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Landesmesse Stuttgart vs Nürnberg Messe / UBM

Medizintechnik-Messen: T4M gegen Medtec Live

| Autor: Peter Reinhardt

Stuttgart oder Nürnberg? Diese Frage dürfen – oder eher müssen – sich auch weiterhin Aussteller und Messebesucher stellen. Zwar gehen mit der Medtec Live und T4M zwei neue Messen an diesen beiden Standorten an den Start, doch wird dadurch wirklich alles anders?

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Die Messestandorte Stuttgart und Nürnberg stehen in hartem Wettbewerb um die Gunst von Medtech-Ausstellern und -Besuchern.
Die Messestandorte Stuttgart und Nürnberg stehen in hartem Wettbewerb um die Gunst von Medtech-Ausstellern und -Besuchern.
(Bild: ©Einstock - stock.adobe.com [M]-Kübert)
  • Medtec Europe und MT-Connect verschmelzen zur Medtec Live
  • Stuttgart startet die T4M – Technik für Medizin
  • Zwei Medtech-Messen in Süddeutschland spalten die Branche

Wer das aktuelle Geschehen verstehen will, der muss zurückblicken. Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Medizintechnik-Messewelt in Deutschland klar geregelt. Im November trafen sich Aussteller und Besucher auf der Medica/Compamed in Düsseldorf, im Frühjahr auf der Medtec Europe in Stuttgart. Mehr als 1.000 Aussteller und über 14.000 Besucher zählte die Medtec Europe des britischen Messeveranstalters UBM in ihren besten Tagen. Doch in den vergangenen fünf Jahren geriet die Messe in einen Abwärtsstrudel. Erst blieben die Besucher aus, dann wandten sich Aussteller ab. Gerade einmal 500 Aussteller und knapp 7.000 Besucher waren es in diesem Jahr noch. Damit ist die Messe quasi auf die Hälfte geschrumpft.

Paukenschlag auf der MT-Connect

In Düsseldorf konnten die ehemaligen Aussteller der Medtec unterdessen keine neue Ausstellungsplattform finden. Die Compamed ist seit Jahren ausgebucht. Wenig überraschend also, dass hier andere ihre Chance witterten. Namentlich ist mit der Nürnberg Messe ein neuer Player auf den Plan getreten. Aufbauend auf dem etablierten Kongress Medtech Summit wurde die MT-Connect aus der Taufe gehoben. Zur Erstveranstaltung kamen rund 200 Aussteller und 2.000 Besucher. Ein Paukenschlag sieht anders aus, aber ein solider Anfang war gemacht – und der Wettkampf der Messestandorte Nürnberg und Stuttgart war eröffnet. Doch das erhoffte Wachstum blieb aus. Auch die MT-Connect musste dieses Jahr sinkende Aussteller- und Besucherzahlen verzeichnen.

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Besagten Paukenschlag gab es dann aber doch noch auf der MT-Connect. Gleich am Morgen des ersten Messetages verkündeten die Nürnberg Messe und UBM, ab dem kommenden Jahr gemeinsam die neue Messe Medtec Live in Nürnberg zu veranstalten. Alles Konkurrenzdenken wurde beiseite gelegt, um im Sinne der Branche die Messeaktivitäten in Deutschlands Süden wieder auf einen Standort zu konzentrieren.

Stuttgart kontert mit der T4M

Doch die Freude darüber währte nur wenige Stunden. Dann erklärte die Messe Stuttgart: Anstelle der UBM-Gastveranstaltung Medtec Europe wolle man auf Wunsch der Branche eine eigene Messe für die Medizintechnikindustrie und deren Zulieferer veranstalten. Mit der T4M (Technik für Medizin) geht die Standortfrage Stuttgart oder Nürnberg also in die nächste Runde – und dieser Artikel kehrt zurück in die Gegenwart.

Aktuell versuchen beide Messen, mit starken Partnern zu punkten. Während es der T4M gelungen ist, mit der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik (bisher Unterstützer der Medtec Europe) die Fachabteilung von Europas größtem Industrieverband und mit dem Schweizer Verband Swiss Medtech den größten Gemeinschaftsstand der Medtec Europe in Stuttgart zu halten, kontert die Medtec Live mit einem österreichischen Gemeinschaftsstand von Life Science Austria (LISA) und der Unterstützung durch die Verbände BV-Med, ZVEI und VDI beziehungsweise durch deren Fachbereiche für Medizintechnik. Zahlreiche weitere Organisationen und Cluster dienen hier wie da dem Zweck, die Attraktivität der jeweiligen Messe zu betonen. Zudem werden Fachbeiräte und Gremien gegründet und weitere Partner in die Planung eingebunden. Was am Ende dabei herauskommt, sind überzeugende Messekonzepte, die nicht allzu weit auseinander liegen und jedes für sich das Potenzial haben, sich letzten Endes durchzusetzen.

Entscheidung nach geographischen Gesichtspunkten?

Das mag für Aussteller und Besucher zunächst unbefriedigend erscheinen. Denn sie müssen sich entscheiden: entweder T4M in Stuttgart oder Medtec Live in Nürnberg. Nur die allerwenigsten dürften die Kapazitäten haben, auf beiden Messen vertreten zu sein. Was liegt also näher, als diese Entscheidung nach geographischen Gesichtspunkten zu treffen. Wo komme ich schneller hin, wo ist die Branche stärker verankert?

Wer erwartet, es gäbe hier eindeutige Vorteile für Stuttgart oder Nürnberg, der wird enttäuscht sein. Beide Standorte haben ihre besonderen Stärken, die dem jeweils anderen gerne als Schwäche ausgelegt werden. Natürlich punktet Stuttgart mit einem der modernsten Messegelände der Welt, der unmittelbaren Nähe zum Flughafen und zur Autobahn sowie der geographischen Lage im Herzen des starken Wirtschaftsraumes Baden-Württemberg. Auch die Nähe zu Frankreich und vor allem der Schweiz mit ihren zahlreichen Medizintechnikfirmen ist sicher ein Vorteil. Andererseits liegt in der Kräftebündelung von Nürnberg Messe und UBM im Zusammenspiel mit dem etablierten Medtech Summit des Forums Medtech Pharma enormes Potenzial. Und nicht zu vergessen: Auch das Messegelände in Nürnberg wurde in den vergangenen Jahren immer wieder modernisiert. Gut erreichbar ist es ebenfalls. Und was den Schwaben das Ländle, das ist den Franken die Metropolregion Nürnberg mit dem Medical Valley.

Noch ist kein eindeutiger Sieger auszumachen

Was festzustellen bleibt, ist folgendes: Im Wettstreit der Messen T4M gegen Medtec Live ist aus heutiger Sicht kein eindeutiger Sieger auszumachen. Aber vielleicht ändert sich das schon in den kommenden Monaten, wenn die Aussteller Farbe bekennen und sich für Nürnberg oder Stuttgart entscheiden. Besucher haben noch ein bisschen länger Zeit, diese Entwicklung zu beobachten. Sie können sich dann kurzfristig im kommenden Jahr entscheiden, ob sie die Medtec Live besuchen oder die T4M. So oder so: Zwei Medtech-Messen in Süddeutschland sind keine Bereicherung, sondern spalten die Branche.

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