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Steinbeis-Transferzentrum

Der perfekte Assistent

| Autor/ Redakteur: / Kathrin Schäfer

Aufgrund von Krankheiten wie Arthrose oder Schlaganfällen fällt älteren Menschen das Laufen oft schwer. Für kürzere Strecken ist dann ein Rollstuhl unverzichtbar. Dank Sensoren und Motoren kann dieser sogar Treppen überwinden.

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Ein Demonstrator-Modell des Assist Mobil während des Treppensteigens; die Beine befinden sich unterhalb des Rollstuhls und schieben ihn von Stufe zu Stufe.
Ein Demonstrator-Modell des Assist Mobil während des Treppensteigens; die Beine befinden sich unterhalb des Rollstuhls und schieben ihn von Stufe zu Stufe.
( Bild: Steinbeis-Transferzentrum )

Wie kann man mit einem Rollstuhl Treppen überwinden? Wie kann man vom Rollstuhl auf das Auto umsteigen? Denn für längere Strecken steht häufig ein eigenes Auto bereit, das dank Fahrerassistenzsystemen und anderen technischen Hilfen auch von Menschen mit körperlichen Einschränkungen selbständig gefahren werden kann. Problematisch ist dann aber nicht nur das Umsteigen vom Rollstuhl auf den Fahrersitz, sondern auch das Verstauen des Rollstuhls im Kofferraum.

Im Projekt Assist Mobil hat das Steinbeis-Transferzentrum „Medizinische Elektronik und Lab-on-Chip-Systeme“ deswegen ein Mobilitätssystem entwickelt, das sich auf kurzen und mittleren Strecken autonom fortbewegen und dabei sogar Hindernisse wie Treppen überwinden kann, gleichermaßen aber auch über Schnittstellen verfügt, die eine einfache Integration in ein serienmäßiges Auto ermöglichen. Kernstück von Assist Mobil ist ein Sitz, der sowohl im PKW als Fahrersitz wie auch außerhalb des Autos auf einem fahrbaren Untersatz als Rollstuhlsitz Verwendung findet. Alle Wege des Alltags, die kurze Strecke in der Wohnung vom Bad im Obergeschoss in die Küche im Erdgeschoss, die mittlere Strecke durch die Fußgängerzone zur Apotheke wie auch die längere Strecke per PKW zum Facharzt in die nächste Stadt kann der Nutzer selbständig und ohne Umsteigen von einem Sitz auf den anderen absolvieren, ohne dafür die Hilfe einer zweiten Person zu benötigen.

Extrem wendiger Rollstuhl

Auf kurzen und mittleren Strecken befindet sich der Universalsitz auf einem Segway-ähnlichen Fahrwerk und bildet gemeinsam mit ihm einen extrem wendigen Rollstuhl. Dabei wird der Rollstuhl auf nur einer Achse, also einem Radpaar, balanciert. Jedes Rad wird durch einen separaten Elektromotor dynamisch gesteuert; die Motoren halten den Schwerpunkt genau über der Radachse. Nur in der Parkposition und vor dem Treppensteigen wird zur Stabilisierung ein zweites, kleineres Radpaar ausgefahren. Dank dieser einachsigen Bewegungsweise hat der Rollstuhl einen sehr kleinen Wendekreis, er kann sich beinahe auf der Stelle drehen. So ist er auch innerhalb der Wohnung zwischen Möbeln präzise lenkbar.

Erkennen die Ultraschallsensoren des Fahrwerks eine Treppe, so fährt der Rollstuhl rückwärts an die Treppe heran, bis die beiden Räder die erste Stufe berühren. Anschließend fahren zwei ausklappbare Beine aus dem Fahrwerk heraus, die sich ähnlich den menschlichen Beinen aus Ober- und Unterschenkel zusammensetzen. Mit ihren Elektromotoren schieben die Beine den Rollstuhl auf die nächsthöhere Stufe, bevor sie sich nacheinander ebenfalls auf der nächsten Stufe neu positionieren. So erklimmt der Rollstuhl Stufe für Stufe, bis die gesamte Treppe bewältigt ist. Anschließend werden die Beine wieder eingefahren und das Fahrwerk schaltet automatisch wieder in den Fahrmodus um. Selbstverständlich können auf diese Weise auch Treppen nach unten überwunden werden.

Ob Kurz- oder Langstrecke – der Assist Mobil macht mobil

Will der Nutzer in seinen PKW umsteigen, so fährt er mit dem Rollstuhl an die Fahrertür heran. Das leicht modifizierte Sitztransfersystem der Firma Autoadapt nimmt den Sitz vom Fahrwerk des Rollstuhls ab und schwenkt ihn ins Auto. Der Nutzer bleibt also auf dem gleichen Sitz und nutzt ihn im PKW als Fahrersitz. Das im Projekt Assist Mobil entwickelte Rollstuhlfahrwerk fährt anschließend automatisch zum Heck und verlädt sich selbständig im Kofferraum. Am Ziel angekommen lädt es sich automatisch wieder aus und fährt zur Fahrertür, damit der Fahrer samt Sitz wieder heraus geschwenkt werden kann.

Damit kann der Nutzer alle Wege des Alltags, vom Aufstehen am Morgen bis zum Zubettgehen am Abend, auf dem gleichen Sitz bewerkstelligen, ohne fremde Hilfe zu benötigen. Will er zwischendurch aufstehen und Tätigkeiten auf eigenen Beinen durchführen, so fährt der Rollstuhl automatisch an einen vorgegebenen Platz in den Parkmodus, beispielsweise an seine Ladestation. Der Nutzer ist somit maximal flexibel, der Assist Mobil bietet ihm ganztags unabhängige Mobilität.

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