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Porträt Raum für Begegnungen

| Autor: Kathrin Schäfer

Dr. Elmar Bourdon findet man dort, wo man ihn auf den ersten Blick nicht vermuten würde: im Rathaus der Stadt Mannheim. Der Manager des Clusters Medizintechnologie ist Mitarbeiter des Fachbereichs Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt. Unterstützt wird er von Yvonne Soyke, der Koordinatorin des Clusters. Tatsächlich ist es genau die Konstellation einer Kommune als Träger und einer Stadtverwaltung als Treiber und Umsetzer, die das Besondere dieses Medizintechnikclusters ausmacht.

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Dr. Elmar Bourdon und Yvonne Soyke treiben die Belange von Medizintechnikfirmen im Cluster Medizintechnologie voran.
Dr. Elmar Bourdon und Yvonne Soyke treiben die Belange von Medizintechnikfirmen im Cluster Medizintechnologie voran.
(Bild: Schäfer/Devicemed)

Die räumliche Ausdehnung reicht von Bad Homburg, dem Firmensitz von Fresenius Medical, bis Karlsruhe, von Heidelberg bis nach Kaiserslautern. Im Zentrum liegt Mannheim mit seinen über 300.000 Einwohnern. Damit ist das Einzugsgebiet so groß, dass die Medtech-Firmen, die in diesem Oval angesiedelt sind, maximal eine Autostunde voneinander entfernt sind. Zufall? „Es ist die Distanz, innerhalb derer Entscheider bereit sind, regelmäßig an Fach- und Netzwerkformaten teilzunehmen, beispielsweise über die Mittagspause“, weiß Bourdon aus Erfahrung.

Die Basis für Kooperationen ist der persönliche Dialog der Akteure

Denn die Medizintechnik ist, bei all den virtuellen Möglichkeiten der Vernetzung, die es heute gibt, noch immer ein „People’s Business“, das vom Vertrauen der Akteure untereinander geprägt ist. Dieses Vertrauen, es entsteht nicht am Bildschirm, nicht via Internetplattform, sondern nur im persönlichen Dialog. Zu den Netzwerkformaten, die der Cluster anbietet, gehören deshalb die sogenannten Medtech-Dialoge. Bereits am 22. September findet die nächste Veranstaltung dieser Art statt. Gastgeber ist der Lohnfertiger Freudenberg Medical in Weinheim. Passend dazu lautet das Thema „Zulieferer in der Medizintechnik – von der Auftragsfertigung zur Entwicklungspartnerschaft“.

Richtig interessant wird der Cluster außerdem für Unternehmen, die sich nicht nur für die Region, sondern tatsächlich für die Stadt Mannheim entscheiden: Da das Clustermanagement zum Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim gehört, können sie in den Genuss einer ganzen Reihe von Leistungen kommen. Möglich ist die intensive Begleitung bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten wie Büro-, Werkstatt- oder Laborflächen ebenso wie die längerfristige Beratung bei oder Begleitung von Projekten.

Doch auch das alleine wäre noch nichts Besonderes. Der eigentliche Clou ist: Die Stadt Mannheim schafft Infrastruktur nicht nur virtuell, also durch Vernetzung und Beratung, sondern ganz real in Stein und Beton. So soll sichergestellt werden, dass sich Start-ups, KMUs sowie Forschungseinrichtungen effizient und gut entwickeln können, und zwar wenn möglich effizienter und besser als andernorts.

Bestes Beispiel hierfür ist das Gründungs- und Kompetenzzentrum Medizintechnologie, der Cubex 41. Der Cubex befindet sich in zentraler Lage auf dem Campus der Universitätsmedizin Mannheim, also mitten im Krankenhaus. Sowohl Start-ups als auch KMUs können die Räume nutzen. Das Fraunhofer IPA ist mit seiner Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB) in dem Gebäude angesiedelt und steht als Entwicklungspartner, aber auch Ideengeber zur Verfügung.

Außerdem betreibt eben diese Projektgruppe dort einen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Interventionsraum der Zukunft, den Mannheim Molecular Intervention Environment (M2OLIE). Er verfügt über einen Experimental-Hybrid-OP, der von der Industrie, das heißt von Firmen wie Siemens, Maquet, Kuka und anderen, mit State-of-the-Art-Technologie ausgestattet wurde.

Mit Investoren schafft die Stadt reale Infrastrukturen aus Stein und Beton

Er ist darauf ausgelegt, dass Unternehmen ihn bei der Entwicklung von Medizinprodukten nutzen oder aber bereits entwickelte Produkte erproben, Ärzte am fertigen Produkt trainieren können. Denn: Direkt bei der Universitätsmedizin angesiedelt, begegnen sich Ärzte, Forscher und Produktentwickler praktisch automatisch. Nutzen sie diese Infrastruktur, können alle Seiten davon profitieren. Von Vorteil ist: Das Produktportfolio der Firmen in und um Mannheim ist so unterschiedlich, dass sie nicht in direktem Wettbewerb zueinander stehen. Kooperationen bieten sich also geradezu an. Diese Firmen mit anderen in Kontakt zu bringen, so dass sie sich gegenseitig befruchten, gehört zu den Aufgaben des Clusters.

Dieser Firmenstruktur ist es im Übrigen auch geschuldet, dass der Begriff Medizintechnologie im Cluster relativ weit gefasst wird: Projektspezifisch einbezogen werden deshalb auch angrenzende Felder. Namentlich sind dies beispielsweise die Mikrosystemtechnik, Biotechnologie, Nanotechnologie, Photonics oder die Wirkstoffproduktion. Diese Definition spiegelt jedoch nicht nur die bereits vorhandene Firmenstruktur in der Region um Mannheim wider, sondern trägt, so Bourdon, auch der Interdisziplinarität der Branche Rechnung.

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Über den Autor

 Kathrin Schäfer

Kathrin Schäfer

Redakteurin