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Thermoplastisches PTFE „Für mich eine Sensation“

Redakteur: Kathrin Schäfer

Zusammen mit Elring-Klinger Kunststofftechnik hat Raumedic seine Materialpalette im Bereich Hochtemperatur-Thermoplaste um PTFE Moldflon erweitert. Devicemed hat Dr. Dominik Erhard, Technikleiter in der Business Unit Extrusion & Tubing bei Raumedic, nach den Hintergründen der Kooperation gefragt. Im Interview erklärt er, warum sich der Werkstoff zur Extrusion sowie für Gleitanwendungen eignet, beispielsweise bei Führungsdrähten.

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Dr. Dominik Erhard, Raumedic: „Moldflon spart unseren Kunden bares Geld!“
Dr. Dominik Erhard, Raumedic: „Moldflon spart unseren Kunden bares Geld!“
(Bild: Raumedic)

Herr Dr. Erhard, Elring-Klinger und Raumedic werden zukünftig bei der Entwicklung neuer Produkte sowie bei Serienanfertigungen für die Medizintechnik zusammenarbeiten, so haben Sie vor gut einem Jahr verlautbart. Können Sie das kurz erklären?

Unsere strategische Zusammenarbeit betrifft den Werkstoff PTFE: Elring-Klinger ist alleiniger Inhaber der Lizenz für Moldflon. Seit Mai 2012 besteht eine exklusive Kooperation mit uns. Damit sind wir im Medizinbereich globaler Partner für die Verarbeitung und Vermarktung von Produkten aus dem neuen Werkstoff. Heute – ein Jahr später – kann ich sagen, dass erste Produkte für diverse Kunden bereits in der Entwicklung sind.

Was waren die Motive für Ihre Zusammenarbeit?

Bis noch vor wenigen Jahren war die gängige Lehrmeinung, dass PTFE nicht thermoplastisch verarbeitbar wäre. Das habe ich selbst sogar noch im Studium gelernt.

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PTFE wird üblicherweise über einen Sinterprozess verarbeitet und gegebenenfalls noch spanabhebend weiterbearbeitet. Dieser Prozess ist langwierig und kostspielig aufgrund des entstehenden Abfalls beim Zerspanen.

Mit Moldflon gibt es jetzt ein PTFE, welches thermoplastisch verarbeitbar ist – für mich eine absolute Sensation! Denn es eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Weil uns das sofort klar war, haben wir den Kontakt zu Elring-Klinger gesucht und Moldflon auf unseren eigenen Maschinen getestet. In gemeinsamen Gesprächen zeigte sich dann, dass beide Unternehmen auch in Sachen Unternehmensphilosophie auf einer Wellenlänge liegen. So war es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Kooperation.

Welche Kompetenzen bringen Sie beide jeweils ein?

Elring-Klinger ist ganz klar der Know-how-Träger in Sachen PTFE. Daneben verfügt das Unternehmen über umfangreiche Kompetenzen in der Verarbeitung von Fluorpolymeren allgemein und Moldflon im Speziellen.

Unsere Expertise wiederum besteht aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Reinraumextrusion sowie der Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten. Wir wissen um die Eigenschaften, die Verarbeitung und die Anwendungsbereiche sämtlicher in der Medizin- und Pharmatechnik verwendeten Polymere.

All das hilft uns, die Anwendungsbereiche von Moldflon besser zu verstehen und gegebenenfalls Vorteile gegenüber anderen Polymeren herauszuarbeiten.

Wie sieht die Kooperation in der Praxis aus?

Zwischen beiden Unternehmen findet ein kontinuierlicher Austausch statt. Aufgrund der immensen Möglichkeiten, die ein thermoplastisches PTFE bietet, können damit sowohl wir als auch Elring-Klinger mit unseren Kunden bestehende Grenzen verschieben. Hierbei sind die Rollen klar definiert: Elring-Klinger bedient mit Moldflon klassische Industriekunden. Raumedic kommt dann ins Spiel, wenn es sich um Medizinprodukte aus der Reinraumfertigung handelt.

Ganz praktisch bedeutet dies auch: Dr. Claudia Stern, Produktmanagerin bei Elring-Klinger Kunststofftechnik, hat auf Vertriebsebene sämtliche Raumedic-Mitarbeiter zu den Eigenschaften, Verarbeitungsmöglichkeiten und Vorteilen von Moldflon geschult. Damit können auch wir unsere Kunden zu diesem Werkstoff beraten.

Sie behaupten, Moldflon erfülle wie das klassische PTFE alle Voraussetzungen für den Einsatz in medizinischen Instrumenten und Bauteilen. Können Sie das belegen?

Das klassische PTFE wird – wie bereits erwähnt – über einen Sinterprozess verarbeitet. Dieser Prozess ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Zudem werden viele Formteile spanabhebend in Form gebracht, was natürlich zu einer erheblichen Menge an Abfall dieses teuren Materials führt.

Moldflon hingegen kann genau mit den gleichen Herstellungsverfahren wie beispielsweise Polypropylen verarbeitet werden; also insbesondere Extrusion und Spritzguss. Das spart unseren Kunden bares Geld. Damit ist Moldflon auch einer komplizierteren Formgebung zugänglich. Weiterhin zeichnet sich der Werkstoff durch die gleichen hervorragenden Eigenschaften aus wie das klassische PTFE, das bedeutet: exzellente Gleiteigenschaften, chemische Beständigkeit, hervorragende Biokompatibilität und geringe Wechselwirkung mit einer Vielzahl an Wirkstoffen. Zusätzlich ist Moldflon transparenter, was gerade in Schlauchanwendungen ein unverzichtbarer Vorteil ist, um den Durchfluss des Mediums kontrollieren zu können. Die im Vergleich zu PTFE deutlich erhöhte Abriebbeständigkeit und Druckverformungsbeständigkeit auch bei sehr hohen Temperaturen prädestiniert Moldflon geradezu für den Einsatz in Gleitanwendungen, beispielsweise bei Führungsdrähten.

Die Fragen stellte Kathrin Schäfer.

Kontakt:

Dr. Dominik Erhard,

Technikleiter der BU Extrusion & Tubing

Raumedic AG,

D-95233 Helmbrechts

www.raumedic.com

Elring-Klinger Kunststofftechnik GmbH

D-74302 Bietigheim-Bissingen

www.elringklinger-kunststoff.de

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