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Schaeffler / Siemens Healthcare Feierstunde fürs Paradebeispiel einer Partnerschaft zweier Premiumhersteller

| Autor: Peter Reinhardt

Medizinischer Fortschritt ist das Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von Schaeffler und Siemens Healthcare. Anlässlich der Auslieferung des 100. Fahrsystems für Computertomographen berichteten die Entwickler beider Premiumhersteller am 16. Dezember 2015 über die partnerschaftliche Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren und die innovativen Nutzungsmöglichkeiten sogenannter Sliding Gantries.

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Kleine Feierstunde in großer Runde: Anlässlich der Auslieferung des 100. Fahrsystems für Computertomographen haben sich die Pojektverantwortlichen von Siemens und Schaeffler Lineartechnik im Werk Homburg/Saar eingefunden.
Kleine Feierstunde in großer Runde: Anlässlich der Auslieferung des 100. Fahrsystems für Computertomographen haben sich die Pojektverantwortlichen von Siemens und Schaeffler Lineartechnik im Werk Homburg/Saar eingefunden.
(Bild: Schaeffler)

Als am Tag nach der Feierstunde eine montagefertige Baugruppe das Werksgelände in Homburg an der Saar verlässt, ist wie auch schon bei den zuvor gelieferten Systemen ein ganzer Sattelzug gefüllt. Zuvor haben alle Beteiligten die interdisziplinäre Zusammenarbeit des firmenübergreifenden Projektteams in den Prüffeldern von Siemens und Schaeffler sowie auf den Baustellen bei den Anwendern als den entscheidenden Erfolgsfaktor für das Geleistete genannt.

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Neue Nutzungsmöglichkeiten für die therapeutische Bildgebung

Dr. Christoph Dickmann von Siemens Healthcare beschreibt die Grundidee des Sliding Gantrys so: „Während normalerweise der Patient mit der Liege durch den Computertomographen fährt, bewegt sich beim Sliding Gantry das CT-Gerät während der Bildgebung über den Patienten. Das ermöglicht neue Nutzungsmöglichkeiten, besonders für die therapeutische Bildgebung.“ Darüber hinaus kann das CT in zwei Räumen mit zwei ortsfesten Patientenliegen eingesetzt werden, zwischen denen es mit 120 mm/s verfährt. „Das bietet den Betreibern erhebliche wirtschaftliche Vorteile“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Reith, Direktor der Klinik für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes: „Die Sliding-Gantry-Technologie erlaubt, Tomographen abwechselnd in zwei Zimmern einzusetzen. Der Durchsatz lässt sich erhöhen und für Notfälle steht jederzeit ein Schock- beziehungsweise Interventionsraum mit CT bereit, ohne dass der geplante klinische Alltag ins Stocken gerät.“

In Japan ist der Kunde nicht nur König, sondern Gott

Klar, dass eine Feierstunde auch Anlass ist, zurückzublicken: Innerhalb nur eines Jahres entwickelten die Ingenieure von Schaeffler und Siemens gemeinsam die Sliding Gantry. Das erste Lastenheft wurde im Sommer 2010 geschrieben. Schon ein halbes Jahr später wurde der erste Prototyp im Siemens-Prüffeld in Forchheim getestet, ehe im September 2011 die Lieferfreigabe und nur einen Monat später die erste Abnahme einer Serienanlage erfolgten. Noch im November desselben Jahres konnte die erste Anlage an einen Kunden in Japan geliefert werden. „Härter hätten die Anforderungen nicht ausfallen können, denn in Japan ist der Kunde nicht nur König, sondern Gott“, erinnert sich Ulrich Förner, technischer Projektleiter der Siemens-Division Imaging & Therapy. Die verwendeten CTs sind indes Standardprodukte, wie sie auch für den stationären Einsatz installiert werden. „Da gibt es nur Anpassungen in der Steuerung“, erklärt Förner.

Kernkompetenzen von Schaeffler und Siemens Healthcare

Zur erfolgreichen Entwicklung des Fahrsystems für Computertomographen brachten beide Unternehmen ihre Kernkompetenzen ein: Siemens Healthcare konzentrierte sich auf CT-Gerät, Bildgebung und Scannersteuerung und Schaeffler auf die mechatronische Linearsystemlösung der Verfahreinheit. Deren Antrieb erfolgt über Zahnstangen. Diese sind nicht nur kompakter, sondern auch einfacher zu montieren als Kugelgewindetriebe. Die Verbindung der beiden komplett im Boden versenkten Verfahrantriebe erfolgt über eine integrierte Zwischenwellenkupplung. Aufgrund der Baulänge von bis zu 6 m müssen die Zahnstangen aus Segmenten zusammengefügt werden, was zur Kernkompetenz von Schaeffler gehört. Der Laufwagen selbst ist ein individuell auf die Anwendung abgestimmtes System auf Basis von Standardkomponenten und -baugruppen aus der Integrationspyramide von Schaeffler. Als komplette mechatronische Plug-and-Play-Systeme werden die Schaeffler’schen Baugruppen erst auf der Baustelle mit dem CT verbunden. Dabei folgt deren Systemaufbau dem Plattformgedanken und berücksichtigt bewährte Prozesse, wie die Lean-Philosophie aus der Automobilindustrie.

Die Komplexität der dreidimensionalen Raumanpassung der Gantry

Dazu erklärte Henning Dombek, Leiter Systemlösungen bei Schaeffler Lineartechnik: „Mit der Übertragung der gesamten Lineartechnik an Schaeffler ging auch die Komplexität der dreidimensionalen Raumanpassung der Gantry in den Krankenhäusern in unsere Verantwortung über, wie beispielsweise die Längenvariabilität am Boden und an der Decke, die Anpassung an die Deckenhöhe und an den Bodenaufbau sowie die teleskopierbare Kabelsäule in mehreren Ausführungen.“

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Über den Autor

 Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der Medtech-Branche