ermöglicht eine standardisierte Implantation und erlaubt erstmals eine mechanische Unterstützung des subpulmonalen Kreislaufs bei Patienten mit versagendem Fontan-Kreislauf. Die Kanüle ermöglicht bei einem Großteil der Patienten die univentrikuläre Implantation des Excor VAD als subpulmonale Unterstützung (RVAD), sowie die Kombination mit einem LVAD, in einem so genannten BVAD-Modus“, sagt Dr. Eugen Sandica.

Die erste Implantation

Die erste Implantation der Venenkanüle erfolgte durch das Team der Kinderherzchirurgie des LMU Universitätsklinikums in München, unter der Leitung des Kinderherzchirurgen Prof. Jürgen Hoerer. Prof. Nikolaus Haas, Kinderkardiologe und Intensivmediziner, sieht die künstliche subpulmonale Unterstützung als einzige Möglichkeit nach der Fontan-Operation, die Hämodynamik zu normalisieren und eine Organerholung während der mechanischen Unterstützungstherapie zu ermöglichen. Verfolgtes Ziel: Die Mortalität und Morbidität auf der Warteliste senken. „Außerdem sind wir zuversichtlich, dass wir bei versagender Fontan-Hämodynamik die mit einer Herztransplantation verbundenen Risiken reduzieren können“, erklärt Prof. Nikolaus Haas.

Studie sammelt Daten

Die klinische Verbesserung durch diese Kanüle wird im Rahmen einer prospektiven, internationalen, multizentrischen Registerstudie „Regive“ („Registry to assess the safety and feasibility of the subpulmonary support with the novel Venous Cannula in patients with failing/absence of the right heart“), bewertet. Diese wird in zehn erfahrenen Zentren in fünf EU-Ländern durchgeführt und sammelt Daten zum klinischen Zustand, zu Organfunktionen, zur Lebensqualität und zu den Behandlungsergebnissen mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu einem Jahr.

Weitere Artikel über OEM-Komponenten und Werkstoffe finden Sie in unserem Themenkanal Konstruktion.

(ID:47366572)