Anbieter zum Thema
Die Vertreter der Unternehmen wiesen erneut auf die potenziellen Folgen des Verordnungsentwurfs hin. Unter anderem wolle die EU neue Instanzen für die Zulassung von Medizinprodukten schaffen. Die Zulassungsverfahren würden sich verlängern, die Kosten steigen – zu Lasten des Gesundheitswesens und der zumeist mittelständischen Hersteller. Die vorgeschlagenen Zulassungsverfahren brächten nicht mehr Patientensicherheit und seien wirtschaftlich nicht darstellbar.
Wenn überhaupt, kommt die Verordnung nur mit weiteren Kompromissen
Die Europaabgeordneten machten den Medizintechnikherstellern Hoffnung. Sie meinten, der vorliegende Entwurf werde auf keinen Fall in dieser Form in ein Gesetz umgewandelt. Es sei ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Wenn die Verordnung überhaupt komme, dann nur mit weiteren Kompromissen. Im Ergebnis werde die Medizinprodukte-Verordnung ein erträgliches Ausmaß annehmen. Im Europaparlament gebe es durchaus Kritik an der geplanten Medizinprodukte-Verordnung, denn das Gesetz könne mit einem Schlag vernichten, was man in der Vergangenheit mühsam aufgebaut habe: eine starke medizintechnische Industrie mit besonders vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Sven Lazic von der Firma Peter Lazic zeigte den Europaabgeordneten einfachste Pinzetten, die seit langem in der Neurochirurgie eingesetzt werden. Diese Instrumente sind als Hochrisiko-Produkte eingestuft und unterliegen bereits jetzt schon einem strengen Zulassungsverfahren. Die neue Verordnung verlangt zusätzlich langwierige Erprobungen am Patienten. „Ein Großteil der Medizintechnikbranche setzt sich aus kleinen und mittelständischen Betrieben zusammen. Die werden sich solche zusätzlichen, teuren und wissenschaftlich unbegründeten Verfahren kaum leisten können“, betonte Yvonne Glienke.
Dieses Beispiel stieß bei den Abgeordneten auf Einsicht, so der Eindruck der Tuttlinger Delegation. Die Parlamentarier meinten, dass die Verordnung auf jeden Fall noch optimiert werden muss. „Die Abstimmung des Europaparlaments am 22. Oktober wird zeigen, ob wir die Abgeordneten beim Wort nehmen können“, meinte Yvonne Glienke abschließend. „Ansonsten wird unsere Branche wohl einem erheblichen Stresstest unterzogen“, befürchtete Martin Leonhard von der Firma Karl Storz.
Gemeinsames Interesse von Politik und medizintechnischer Industrie
Jan Unverhau von der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg versuchte, den Abgeordneten das gemeinsame Interesse von Politik und medizintechnischer Industrie bewusst zu machen. Er sagt: „In der politischen Auseinandersetzung um ein neues Medizinprodukte-Reglement muss noch deutlicher herausgestellt werden, dass wirtschaftliche Interessen und Patientensicherheit nicht gegenläufig sind. Im Gegenteil, ein Höchstmaß an Patientensicherheit ist das beste Verkaufsargument.“
(ID:42362899)
