France

Medica / Compamed 2015

Neue Laufzeit, gute Stimmung / Trendthema Digitalisierung, E-Health-Gesetz nachbessern

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Die aktuelle Lage der deutschen Medizintechnikbranche

Und auch das gibt es auf der Vor-Pressekonferenz zur Medica und Compamed aus erster Hand: Basierend auf den amtlichen Zahlen des statistischen Bundesamtes präsentiert Marcus Kuhlmann, Leiter des Spectaris-Fachverbandes Medizintechnik, die aktuelle Lage der deutschen Medizintechnikbranche. Die dürfe sich etwas überraschend über ein deutliches Umsatzplus freuen und profitiere von solidem Wachstum in Westeuropa und Zuwächsen in Emerging Markets. „Insbesondere in der ersten Jahreshälfte konnten überraschend hohe Zuwächse erwirtschaftet werden, jedoch hat sich das Stimmungsbild im letzten Tertial aufgrund einer zunehmenden Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Schwellenländer etwas eingetrübt“, so Kuhlmann.

Grundsätzlich sei jedoch festzustellen, dass der schwache Eurokurs, niedrige Ölpreise und eine weiterhin eher expansive Geldpolitik die weltweite Nachfrage der ohnehin stark exportorientieren Branche zusätzlich begünstigt hätten. Das Russlandgeschäft wird dagegen weiterhin als schwierig beurteilt. Nach einem Rückgang der deutschen Medizintechnikexporte nach Russland um rund 26 Prozent in 2014 waren die Ausfuhren mit einem Minus von 24 Prozent auch im Zeitraum Januar bis August 2015 weiter rückläufig. Zwar sei der russische Markt absolut betrachtet mit rund 250 Mio. Euro vergleichsweise klein und die Medizintechnik nicht von den Sanktionen gegen Russland betroffen, dennoch sei die Lage für einige deutsche Firmen, die sich stark auf diesen Markt konzentrieren bereits existenzgefährdend.

Wearables beleben den Binnenmarkt

Im Inland führten Nachholeffekte und eine allgemein positive Verbraucherstimmung zu Zuwächsen. Die Erklärung dazu steht nicht in der offiziellen Pressemitteilung, wird aber von Kuhlmann persönlich geliefert: „Die Branche hat sich insgesamt breiter aufgestellt und profitiert mit Produkten wie Wearables von der insgesamt guten Wirtschaftslage.“ Eine Verbesserung mit Blick auf den weiterhin vorhandenen Investitionsstau insbesondere im stationären Bereich sieht Kuhlmann indes nicht. Da wundert es nicht, dass die Branche für das kommende Jahr ein schwächeres Umsatzwachstum als 2015 erwartet. Zwar seien die Unternehmen grundsätzlich optimistisch gestimmt, doch sei eine deutliche Unsicherheit spürbar.

Der regulative Aufwand ist zu hoch

Die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr hängt maßgeblich von der Verabschiedung der europäischen Medizinprodukteverordnung ab, mit der Mitte nächsten Jahres gerechnet wird. Nach aktuellem Beratungsstand werden die regulatorischen Anforderungen und damit der Aufwand für die Hersteller weiter zunehmen, was tendenziell eher wachstumshemmende Wirkung hätte. Auch international steigt der regulative Aufwand TTIP zum Trotz eher, als dass er sinkt. In diesem Zusammenhang zitiert Kuhlmann den Geschäftsführer eines KMU der Branche: „Zwei Drittel der Entwicklungskosten entfallen inzwischen auf Regulatory Affairs. Das lohnt sich nicht mehr.“ Und dennoch fällt die Gesamtprognose für die Branche positiv aus. Laut der Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft Deloitte wird der weltweite Markt für Medizintechnik von aktuell 330 Mrd. Euro auf 470 Mrd. Euro im Jahr 2020 steigen.

Die Gesundheitswirtschaft und die Flüchtlingskrise

Zum Abschluss der Vor-Pressekonferenz kommt noch eine ganz aktuelle Frage zur Sprache: Wie reagiert die Gesundheitswirtschaft auf die Flüchtlingskrise? Unter den ZVEI-Mitgliedern gäbe es durchaus Medizintechnikunternehmen, die in den Flüchtlingsunterkünften gezielt auf Personalsuche gingen, erklärt Bursig. Allerdings dürften Kliniken quantitativ hier mehr potenzielle Mitarbeiter finden als die Industrie. „Dennoch beschäftigen wir uns auch als Verband ernsthaft mit diesem Thema“, erklärt Spectaris-Leiter Kuhlmann. Allerdings sei aktuell noch nicht absehbar, welche konkreten Maßnahmen sich daraus entwickelten. Fürs Erste ist festzustellen, dass es bislang kein systematisches Scouting gibt. Vielmehr sind es derzeit eher Einzelfälle, die, unterstützt durch die Industrie- und Handelskammern vor Ort, zu Einstellungen führen.

(ID:43692704)