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Forschungsförderung „F&E ist nicht nur die Laborarbeit in weißen Kitteln“

Redakteur: Julia Engelke

Von dem neuen Forschungszulagengesetz können viele Unternehmen profitieren. Pro Jahr besteht nun die Möglichkeit auf bis zu 1 Mio. Euro Forschungszulage für eine Bandbreite an Forschungs- und Entwicklungsprojekten (F&E). Was dabei zu beachten ist, weiß Markus Busuttil im Interview mit Devicemed.

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Mehr als nur die Laborarbeit in weißen Kitteln: Von dem neuen Forschungszulagengesetz können viele Unternehmen profitieren – wenn sie die richtigen Projekte identifizieren.
Mehr als nur die Laborarbeit in weißen Kitteln: Von dem neuen Forschungszulagengesetz können viele Unternehmen profitieren – wenn sie die richtigen Projekte identifizieren.
(Bild: ©Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Herr Busuttil, warum werden viele Firmen von der neuen Förderzulage profitieren können?

Die steuerliche Forschungszulage schließt eine Lücke in der Förderlandschaft vor allem für mittelgroße Unternehmen, die bisher nur schwer von der projektbezogenen Förderung profitiert haben. Gegenüber bestehenden Förderprogrammen hat diese Forschungszulage drei entscheidende Vorteile. Erstens: Sie kann rückwirkend beantragt werden, und zwar für Projekte, mit denen erst nach dem 1. Januar 2020 begonnen wurde. Dies erhöht die Flexibilität, da Unternehmen nicht erst auf einen positiven Förderbescheid warten müssen. Zweitens: Es gibt keine Vorgaben bezüglich des Entwicklungsthemas oder des technologischen Schwerpunktes der F&E-Projekte. Sie ist themenoffen und das ist für viele Unternehmen der Einstieg, sich mit dieser Förderung erstmals zu beschäftigen. Drittens: Planungssicherheit für Unternehmen, denn die haben einen Rechtsanspruch auf die Forschungszulage, sobald sie förderfähige Projekte durchführen und diese von der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) als F&E bescheinigt werden.

Markus Busuttil ist Gründer und Geschäftsführer von Busuttil & Company. Er hat über sieben Jahre Erfahrung in der Beratung zur steuerlichen Forschungsförderung gesammelt und unterstützte Mandanten aus der Industrie sowie multinationale Gruppen und Private Equity Funds.
Markus Busuttil ist Gründer und Geschäftsführer von Busuttil & Company. Er hat über sieben Jahre Erfahrung in der Beratung zur steuerlichen Forschungsförderung gesammelt und unterstützte Mandanten aus der Industrie sowie multinationale Gruppen und Private Equity Funds.
(Bild: privat)

Warum ist die Forschungszulage besonders für Unternehmen in der Medizintechnik relevant?

Unternehmen in der Medizintechnik sind häufig sehr innovativ. Dazu kommt, dass Entwicklungsprojekte sehr kostenintensiv sind, vor allem, wenn man klinische Studien durchführen muss. All diese Kosten könnte man über die Forschungszulage fördern lassen. Aber nicht zuletzt sind neu eingeführte Regularien, wie die Medical Device Regulation (MDR), häufig ein Treiber für Produktinnovationen oder Verbesserungen.

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Worauf ist beim Antragsverfahren zur Forschungszulage zu achten?

Die Forschungszulage zu beantragen erfordert ein zweistufiges Verfahren in einem bürokratischen Prozess. Zuerst muss jedes Projekt oder Projektvorhaben bei der BSFZ zur Begutachtung eingereicht werden. Der Antrag auf eine Projektbescheinigung wird rückwirkend oder vor dem Beginn eines Projektes im laufenden Geschäftsjahr gestellt. Dies hat den Vorteil, Rechtssicherheit bezüglich der Förderung vor Projektbeginn zu erhalten. Bei erfolgreicher Bescheinigung kann die Forschungszulage dann beim Finanzamt beantragt werden.

Wie findet der Unternehmer aus seinen derzeitigen Projekten die förderfähigen heraus?

Im Anfangsprozess steht oft die Frage im Raum, was eigentlich ein Projekt ist und ob der Nachweis zu führen ist, dass dieses Projekt im Jahr 2020 begonnen wurde oder nicht schon vorher. Die typischen Fallstricke bestehen oft im Nachweis der Dokumentation, Zeitaufschrieben und in der Analyse der internen Prozesse. Darüber hinaus können große Projekte auch in Teilprojekte mit klar abzugrenzenden technologischen Schwerpunkten gegliedert werden. Dies bietet auf der einen Seite einen gewissen Spielraum, kann aber unter Umständen die Beantragung aufwendiger gestalten, da jedes Teilprojekt eine Bescheinigung benötigt.

Sie weisen auf fünf notwendige F&E-Kriterien für ein Forschungsprojekt hin. Welche sind das?

Zusätzlich zur Einordnung in die drei Kategorien der Grundlagenforschung, der industriellen und experimentellen Forschung sollten förderfähige Projekte diese fünf F&E-Kriterien nach dem sogenannten Frascati-Handbuch erfüllen: Neuartigkeit und Unsicherheit sind die ersten entscheidenden Kriterien. Hinzu kommen die Attribute des Schöpferischen, des Reproduzierbaren und des Systematischen. Die Anwendung dieser Kriterien ermöglicht es jedoch, viele Entwicklungsaufgaben mit zu berücksichtigen, die die meisten Ingenieure in der Entwicklung als Tagesgeschäft empfinden und nicht als Forschung. Das Problem ist, dass jeder von uns eine eigene Definition von F&E hat, und nach meiner Erfahrung legen viele Ingenieure die Messlatte viel höher an als nötig.

Weitere Artikel zur Zukunft der Medizintechnik finden Sie in unserem Themenkanal Forschung.

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