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Ziel der beiden Entwicklerteams war ein All-inclusive-Paket für das Sliding Gantry, das die Logistik möglichst einfach machen sollte. Siemens entschied sich dafür, die an individuelle Endkundenverhältnisse angepasste Lineartechnik und Kabelführungen bei Schaeffler in Homburg zu beziehen. Zu Testzwecken werden sämtliche Systeme dort aufgebaut, ehe sie wieder demontiert zur Baustelle geliefert werden.
1.600 Varianten erfordern große Anstrengungen beim Komplexitätsmanagement
Was klein begann, hat inzwischen enorme Ausmaße angenommen. So ist zum Beispiel das ursprünglich einseitige Lastenheft in gemeinsamer Arbeit auf über 100 Seiten angewachsen. Mehr als 1.600 Varianten können mittlerweile als individuelle Einzelstücke geliefert werden, was große Anstrengungen beim Komplexitätsmanagement erfordert. Dennoch beträgt die abgestimmte Lieferzeit nur 15 Wochen von der Bestellung bis zur Auslieferung, bei 165 definierten Standardvarianten sogar nur 9 Wochen.
Die konstruktive aber auch logistische Aufteilung in das Kernprodukt des Medizingeräteherstellers und in ein funktionsfertiges Linearsystem ist auch ein Modell für andere Systeme, die erst beim Endkunden komplett aufgebaut werden können. Es befreit die Gerätehersteller von der Handhabung, Vormontage und Einstellung der Linearsysteme im eigenen Werk. Zudem entlastet es den Warenein- und -ausgang und vereinfacht den Versand. Für die Projektleiter vor Ort reduziert sich der logistische Aufwand damit auf ein Mindestmaß.
Die Workflows in der Klinik optimieren
Die Optimierung des Workflows verfolgt auch Klinikdirektor Reith. Denn bei der Diagnose und Therapie akuter Schlaganfälle gilt noch immer „Time is brain“. Doch leider wird die Behandlung vieler Patienten zu spät eingeleitet. „Nur etwa 15 bis 40 Prozent der Betroffenen erreichen die Klinik innerhalb des möglichen Lysezeitfensters“, so Reith. Selbst innerhalb der Klinik stellt er enormes Verbesserungspotenzial fest. So vergehen beispielsweise im Universitätsklinikum des Saarlandes rund 45 Minuten, ehe Patienten die kurze Strecke vom CT zur Angiographie zurückgelegt haben. Dabei müssen sie bis zu achtmal umgelagert werden.
Platz im Operationssaal schaffen
Noch werden Sliding-Gantries vor allem in Japan eingesetzt. Aber auch in Deutschland entstehen mehr und mehr Zweiraumlösungen, die von den Betreibern häufig als sogenannte Leuchtturmprojekte hervorgehoben werden. Aktuell bearbeitet Siemens alleine vier Anfragen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Ralf Moseberg, Schaeffler-Geschäfstleiter Lineartechnik, sieht darüber hinaus gute Chancen für vergleichbare Lösungen: „Eines der wichtigsten Ziele von Ärzten, Chirurgen und anderem Klinikpersonal ist es, Platz im Operationssaal zu schaffen. Damit gibt es viel Potenzial für rotative und lineare Bewegungssysteme“ – und vielleicht schon bald die nächste Feierstunde.
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